LUXEMBURG
SVEN WOHL

Auch auf den sozialen Netzwerken tobt der Europawahlkampf

Wahlkampf auf den sozialen Netzwerken ist nichts Neues. Doch die Intensität und die neu gefundene Transparenz lassen tief Blicken. Nicht nur in die Geldbeutel der Parteien, sondern auch in deren Strategie. Denn im Gegensatz zum klassischen Wahlplakat können Anzeigen auf Facebook und Instagram mit ganz bestimmten Zielgruppen verknüpft werden.

Kandidaten in Mehrfachausführung

„déi gréng“ greifen am tiefsten in die Tasche. Während unsere Grafik anzeigt, wie viel Geld einzelne Parteiseiten ausgeben, werden Seiten von Sektionen, Kandidaten und Interessengruppen hier ausgeklammert. Bereits bei der Hauptseite von „déi gréng“ sind mehrere Trends zu verzeichnen. Eine der Hauptzielgruppen besteht aus unter 40-jährigen Personen. Der andere Trend: Werbung mehrfach schalten, mit jeweils unterschiedlichen Zielgruppen. Man nehme sich einen Post mit der Kandidatin Tilly Metz als Beispiel: Einmal wird dieser an beide Geschlechter sämtlicher Altersgruppen gestreut. Ein anderes Mal ausschließlich an Frauen im Alter über 35 und ein drittes Mal an alle Frauen. Die Budgets fallen unterschiedlich aus: Die ersten beiden werden mit bis zu 499 Euro bestückt, der letzte Post dagegen mit 500 bis 999 Euro. Tierschutz, Biodiversität und Klimawandel sind die großen Themen der Werbung, die oft auf Stock-Bilder mit Slogans setzt. In den Videos setzt man derweil auf die Kandidaten.

Die LSAP fährt eine vergleichbare Taktik: Kandidaten werden zielgruppengerecht vermarktet. Lisa Kersch und Elisha Winckel, beide 24 Jahre jung, an unter 35-Jährige, Joanne Goebbels mit einem leichten Fokus auf Frauen sämtlicher Altersgruppen. Bei der Werbung für Simone Asselborn-Bintz wird teilweise die Altersgruppe unter 25 ausgeklammert. Die thematische Werbung konzentriert sich auf den Umweltschutz und die Stärkung Europas.

Klima dominiert bei den Themen

Für „déi Lénk“ scheint das junge Publikum viel Geld wert zu sein. Unter anderem auf Instagram, das bekanntlich mehr von jüngeren Menschen genutzt wird, werden die Kandidaten gezielt mit Videos an die Wähler herangebracht. In diesen werden an die Kandidaten gekoppelt auch die jeweiligen politischen Themen hervorgebracht. Die digitale Kampagne ist hier also vollkommen auf einer Linie mit der Offline-Kampagne.

Die DP streut ihre Parteiwerbung vergleichsweise breit. Während die vorigen Parteien allesamt eher eine jüngere Zielgruppe vereinnahmten, konzentriert man sich hier auf alle Altersschichten. Nur vereinzelt trifft man Werbeschaltungen an, die eher auf eines der beiden Geschlechter konzentriert sind oder eine dementsprechende Gewichtung aufweisen. Die Kandidaten treten hierbei mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten auf. Geoblocking, die Stärkung Europas und der Klimawandel sind einige der Themen.

Die CSV fährt relativ mehrspurig in ihrer Taktik. Zum einen finden wir die üblichen Videos mit Kandidaten, doch auch kurze Animationen, welche thematische Schwerpunkte an die etwas jüngere Wählerschaft vermitteln sollen, werden hier propagiert.

Die Piraten fallen aus der Rolle: Sie haben systematisch ihre Werbung nicht mit einem entsprechenden Disclaimer versehen, der für eine Transparenz seitens der Werbenden sorgen soll. Zwar haben sämtliche Parteien, bis auf die CSV, eine Handvoll solcher Posts, doch bei den Piraten ist es die absolute Mehrheit. Die abwechslungsreichen Anzeigen setzen mal auf Stockbilder, Kandidaten oder Videos,

Videos stehen auch beim adr hoch im Kurs: Während die Partei nicht die Geldmittel aufbringt, die andere Parteien einsetzen, so setzt sie fast ausschließlich auf Videos mit ihren Kandidaten. Weibliche Kandidaten werden teilweise mehr an Frauen herangebracht.