GERSWEILER
CHRISTIAN SPIELMANN

Drei Luxemburger wrestlen im Saarland

Wer kennt sie nicht, die früheren Stars des amerikanischen Wrestlings: Hulk Hogan, The Undertaker, Macho Man Randy Savage, André the Giant, Bret Hart, die Road Warriors oder The Rockers. In der heutigen Liga World Wrestling Entertainment (WWE) heißen sie Seth Rollins, Brock Lesnar, AJ Styles oder Ricochet. Dass im Saarland auch gecatcht wird, ist sicher vielen unbekannt. „Championship of Wrestling“, kurz cOw, heißt die saarländische Liga. Gegründet wurde sie 2013, und erste Events fanden 2014 statt. Drei Luxemburger, Tim, Antonio und Rick, wrestlen dort seit etwa drei Jahren. Sie tragen die Ringnamen Blackwell, Useless und Rick Miranda.

Alle drei sind zum Wrestling gekommen, weil sie sich im Fernsehen stets die Matches der WWE anschauten. Um ihrem Alltag zu entkommen, entschieden sie sich, in ihrer Freizeit Wrestler zu werden, auch wenn sie nicht die Statur eines Hulk Hogans haben und eigentlich ganz normal gebaut sind. Daher zählt nur regelmäßiges Training, um die Schläge und Würfe zu überstehen. Doch die cOw-Wrestler legen ihre Gegner mit Backbreakern, Piledrivern und Powerbombs flach, wie ihre amerikanischen Vorbilder. Das „Lëtzebuerger Journal“ traf die drei vor einer Show in Gersweiler.

„Live Action Comic“

Wrestling ist eine Show, bei der sich im Prinzip niemand weh tut, außer man passt nicht auf und eine Bewegung oder ein Griff laufen schief. Antonio meint, dass man das Wrestling als „Live Action Comic“ bezeichnen kann. Er assistiert bei den Kämpfen Blackwell, auch mal mit illegalen Mitteln. Allerdings wird er oft vom Gegner in Mitleidenschaft gezogen, so dass Blackwell verliert. Den Namen Blackwell fand Tim, als er im Internet googelte, um ein originelles Pseudonym zu finden, das noch niemand benutzt. Seine Masche ist es, das Publikum mit Sprüchen über die Mentalität der Deutschen zu provozieren. Für ihn ist Wrestling eine Kombination aus Theater, Unterhaltung und Sport.

„Das Interessante für mich ist nicht unbedingt, im Ring zu stehen und Schläge auszuteilen“, erklärt Tim. „Eine Geschichte im Ring zu erzählen, ist mein Ding. Ich fing an zu trainieren und fand einen Ausgleich zu meinem Beruf.“ Rick benutzt als Zusatz einen Namen aus seinem portugiesischen Familiennamen. In Gersweiler fühlt er sich an diesem Samstag nicht wohl und sitzt im Publikum. „Ich habe fünf Jahre in einer Band gespielt und bin dann auf das Wrestling gestoßen“, erinnert sich Rick. „Ich wollte mich testen, was auch geklappt hat. Interessant ist für mich, wie eine Show aufgebaut ist.“ Geld verdienen die drei bis jetzt nicht. Es ist der Kick, der sie interessiert. Ob das Publikum sie mag oder nicht, ist nicht von Bedeutung. Eines ist ebenfalls wichtig: Niemand der drei war bis jetzt ernsthaft verletzt. Es gab nur mal eine Zerrung oder ein blaues Auge.

Ablenkungsmanöver

„Im Vorfeld sind die Matches abgesprochen, das weiß man“, sagt Alex Wonder, der Manager und Mitbegründer der Liga, „aber oft muss man sich dem Publikum anpassen, wenn sich ihre Stimmung einem Wrestler gegenüber ändert. Improvisation ist angesagt, immer im Sinn der vorherigen Vereinbarung, und um den Unterhaltungsfaktor zu garantieren.“ Wonder ist auch der Manager des Wrestlers Carnage und der Wrestlerin Melanie Gray. Er versucht stets den Ringrichter abzulenken, wenn es für seine Schützlinge brenzlig wird, zum Beispiel indem er die Schnürsenkel des Referees aufmacht.

Bei der Show am Abend ist Cody Hall der Ehrengast. Er ist der Sohn des bekannten Wrestlers Razor Ramon. Problemlos besiegt er Aaron Insane. Blackwell soll gegen Jester antreten und wird vom maskierten Useless zum Ring begleitet. Doch der Maskierte attackiert Blackwell, und es stellt sich heraus, dass es Jester ist. Useless kommt gefesselt zum Ring und kann nur „nutzlos“ zuschauen, wie sein Kumpel verliert.

Auch wenn die Shows nicht an die Spektakel der WWE herankommen, haben sie einen großen Unterhaltungswert. In Luxemburg sind momentan keine Shows geplant, aber sollte sich ein Sponsor finden, ist die cOw nicht abgeneigt, ihre Wrestler über die Grenze zu entsenden.

Das nächste cOw-Event ist am 18. Januar 2020 um 19.00 in Gersweiler (Saarbrücken). Weitere Informationen findet man auf der Facebook-Seite der Liga oder auf www.cagematch.net