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Lisa Vesque arbeitet seit 2016 im Winzerunternehmen ihrer Familie - Was sie bewegt

Lisa Vesque half immer schon gerne im Winzerunternehmen ihrer Familie aus. Dass sie mit einsteigen will, wurde der heute 28-jährigen aber erst wirklich bewusst, als die berufliche Zukunft in der Schule immer mehr thematisiert wurde. Mittlerweile ist sie fester Bestandteil des Familienunternehmens Cep d’Or und arbeitet gemeinsam mit ihrem Vater. Ihren Bildungsweg und was sie am Winzerdasein besonders begeistert, erzählt Lisa im Interview.

Wie kam es zu Deinem Einstieg ins Familienunternehmen?

LISA VESQUE Als in der Schule immer öfters die Frage aufkam, was wir später machen möchten, habe ich gemerkt, dass ich in die Fußstapfen meines Vaters treten möchte. Nach dem Abitur kam dann die Frage auf: Wo will ich studieren? Da in Luxemburg keine Winzerausbildung in dem Sinne angeboten wird, fiel die Wahl für mich auf Geisenheim. Diese Universität ist eine der drei bekanntesten Schulen, an denen man Weinbau studieren kann. Um hier angenommen zu werden, muss man entweder eine abgeschlossene Winzerlehre aufweisen können, oder ein sechsmonatiges Praktikum. Daraufhin habe ich während einem Jahr Praktika gemacht. Anfangs während eines Monats in der Gegend von Trier bei einem Bekannten von uns, danach habe ich sechs Monate auf einem Weingut am Kaiserstuhl mitgearbeitet und anschließend war ich sechs Monate am Mittelrhein, bevor es dann nach Geisenheim ging. Nach den ersten zwei Jahren des Studiums, habe ich noch ein Erasmusjahr in Bordeaux absolviert. 2016 habe ich die Ausbildung in Geisenheim abgeschlossen und arbeite seither im Familienunternehmen.

Wie muss man sich ein Weinbau-Studium konkret vorstellen?

LISA Das ist sehr unterschiedlich, manche Universitäten legen den Fokus eher auf das Praktische, andere wiederum gehen etwas theoretischer vor. Geisenheim ist eher Theorie-orientiert, sodass in den ersten beiden Semestern an den Grundlagen gearbeitet wird. Von Chemie über Physik, Mathematik, Wirtschaft und Mikrobiologie war alles dabei. Ziel war es, die Studierenden in einer ersten Phase auf ein Level zu bringen. Das zweite Jahr war schon spezifischer. Wir haben uns mit Weinchemie, Önologie und den Weinbergen beschäftigt. Zudem fanden viele Kurse im Labor statt, wo mit dem Mikroskop gearbeitet wurde und beispielsweise Schädlinge erkannt und aufgezeichnet wurden. Praktischer ging es in den Gruppenprojekten zu. Hier hat jede Gruppe sich für ein bestimmtes Projekt eingetragen und sich dementsprechend um die Weinberge gekümmert. Im Folgesemester ging es für die Gruppen in die Traubenlese und den Weinkeller. Fächer wie Sensorik, in denen man die unterschiedlichen Aromen erlernt, sowie auch Weinproben gehörten ebenfalls zum Unterricht.

Ist es schwierig, Aromen zu erlernen und herauszuschmecken?

LISA Ich habe mich tatsächlich etwas schwerer damit getan. Einiges riecht oder schmeckt man sofort heraus, anderes wiederum ist schwieriger herauszufinden. Wie einfach es einem fällt, ist von Person zu Person unterschiedlich, aber wirklich prägnante Aromen kann man, wenn sie einem verständlich erklärt werden, gut herausschmecken. Ich nenne mal das Beispiel eines Rieslings. Man kann Verkostern sagen, sie sollen sich eine Ananas vorstellen, bevor sie den Wein probieren. Da gibt es Leute, die sich das vorstellen können und es auf Anhieb schmecken, andere wiederum haben vielleicht noch nie Ananas probiert und können sich nichts darunter vorstellen.

Was begeistert Dich besonders am Winzerdasein?

LISA Gerade ist die Zeit, in der die ersten Blätter zum Vorschein kommen. Zu beobachten, wie schnell die Pflanzen wachsen, oder wie schnell sich die Blätter vermehren, ist jedes Mal wieder beeindruckend. In einigen Wochen werden schon die ersten Trauben zu sehen sein. Sich vorzustellen, dass wir in sechs Monaten schon fast mit der Traubenlese durch sein werden - wenn es so weitergeht wie bisher – ist verrückt. Diese Evolution zu beobachten, bereitet mir immer wieder Freude.

Gibt es einen Wein oder ein Produktionsverfahren, das Dir besonders am Herzen liegt?

LISA Die ganze Produktion liegt einem natürlich am Herzen, aber ich denke, es gibt immer Arbeiten, die man vielleicht ein wenig bevorzugt. Schaumwein herzustellen finde ich beispielsweise immer sehr spannend, oder generell auch Weine, die im Holzfass, also im Barrique, ausgebaut sind, herzustellen, begeistert mich ungemein.

Wie würdest du Deinen normalen Alltag als Winzerin beschreiben?

LISA Eigentlich ist kein Tag, wie der andere. Morgens schaue ich zusammen mit meinem Vater, was alles ansteht. Die einen gehen in die Weinberge, andere machen Auslieferungen. Wenn das Wetter mal ganz schlecht ist, kommt es öfters zu Planänderungen, sodass die Arbeiter uns beim Etikettieren helfen, statt im Weinberg zu arbeiten – das ist immer tages- und wetterabhängig. Ich bin den Großteil der Zeit entweder im Keller oder im Büro, je nachdem, was gerade an Arbeit anfällt. Es kann aber gut sein, dass wir um 08.00 einen Plan ausarbeiten, der um 08.30 schon wieder geändert werden muss.

Inwiefern hat die Covid-19-Pandemie euren Alltag verändert?

LISA In unseren Weinbergen können wir normal arbeiten. Allerdings sollten in diesem Jahr noch eine Reihe an neuen Weinbergen angepflanzt werden, was nun erst einmal auf Eis gelegt werden musste und uns wahrscheinlich um ein Jahr zurückwerfen wird. Zudem wirken sich die Schließung der Restaurants und die Absagen vieler Veranstaltungen natürlich auch auf unseren Vertrieb aus. Außerdem wurden sechs bis sieben Messen, bei denen wir anwesend sein sollten, abgesagt. Da unsere Weinstube auch schließen musste, kommen auch keine Kunden vorbei, um ein Glas Wein zu trinken. Von daher leiden insbesondere die Verkaufszahlen unter der aktuellen Lage. Allerdings muss ich sagen, dass unsere Privatkunden weiterhin gut bestellen, was uns selbstverständlich freut.

www.cepdor.lu