LUXEMBURG
MARCO MENG

32. „journée boursière“ der Luxemburger Börse

Luxemburgs Stellung als internationales Finanzzentrum lässt sich deutlich an Geschichte der Luxemburger Börse erkennen. Seitdem die 1927 ihre Pforten öffnete, hat sie sich zu einem bedeutenden Institut entwickelt.

Seit man 1969 damit begann, internationale Anleihen in der Währung ihrer Emittenten zu handeln, hat sich das Volumen signifikant erhöht. Heute machen Anleihen etwa 68% aller hier gelisteten Wertpapiere aus. Neuste Entwicklungen nun waren jüngst die Vereinbarung mit der Bank of China, die Zusammenarbeit auszubauen, z.B. bei der Notierung von Wertpapieren und bei der Internationalisierung der chinesischen Währung Renminbi (RMB). Nachdem 2011 auf der Bourse de Luxembourg die erste offshore RMB-Anleihe Europas aufgelegt worden war, hat die Bank of China auch als erste Gesellschaft vom chinesischen Mutterland jüngst die erste RMB-Anleihe in der Eurozone aufgelegt, den so gennannten „Schengen Bond“. Und im April ist auch ein weiterer in der indischen Währung dominierter Bonds gelistet worden, womit die Internationalisierung der indischen Rupie vorangetrieben und auch ausländische Investitionen in den indischen Kapitalmarkt beflügelt werden sollen.

Finanzlandschaft im Wandel

Die Zeit, da alle Finanzinstitute dasselbe anböten, sei vorbei, so Frank Wagener, Präsident der Luxemburger Börse, der gestern anlässlich der Eröffnung des 32. „journée boursière“ der Luxemburger Börse die Akteure im Land aufforderte, mit ihren Bemühungen der Diversifikation fortzufahren und auch von technologischen Veränderungen zu profitieren. Er verwies auf das e-commerce-Unternehmen Alibaba, das einen eigenen Fonds gegründet hat, in den man per Smartphone investieren kann. Gleichzeitig bemerkte er, dass Europa zwar sehr aktiv bei Regulierungen sei, allerdings noch keine Kohärenz zwischen der EU und den globalen Regularien bestehe, was unbedingt erreicht werden müsse. Einerseits müsse das Land noch einige Hürden wie den automatische Informationsaustausch 2015 bewältigen wie auch die aktuelle Prüfung der Unternehmensbesteuerung durch die EU-Kommission, andererseits gäbe es keinen Zweifel, dass noch weitere Hürden kämen. Der Luxemburg Finanzplatz müsse sich darum nachhaltig für die Zukunft aufstellen und als „Hub der Kompetenzen“ positionieren. „Ich bin vorsichtig optimistisch, dass wir die Herausforderungen meistern und dass das Finanzzentrum sich zum Besseren verändern wird“, so Wagener.

„Treibstoff für die Wiedergenesung“

Für den Geschäftsführer der Luxemburger Börse, Robert Scharfe, steht die Wichtigkeit außer Frage, proaktiv zu sein. Mit der Gründung der Tochter „Fundsquare“ habe man letztes Jahr folgerichtig einen Service installiert, der den grenzübergreifenden Vertrieb von Investmentfonds unterstützt und standardisiert. Auch das erste Anleiheprojekt der Europäischen Investitionsbank (EIB) ging auf der Luxemburger Börse über die Bühne. Deren Präsident Werner Hoyer unterstrich denn auch gestern die Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), die zwei Drittel der Arbeitnehmer in Europa beschäftigen und erläuterte, wie die EIB zu Wachstum und Beschäftigung in Europa beiträgt. Europa könne darauf stolz sein, was es bislang erreicht habe, so Hoyer weiter, gleichwohl müsse mehr dafür getan werden, damit die europäischen Banken die Kreditvergabe an KMUs, den wirtschaftlichen Motor Europas, verstärken. Die Kombination von Haushalten, Reformieren und intelligent investieren sei der Weg aus der Krise, wobei langfristig auch die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden müsse. Warum erfolgte die Erholung in den USA schneller als in Europa? fragte Heuer. Unter anderem, weil in den USA Bankkredite nur 20% bei den Unternehmensfinanzierungen ausmachten, in Europa aber 70%, so Hoyer. Die Unternehmen beschaffen sich dort also meist durch Anleihen und Ähnliches frisches Kapital. Neben der Aufgabe, die Fähigkeit der Banken zur Kreditvergabe wiederherzustellen habe die europäische Politik darum auch die Aufgabe, die Möglichkeiten europäischer Unternehmen, sich zu finanzieren, zu erweitern. Eine Priorität kann nach Hoyer darin bestehen, für die KMUs Europas einen Wertpapiermarkt für deren Finanzierung zu entwickeln.