LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Was sich bei Start-ups im Baubereich in Luxemburg tut - Lebhafte Szene

Wasserzähler in Echtzeit, „Augmented Reality“ auf der Baustelle, Stadionplanung und 5G: Im Bau tut sich sehr viel, was neue Technologien angeht. Kein Wunder, dass es in diesem Bereich eine Menge neuer Start-ups gibt. Wir haben uns im „Luxembourg-City Incubator“ umgesehen, den die Stadt Luxemburg gemeinsam mit der Handelskammer im „House of Start-ups“ betreibt. Dort sind eine ganze Reihe von Neugründungen rund um das Thema Bau entstanden. Einige von ihnen stellen wir hier vor. Ihre Ideen zeigen, wie sehr sich ein an sich altes Gewerbe durch neue Technologien verändern kann.

Luxemburg spielt vorn in diesem Bereich mit. Im November fand bereits zum vierten Mal eine Messe zum Thema „Building Information Modeling“ (BIM) statt. Dabei geht es um ein dreidimensionales, interaktives Modell, das während des Bauprozesses von Allen konsultiert werden kann und mit Daten gefüttert wird, bevor es am Ende für die Verwaltung des Gebäudes genutzt werden kann. BIM und andere Technologien spielen eine große Rolle für die Zukunft des Bauens.

Martin Guérin, CEO des „Luxembourg-City Incubator“, wundert sich nicht über die hohe Konzentration von Start-ups im Bauwesen: „Hier im Land gibt es eine große Dynamik und Konzentration von Kränen. Darüber hinaus haben wir Strukturen wie „Neobuild“, wo Ideen direkt von Profis in der Praxis getestet werden können. Wenn das geht, dann unterstützen sie die Start-ups. Das ist ein sehr gutes Umfeld.“

Guérin verzeichnet eine steigende Anzahl von Anfragen. „Wir erhalten rund fünf seriöse Kandidaturen im Monat.“ Darüber hinaus gibt es den neu gegründeten Verband „LuxPropTech“ (www.luxproptech.lu), zu dem Guérin ebenfalls Kontakt hält. „LuxPropTech“ wiederum kooperiert mit dem „House of PropTech“ in Brüssel. Es gibt auch den weltweit tätigen Verband „Globalproptech“, der Innovation und Bau zusammenbringt und seinen Sitz in Amsterdam hat (www.globalproptech.online). Wenn die Gerüchte stimmen, wird er ab März mit einem eigenen Büro in Luxemburg vertreten sein. Das zeigt die Dynamik im Markt. Der Begriff „PropTech“ ist seit rund zehn Jahren in Umlauf und setzt sich zusammen aus „Property“ und „Technology“. Dahinter steht Immobilientechnologie, also die Nutzung von Daten im Bau.

Luxemburg selbst ist offenbar attraktiv. Denn Guérin, der über 40 Start-ups im „Luxembourg-City Incubator“ betreut, geht davon aus, dass es rund 20 im Bereich „PropTech“ in Luxemburg gibt. Fünf davon werden von seiner Struktur betreut, zwei weitere sind dabei, sich dort niederzulassen. Beim Thema „PropTech“, geht es weit mehr um den Einsatz von Daten als um die Überlegung, wie man Rohstoffe zurück in einen Kreislauf bringt. Das ist das Thema von „Circular Economy“. Wir geben einen kleinen Einblick, was sich beim Bau und den Start-ups tut.

„Hier im Land gibt es eine große Dynamik“ sagt 
MARTIN GUÉRIN, CEO Luxembourg-City Incubator - Lëtzebuerger Journal
„Hier im Land gibt es eine große Dynamik“ sagt MARTIN GUÉRIN, CEO Luxembourg-City Incubator
Augment setzt auf papierlose Verwaltung

Daten in der Cloud

Als Rida Klink in Atlanta seinen Abschluss als Ingenieur machte, arbeitete er nebenher in einer Wohnungsverwaltung. Was ihn nervte, war das viele Papier. Mit zwei Freunden beschloss er, das zu ändern und ein Programm zu schreiben, das auch mit „Building Information Modeling“ (BIM) kompatibel ist. Bis zum Jahresende soll das „Facility Information Modell“ stehen und alle Informationen über ein Gebäude samt allen Dokumenten bereitstellen. „Als Kunden sehe ich Hausverwaltungen und Eigentümer“, sagt Klink. Ihm ist durchaus bewusst, „dass BIM ein kontroverses Thema“ ist. Doch das cloudbasierte System von augment, dem Unternehmen, das er zusammen mit seinen Partnern Leonardo Garcia und Jade Ghadry gegründet hat, wird hier Abhilfe leisten, ist er überzeugt.

 www.augment.lu
Gamma AR hat nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch Kunden

„Augmented Reality“ für die Baustelle

Gamma AR ist eine App zur Visualisierung von dreidimensionalen Informationen am Bau und hat schon einen wichtigen Preis eingeheimst, den „Fit4Start“. Gamma AR hilft Bauunternehmen bei der Überwachung und Verwaltung von Projekten mit Hilfe von „Augmented Reality“ auf iOS und Android. Baustellenleiter verwenden Gamma AR, um 3D-Modelle auf der Realität zu visualisieren, was dazu beiträgt, Fehler zu vermeiden und den Dokumentationsprozess zu erleichtern“, sagt Jayan Jevanesa. Der 28-jährige Informatiker hat Gamma AR gemeinsam mit dem 33-jährigen Architekten Caner Dolas gegründet. Beide haben sich an der RWTH Aachen kennen gelernt. „Wir holen die Informationen von der Baustelle ins Büro“, lächelt Dolas. Die App hat schon große Kunden wie Porr in Österreich oder Gruner in der Schweiz überzeugt. „Die Software ist gut. Sie hilft, Geld zu sparen und Fehler zu vermeiden“, sagt Jevanesa. Die App kann laut den Erfindern alle Phasen der Baustelle von der Planung bis zum Abriss abdecken und ist auch für Verwalter interessant.
In Luxemburg hat sich Gamma AR niedergelassen, weil Jevanesa Luxemburger ist und die Unterstützung durch Luxinnovation, den „Luxembourg City Incubator“ und andere hilfreich war. „Vor allem das Fit4start-Programm war toll, das Coaching hat uns als Techniker weitergeholfen“, freut sich Jevanesa. Jetzt will er Investoren ins Unternehmen holen und das Marketing verstärken. Schließlich wächst die Nachfrage auch andernorts. „Wir haben schon einen Kunden in Malaysia“, verrät Dolas.

 gamma-ar.com