LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Jill Bettendorff über ihren bisherigen Weg und ihre Zukunftspläne

Karge Landschaften, und darin eingebettet menschliche Körper, die wegen ihrer Posen fast nicht mehr als solche erkennbar sind, sondern beinahe schon wie Skulpturen wirken: Diese Symbiose zeigt die junge Fotografin Jill Bettendorff derzeit in ihren Schwarz-Weiß-Aufnahmen in der Gruppenausstellung Intro_Photographie in der Galerie „Konschthaus beim Engel“. Eigentlich hatte die 29-Jährige nach ihrem Sekundarschulabschluss aber einen anderen Weg eingeschlagen und sich erst später der Fotografie zugewendet.

Ursprünglich haben Sie Tanz am Pariser „Institut de formation professionnelle Rick Odums“ studiert und erst danach Ihren „Bachelor of Arts“ in Fotografie an der Berliner Technischen Hochschule gemacht. Warum dieser Richtungswechsel?

Jill Bettendorff Während meines letzten Jahres in Paris habe ich einen Fotografen kennengelernt, mit dessen Fotoapparat ich mich dann in gewisser Weise ausprobierte und ihm auch während Shootings assistierte. Schnell hatte ich daraufhin den Wunsch, mir eine eigene, erst einmal semiprofessionelle Kamera anzuschaffen. Fotos habe ich aber immer schon gerne geschossen und war von klein auf kunstbegeistert. Es war deshalb klar, dass ich die Kunstsektion im Lyzeum besuchen würde. Kunst war stets sehr präsent in meinem Leben. Später, nach meinem Tanzstudium, war ich sechs Monate in Amerika, in New York und Los Angeles, um mich als Tänzerin weiterzubilden und erste Jobs an Land zu ziehen. Das funktionierte auch alles so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Dennoch hatte die Fotografie mein Interesse ebenfalls so richtig geweckt, und ich bekam erste Engagements als Fotografin. Die Idee, auch das zu meinem Beruf zu machen, nahm somit konkrete Züge an.

Sollte der Tanz also etwas mehr zur Nebensache werden?

Bettendorff Aufhören wollte ich nie mit dem Tanzen. Tanz war immer ein Bestandteil meines Lebens, jedoch wurde meine Leidenschaft für die Fotografie immer größer. Nach meinem Aufenthalt in den USA verspürte ich dann definitiv den Wunsch, ein solches Studium in Angriff zu nehmen und nach Berlin zu ziehen, wo ich jetzt nach dem Abschluss auch noch lebe.

2015 haben Sie die RTL-Show „Generation Art“ gewonnen. Inwiefern hat sich dies auf Ihre weitere Karriere ausgewirkt oder Ihnen Türen geöffnet?

Bettendorff Es war natürlich eine tolle Erfahrung, und ich habe mich sehr gefreut, allerdings war es irgendwie nicht das beste Timing, um mich in Sachen Aufträge oder Bekanntheitsgrad richtig weiterzubringen. Ich steckte damals mitten im Studium und konnte deshalb nicht in Luxemburg bleiben, um davon zu profitieren, dass man plötzlich meinen Namen und mein Gesicht kannte. Wenn man eine solche Sendung gewinnt, ist es natürlich von Vorteil, dann auch präsenter zu sein. Und ich war ganz einfach nicht präsent, weil ich gleich wieder nach Berlin zurückkehrt bin, um mein Studium fortzusetzen. Dieses abzubrechen oder eine Pause einzulegen, kam nicht in Frage. Die Sendung hat mir insofern die Augen geöffnet, als dass ich mich nicht alleine auf die Fotografie beschränken, sondern verschiedene Disziplinen miteinander verbinden wollte, um mich irgendwann als pluridisziplinäre Künstlerin zu etablieren. Ich hoffe, dass es mir gelingt, irgendwann in einer Ausstellung mehrere Kunstrichtungen zu verbinden. Genau das ist mein Ziel, und gleichzeitig mein Traum.

Wie würden Sie Ihren Stil denn aktuell beschreiben?

