Als „Bank in einer Welt im Wandel“ bezeichnet sich seit kurzem die BGL BNP Paribas. Was damit ausgesagt werden soll, ist klar: Den sich ständig verändernden Bedürfnissen und Gewohnheiten der Kunden will sich das Institut anpassen. Unter anderem setzt die Bank deswegen auf die Erweiterung ihres digitalen und mobilen Angebots (Omnikanal-Strategie) und hat vor einiger Zeit auch eine Kooperation mit dem luxemburgischen mobilen Bezahldienst Digicash geschlossen, mit deren App Kunden Zahlungen über ihr Smartphone vornehmen können. Groß angelegtes Projekt der Bank ist die Modernisierung, wozu auch der Ausbau des Zweigstellennetzes gehöre.
Im Laufe des ersten Halbjahrs 2015 hat die BGL BNP Paribas im Bereich Wealth Management weiter ihr Geschäftsmodell umgestaltet, wie die Bank gestern bei der Präsentation ihres Halbjahresergebnisses zum 30. Juni erklärte. Das Resultat selbst ist keine Neuigkeit, war es doch bereits Ende Juli mit dem Geschäftsergebnis des Mutterhauses NBP Paribas in Paris bekanntgegeben worden. Ein Blick auf die Details, mit denen sich am Donnerstag der Verwaltungsrat der Bank befasste und die gestern vorgelegt wurden, ist dennoch von Interesse.
Insgesamt, so betonte der Vorstandsvorsitzende Carlo Thill, seien die Ergebnisse der Bank „in Anbetracht des weltweit unsicheren wirtschaftlichen Umfeldes und der hohen Volatilität an den Finanzmärkten mehr als zufriedenstellend.“
Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres hat Luxemburgs zweitgrößte Bank im Privatkundengeschäft ein konsolidiertes Nettoergebnis (Anteil der Gruppe) von 174,9 Millionen Euro erzielt, was gegenüber dem Vergleichswert im ersten Halbjahr 2014 von damals 174,7 Millionen ein nahezu unverändertes Ergebnis ist. Das Nettobankergebnis ist in den ersten sechs Monaten um zwei Prozent auf 687,6 Millionen Euro gestiegen. „Das Kundengeschäft und das internationale Leasing-Geschäft entwickelten sich zwar positiv, doch die Erträge aus Aktivitäten im Finanzmarktbereich werden nach wie vor durch das Niedrigzinsumfeld und strengere aufsichtsrechtliche Auflagen belastet“, teilte die Bank mit. Die betrieblichen Aufwendungen belaufen sich auf 328,5 Millionen Euro. Dies entspricht einem Rückgang von zwei Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Bruttobetriebsergebnis erhöhte sich aufgrund des deutlichen Anstiegs des Nettobankergebnisses und niedrigerer Kosten um sechs Prozent. Die Risikokosten lägen mit 28,8 Millionen Euro auf äußerst niedrigem Niveau, wenn man bedenke, dass das Geldhaus Bestände von mehr als 25 Milliarden Euro hat.
Kapitalkräftige Kunden
Im Bereich Wealth Management, der Vermögensverwaltung für gut betuchte Kunden, hat die Bank eine neue Segmentierung im Vertrieb vorgenommen und im Januar eine „Family Wealth Solutions“, einen Family Office Service ins Leben gerufen. Das verwaltete Vermögen in diesem Geschäftsbereich sei um vier Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2014 gestiegen, teilte die Bank mit. Dieser deutliche Kapitalzufluss sei maßgeblich auf den hohen Beitrag des Segments „Ultra High Net Worth Individuals“ zurückzuführen, das nunmehr für über die Hälfte des verwalteten Vermögens verantwortlich zeichne.
Auch der Bereich Retail & Corporate Banking für Firmenkunden in Luxemburg verzeichnete eine Zunahme: Das durchschnittliche Kreditvolumen stieg hier um 2,4, das durchschnittliche Einlagenvolumen sogar um 6,1 Prozent. Ebenso habe sich das verwaltete Vermögen der Banque Privée, die für die in Luxemburg ansässigen Kunden zuständig ist, erneut erhöht.
Weiterhin Gegenwind sind durch die niedrigen Zinsen sowie die aufsichtsrechtlichen Auflagen zu spüren, was sich vor allem im Geschäftsbereich Corporate and Institutional Banking (CIB) für Firmenkunden und institutionelle Investoren ungünstig bemerkbar gemacht habe. Als Folge davon wurde die Organisationsstruktur von CIB Luxembourg geändert.
Verlust der Töchter verringert
Beteiligungen an Unternehmen drücken das Gesamtergebnis nach wie vor, aber nicht mehr so stark wie vorher. 2,6 Millionen Euro Verlust brachten die Tochtergesellschaften gegenüber einem Minus von 19,4 Millionen im ersten Halbjahr 2014. „Diese Verbesserung ist im Wesentlichen auf die höheren Beiträge einiger Tochtergesellschaften im nicht strategischen internationalen Leasing-Geschäft mit auslaufenden Geschäftstätigkeiten zurückzuführen“, erklärt die BGL BNP Paribas, sowie auf die guten Ergebnisse der Versicherungsgesellschaft Cardif Lux Vie, an der die Bank eine Beteiligung von 33 Prozent hält. Was den Umzug anbelangt, so läuft es nach Angaben von Vorstand Thill nach Plan. Die erste Umzugswelle ist im Januar 2016 vorgesehen. Auf dem Kirchberg entstehen derzeit zwei Gebäude, in denen die Mitarbeiter des Finanzkonzerns zusammengeführt werden sollen, die sich derzeit über verschiedene Standorte verteilen.


