LUXEMBURG
ANNE-SOPHIE PIRNAY

Seit Oktober schreibt der „Service audiophonologique“ des Gesundheitsministeriums neu gewordene Eltern an und lädt zu Informationsveranstaltungen ein, um sie darüber aufzuklären, wie Kinder Sprache lernen und wie Eltern diesen Prozess unterstützen können. Die Orthophonistin Anne-Sophie Pirnay geht auf häufige von Eltern gestellte Fragen ein und gibt Ratschläge.

„Der Prozess des Spracherwerbs beginnt schon lange, bevor ein Kind anfängt, selber zu sprechen. Es ist die Interaktion mit dem Kind, die den Prozess der Sprachentwicklung antreibt. Ein Baby gestikuliert, schreit, babbelt. Eltern reagieren mit Worten auf diese lautlichen Äußerungen, indem sie ihnen eine Bedeutung zuteilen. Der Sprachentwicklungsprozess verläuft bei jedem Kind unterschiedlich. Im Allgemeinen fängt ein Kind im Alter von etwa zwölf Monaten an, erste Wörter zu formulieren. Erste Sätze folgen im Durchschnitt ab dem zweiten Geburtstag. Danach nimmt die Sprachentwicklung rasant an Fahrt auf und das Kind baut sein Vokabular und seinen Satzbau beständig aus.

Sehr häufig werden wir gefragt, wie man damit umgehen soll, wenn mehrere Sprachen in einem Haushalt gesprochen werden. Das Allerwichtigste dabei ist es, die Sprachen nicht zu vermischen. Zudem sollten die Eltern ihre jeweilige Erstsprache benutzen, das heißt, die Sprache, die sie am besten beherrschen. Für den späteren Spracherwerb ist es wichtig, eine solide Grundlage in einer Sprache aufzubauen – anstatt ein Kind mit vielen Sprachen zu überfordern, von denen es am Ende dann keine wirklich beherrscht.

Fehler in der Aussprache sollte man nicht ansprechen, sondern auf positive Art und Weise korrigieren, um das Gespräch aufrechtzuerhalten. Zum Beispiel, indem man sagt: ,Richtig! Da ist eine Katze’ – wenn das Kind diesen Ausdruck zuvor falsch ausgesprochen hat. Kinder sollte man also nicht systematisch auffordern, Wörter zu wiederholen. Wichtig beim Gespräch ist der direkte Blickkontakt, weil das die Aufmerksamkeit steigert. Die Eltern sollten auch darauf achten, nicht allzu kindisch mit ihren Kindern zu sprechen.

Ab dem Moment, an dem die sprachliche Entwicklung des Kindes an Fahrt gewinnt, sollte man das Kind auch allmählich vom Schnuller beziehungsweise Daumenlutschen abgewöhnen. Diese Gewohnheiten können die Entwicklung der Mundmotorik oder der Lippenbewegungen beeinträchtigen.

Insbesondere kleine Kinder müssen die Welt mit ihren fünf Sinnen erfassen. Fernseher, Tablets oder andere Medien sollten deshalb nur sehr sparsam eingesetzt werden. Sie können die menschliche Interaktion nicht ersetzen.

Um die sprachliche Entwicklung eines Kindes zu fördern ist eines vor allem entscheidend: Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Spiele, Lieder, Geschichten vorlesen aber auch Alltagssituationen wie der Einkauf oder die Autofahrt können Gelegenheiten sein, mit seinem Kind zu interagieren.“

Weitere Ratschläge finden Eltern in den Ratgebern des Service audiophonologique unter www.audiophonologie.lu