MARTEN MYLIUS

Zum internationalen Tag der Flüchtlinge an diesem Dienstag veröffentlicht die Hilfsorganisation CARE die Studie „Seven Years into Exile“ über die Lebensbedingungen syrischer Flüchtlinge in Jordanien. Diese sind katastrophal: 82 Prozent der Betroffenen leben dort nämlich unter der Armutsgrenze. Derweil sind die Chancen zur Integration in den Arbeitmarkt gering. Marten Mylius, CARE-Nothilfekoordinator im Nahen Osten mit Sitz im Amman und zuständig für zwölf Regionalbüros in Nordafrika und dem Nahen Osten berichtet von einer äußerst angespannten Situation.

„In Jordanien leben laut UN-Flüchtlingshilfswerk derzeit über 660.000 Flüchtlinge aus Syrien, aber auch zehntausende Flüchtlinge aus dem Irak, dem Sudan, Somalia und Jemen. Das ist eine sehr hohe Belastung für das nicht gerade reiche Land, das insgesamt sieben Millionen Einwohner zählt.

Wie es den Flüchtlingen geht, haben wir versucht in unserer Studie ‚Seven Year into Exile‘ zu untersuchen, die wir quasi alljährlich seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs in Jordanien durchführen. Die Teilnehmer wurden zu den Bereichen Wohnen, Nahrung, Ausgaben, Bildung, Gesundheitsversorgung, Sicherheit und Beziehung zu den Gastgemeinden interviewt. Heraus kam, dass 82 Prozent von ihnen unter der Armutsgrenze leben. 78 Prozent sind arbeitslos, weil sie die Bedingungen für einen der seltenen Arbeitsplätze nicht erfüllen. Um sich und ihre Familien zu ernähren, bleibt ihnen angesichts des Umstands, dass die Kosten für Miete, Essen und Gesundheitsversorgung das Monatseinkommen um 25 Prozent übersteigt, oft nichts anderes übrig, als sich zu verschulden. Sie geraten so immer tiefer in die Spirale der Armut hinein.

Sie führen einen täglichen Überlebenskampf, dem alles andere – zum Beispiel die Bildung der Kinder untergeordnet wird. Besonders schwierig ist die Lage der Frauen, die oftmals auch alleinerziehend sind, aber quasi vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. In der arabischen Mentalität ist es beispielsweise nicht akzeptabel, dass Frauen, die bereits einen Haushalt führen, in einem anderen etwa als Nanny oder Putzfrau arbeiten. Den Betroffenen bleibt oft nichts übrig, als schwarz zu arbeiten. Dabei begeben sie sich in risikoreiche Abhängigkeiten ausserhalb des geltenden Rechts. Die Gefahr des Missbrauchs ist sehr hoch. CARE versucht, diesen Frauen Möglichkeiten zu schaffen, bei denen sie von zuhause aus arbeiten können, etwa Näh- oder Reparaturarbeiten. Aber dauerhafte Lösungen für alle Flüchtlinge erfordern geregelten Zugang zum Arbeitsmarkt und wirtschaftliche Investitionen.

Echte Programme, um diesen Leuten zu helfen und sie mittelfristig zu integrieren, gibt es in den Anrainerländern leider kaum. Niemand war davon ausgegangen, dass dieser schreckliche Bürgerkrieg so lange dauern könnte und Flüchtlinge über Jahre ohne Perspektiven in diesen Ländern feststecken würden, in denen die gesellschaftlichen Spannungen stark zugenommen haben. Die massive Ankunft von Flüchtlingen, hat es für die Einwohner noch schwieriger  gemacht, eine Arbeit zu finden, die Mieten steigen, die knappen Staatskassen erlauben noch weniger Investitionen. Jordanien trägt 70 Prozent der Kosten der Flüchtlinge selbst. Das führt zu einer deutlichen Unzufriedenheit, die hoffentlich nicht irgendwann zu Ausschreitungen führt. CARE richtet deshalb am internationalen Tag der Flüchtlinge einen dringenden Appell an die Weltöffentlichkeit zur Unterstützung der Bevölkerung und der Flüchtlinge in Jordanien“