BERLIN
DPA/LJ

Diese Gadgets sollen die Sicherheit von Fahrradfahrern auf der Straße erhöhen

Das Geschäft rund ums Rad boomt, die Vielfalt der Modelle nimmt zu und die des Zubehörs mit immer mehr Sicherheitsfeatures. So tauchen im Netz Umschnall-Blinker für die Handrücken auf, die ähnlich wie blinkende Handschuhe als Richtungsanzeiger dienen sollen oder kleine Rückspiegel, die wie ein Fitnessarmband am Unterarm Platz finden. „Vieles, was man bekommen kann, fällt für mich unter Spielerei“, schränkt David Koßmann vom Pressedienst-Fahrrad (pd-f) in Deutschland ein. Vieles könne das Radeln aber auch sicherer machen.

Helm wird zur Kommandozentrale

Als ein kleines Multitalent vermarktet Hersteller Livall das Modell BH51 M Neo (ca. 170 Euro) (1). Rundum beleuchtet, kann es zum Beispiel blinken. Um die Fahrtrichtung über LEDs an der Rückseite anzuzeigen, genügt ein Tastendruck an der Lenkerfernbedienung. Eingebaute Lautsprecher geben Naviansagen, Musik oder Anrufe vom Handy wieder. Wird gebremst, leuchtet das Rücklicht am Helm heller auf.

Ein ähnliches Produkt ist der Helm Lumos (ca. 250 Euro) aus den USA mit individualisierbarem Matrix-Rücklicht, das ebenfalls als Fahrtrichtungsanzeiger genutzt werden kann. Selbst den Rucksack mit Richtungsanzeige gibt es schon - von Roadwarez (ca. 230 Euro).

Die Helmfirmen betonen eine zertifizierte Schutzfunktion ihrer Produkte. Trek-Bontrager will diese mit einer neu entwickelten Wabenstruktur im Innern des Helms, genannt WaveCel, noch einmal verbessert haben. „Derartige Helme sind in der Lage, nicht nur die geradlinige Aufprallenergie bei einem Sturz aufzunehmen, sondern können auch gefährliche Rotationskräfte abschwächen“, sagt Trek-Marketing-Manager Guido Anderwert. Die WaveCel-Helme (ab 150 Euro) böten einen höheren Schutz vor Gehirnerschütterungen.

Sich sichtbarer machen bringt Sicherheit

Viele Produkte sind wahre Leuchtwunder. Laserlicht-Rückstrahler sind quasi eine Art moderne Variante des alten Ausklappwimpels für den Gepäckträger, sagt Koßmann, „ein Aufmerksamkeits-Gadget.“ Die oft kompakten Teile werden hinten am Rad fixiert und projizieren Linien auf den Boden, um dem Radler auf der Straße einen Schutzraum zu markieren. Mehrere Hersteller bieten solche Laser-Projektoren an.

Generell dürfen batteriebetriebene Lichtanlagen inzwischen an allen Fahrrädern verwendet werden. Ist das Fahrrad nicht vorschriftsmäßig ausgestattet und wird dadurch die Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt, drohen Bußgelder.

Vorsicht ist bei Blinkern geboten, die fest am Rad montiert werden, etwa den Winglights von Cycl (ab 20 Euro), die in die Enden der Lenkerstange gesteckt werden, oder Displays fürs Sattelrohr. Blinker sind nur bei mehrspurigen Fahrrädern erlaubt, zum Beispiel Liegedreirädern. Doch zusätzliche Beleuchtung an Helm, Rucksack oder Taschen ist erlaubt und darf auch blinken.

Rechtlich gesehen ersetzen Reflektorflächen an Radkleidung, Beinlingen, Überschuhen oder Rucksäcken nicht die vorgeschriebenen Rückstrahler, doch sie können eine ähnliche oder bessere Funktion haben. So sorgt beim Commuter Daypack von Ortlieb (ca. 200 Euro) (2) ein rundum eingearbeitetes Reflektionsgarn großflächig für gute Sichtbarkeit im Dunkeln. Ein anderer vollreflektierender Rucksack ist der Luminant Bag von Oak25 (ca. 130 Euro).

Zu den Zubehörartikeln, die Unfällen vorbeugen sollen, zählt auch die Trigger Bell (ca. 12 Euro) (3), die mit einer Handbewegung gleichzeitiges Klingeln und Bremsen ermöglicht und dadurch den Bremsweg verkürzen soll. Oder auch Garmins Abstandsradar, der an Lenkerdisplay oder kompatiblen Fahrradcomputer rückwärtigen Verkehr anzeigt.

Wie beim Auto: Radar und sicherer telefonieren

Selbst eine Handyhalterung, wie sie zum Beispiel Quad Lock oder Messingschlager im Programm haben, steigert die Sicherheit. Denn das Halten und gleichzeitige Benutzen der Geräte während der Fahrt birgt wie im Auto Risiken - und ist verboten.

Der eingangs erwähnte Livall-Helm kann übrigens auch einen Notruf absetzen. Für solche Funktionen sorgen spezielle Sensoren, die Bewegung, Neigung, Beschleunigung und Stürze registrieren. Entsprechende Technik nutzen auch der Airbag-Helm von Hövding oder die Airbag-Weste B’Safe der Marke Helite (ca. 690 Euro). Bei Unfällen soll sich das Luftkissen der Weste blitzschnell aufblasen und den Oberkörper vor der Aufprallenergie schützen. Stefan Weißenborn.