NIC. DICKEN

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein um zu behaupten, dass die aktuelle, global wirksame Corona-Pandemie sicher nicht die letzte der möglichen Heimsuchungen sein wird, von der die Erde und die auf ihr lebenden Menschen betroffen sein werden. Unzählige derartiger Pandemien hat es in der Geschichte der Menschheit schon gegeben und wird es wohl auch weiterhin geben.

Neu ist allenfalls die Geschwindigkeit und flächendeckende Wirkung, mit der sich der Corona-Virus innerhalb weniger Wochen über die ganze Welt verbreiten konnte. Schuld an diesem Phänomen sind allerdings keinesfalls Natur und Beschaffenheit des Virus an sich, sondern vielmehr die Lebensgewohnheiten der heutigen Menschheit, für die weltumspannendes Reisen in den letzten Jahrzehnten zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, als solche aber schon nicht mehr wirklich wahrgenommen wird. Das „global village“ und die unbegrenzten Reisemöglichkeiten werden als solche vornehmlich in wirtschaftlicher Hinsicht positiv wahrgenommen, bergen jedoch auch Gefahren und Bedrohungen, die nur Zyniker als unvermeidliche Kollateralschäden empfinden können.

Viele als blinde Passagiere an Schiffsrümpfen und in Obstkisten aus anderen Weltregionen eingeschleppte Tiere und Pflanzen haben in Europa neue Entwicklungsmöglichkeiten gefunden, wo sie sich, mangels der in ihren ursprünglichen Herkunftsgebieten vorhandenen natürlichen Feinde, mit ungebremster Kraft verbreiten können. Es wird kein Zufall gewesen sein, dass der ursprünglich in Zentralchina festgestellte Corona-Virus seine erste und äußerst schnell voranschreitende Verbreitung ausgerechnet in namhaften, von Besuchern anderer Kontinente aufgesuchten europäischen Wintersportregionen mit geselligem Après-Ski und im niederrheinischen Fastnachtstrubel der Februartage gefunden hat. Die heimreisenden Wintersportler hatten den Virus als ungebetenen Gast mit im Gepäck und sorgten, unbewusst selbstverständlich, für dessen flächendeckende Verbreitung. Ein übliches mag sich dann an wichtigen Drehkreuzen, wie Bahnhöfen und Flugplätzen zugetragen haben: Die Pandemie war unvermeidlich, umso mehr als erste Anzeichen von Epizentren, etwa in den Dolomiten oder in Tirol, aus reinen Geschäftsgründen auch noch ignoriert wurden.

Einen knappen Monat nach den ersten Anzeichen sind wir inzwischen mit weltweiten Ausgangsbeschränkungen konfrontiert, mit vorher undenkbaren Einschnitten in unsere persönliche Bewegungsfreiheit, die manche nicht so sehr als unerlässliche Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, sondern vielmehr als ungebührliche Beschneidung der elementaren Menschenrechte ansehen und anprangern. Dass sie mit ihrer Weigerung zur Akzeptanz eigener Beschränkungen als Mittel gegen eine weitere Verbreitung der Pandemie nicht nur die Freiheit, sondern das Leben, das elementarste Grundrecht anderer Menschen gefährden, scheint nur schwer vermittelbar. Genau so ist es mit der Notwendigkeit zur Begrenzung der Freiheit für unbeschränktem Einkauf: Die eifrigen Regalplünderer nehmen ihren Mitmenschen die Freiheit auf elementare Grundversorgung.

Die eigene Freiheit hört dort auf, wo die Freiheit des Nächsten beginnt. Das nennt man auch Verantwortung.