Bettendorff Ich war eigentlich immer schon pluridisziplinär, sei es im Tanz oder in der Fotografie. In beiden Bereichen habe ich viele verschiedene Stile kennengelernt. Meinen Lebensunterhalt verdiene ich mit, sagen wir mal, kommerzieller Fotografie - derzeit hauptsächlich im Bereich Mode - und versuche daneben, soweit es möglich ist, mehr Kunst zu machen. Der menschliche Körper und die Natur - beziehungsweise beides kombiniert - sowie Architektur sind momentan meine Favoriten, was die Motive anbelangt. Bei der aktuellen Ausstellung „beim Engel“ richte ich den Fokus ebenfalls auf den Körper in der Natur. Die Fotos der Serie „Psychotope“ habe ich mit zwei Tänzern in Südspanien realisiert. Was meine Themen anbelangt, so sehe ich wohl eine gewisse Entwicklung, wogegen ich nicht sagen kann, dass ich meinen Stil mit der Zeit verändert habe. Natürlich war es mir besonders am Anfang wichtig, mich auszuprobieren.

Warum wollten Sie als Wahl-Berlinerin bei dieser Expo-Reihe mitmachen?

Bettendorff Es ist mir trotz allem wichtig, einen Fuß in Luxemburg zu haben. Es ist das Land, aus dem ich stamme. Wenn ein Luxemburger ins Ausland geht, dann oft, weil er etwas sucht, was er vielleicht in seiner Heimat nicht findet. Auf der anderen Seite ist es dann auch wichtig, wieder ein Stück davon zurückzubringen und zu zeigen, wie man sich entwickelt hat. Letztlich kann das die Kunst in Luxemburg ja auch bereichern und weiterbringen.

Gelingt Ihnen eigentlich jedes Foto so, wie Sie es sich vorgestellt haben, oder ist es doch manchmal schwer, eine Idee umzusetzen?

Bettendorff Eine gewisse Erfahrung ist dazu natürlich schon nötig. Man muss tatsächlich erst einmal viel probieren. Auch im Studium wird einem nicht alles vorgekaut und punktgenau erklärt, wie man sich anlegen muss. Das muss man während vieler Versuche selbst herausfinden. Je mehr Erfahrung man sammelt, desto eher weiß man, welche Mittel man braucht, um seine Vorstellung in die Tat umzusetzen.

Eine Rückkehr nach Luxemburg ist wohl keine Option?

Bettendorff In naher Zukunft jedenfalls nicht. Berlin bietet einfach sehr viele Möglichkeiten. Was in zehn Jahren ist, weiß ich nicht. Luxemburg ist trotzdem immer noch mein Zuhause, daran wird sich auch nichts ändern. Ich werde zwischendurch immer wieder zurückkehren und will auch im Kunstbereich immer mal wieder etwas hier machen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Welche Rolle spielt überhaupt Tanz momentan noch in Ihrem Leben?

Bettendorff Definitiv steht Fotografie derzeit im Mittelpunkt. Dennoch will ich innerhalb der nächsten zwei Jahre auch wieder ein Tanzprojekt machen, dies zusammen mit meinem Freund, der ebenfalls Tänzer ist. Er ist übrigens auch auf den Fotos in der Intro-Ausstellung zu sehen. Wir haben demnach bereits in der Fotografie viel zusammengearbeitet und hatten auch im Tanz schon das ein oder andere gemeinsame Engagement. Nun planen wir, unser eigenes Projekt auf die Beine zu stellen. Zwischendurch, wenngleich eher unregelmäßig, habe ich indes auch Verpflichtungen als Tänzerin. Natürlich ist es nicht immer einfach, ein Gleichgewicht zu finden. Was meine weiteren Zukunftspläne anbelangt, so will ich mich, wie gesagt, als pluridisziplinäre Künstlerin etablieren. Wünschen würde ich mir außerdem eine eigene Tanzkompanie. Später würde ich mich auch gut als „Art Director“ oder „Creativ Director“ meiner eigenen Kompanie sehen. Ich habe noch einiges vor. Wichtig ist mir einfach, später einen Weg zu finden, wo ich alles miteinander verbinden kann, also Fotografie, Tanz und Kunst.


„Intro_Photographie“ läuft noch bis zum 28. Januar im „Konschthaus beim Engel“

(1, rue de la Loge / 1945 Luxemburg), dienstags bis sonntags von 10.30 bis 18.30.

Mehr Informationen zur Künstlerin unter www.jillbettendorff.com