LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts! Ein banaler Spruch, sagen Sie? Gewiss, nicht besonders originell, zur Zeit aber auf dramatische Weise von besonderer Aktualität, die allem Anschein nach auch noch eine ganze Weile Geltung behalten wird. Der Coronavirus, bzw. unser Umgang damit, hat auf dramatische Weise Unzulänglichkeiten in der Gesellschaft offengelegt, die zwar schon länger bestehen, jetzt aber auf umso brutalere Weise zutage treten. Auch wenn das Virus selbst offenbar keinen Unterschied macht zwischen Armen und Reichen, zwischen hochgestellten Persönlichkeiten und dem gemeinen Volk, so wird doch zunehmend ersichtlich, dass nicht jeder gleich schwer von den Maßnahmen betroffen wird, die zur Vermeidung einer rasanten Verbreitung von den Regierungen der einzelnen Staaten getroffen wurden.

So kann man unschwer erkennen, dass angesichts der verfügten Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen mit häuslichem Ersatzunterricht Kinder aus bildungsfernen Familien weiter ins Hintertreffen zu geraten drohen gegenüber jenen Altersgenossen, die sich auf die fachliche Unterstützung durch ein oder zwei Elternteile verlassen können. Auf die Zukunft der Kinder könnte das nicht ohne Konsequenzen bleiben. Aber noch ein anderes Phänomen zeichnet sich ab, das sich auf Dauer eventuell fataler auswirken könnte als die Pandemie selbst. Seit einer knappen Wochen warnt beispielsweise das Welternährungsprogramm vor einer drohenden Hungersnot, die sich aus Einschränkungen von Saat- und Erntearbeiten ergeben könnten. Wenn selbst im reichen Amerika, der Führungsmacht der Weltwirtschaft, mittlerweile Millionen von Menschen fürchten, angesichts einer sich infolge der Corona-Krise zuspitzenden Verarmung und rapide verschlimmerter Versorgungslage Hunger leiden zu müssen, dann ist es nicht schwer, sich die Konsequenzen einer Verknappung für die bereits zuvor auf Lebensmittelhilfe angewiesenen Länder der dritten und vierten Welt vorzustellen.

Aber nicht nur Armen macht die Krise zu schaffen. Selbst Weltkonzerne, wie in Deutschland erlebt, küren sich gleich als erste zu Opfern des „lockdown“ und wollen generell ihre Mietzahlungen einstellen. Da muss man sich doch fragen, wie sie es mit Begriffen wie Anstand, Moral und Fairness halten. Die schiere Gier nach immer mehr Geld wird und kann nicht länger als Maß aller Dinge angesehen werden. Andere, neue Gefahren werden durch Dummheit und Sturheit hervorgerufen. Während ein US-Präsident ein Impfserum gegen Malaria als Mittel gegen den Coronavirus anpreist, wird mittlerweile, infolge Unterbrechung des Lieferstroms, ein Mangel an Malaria-Medikamenten in Afrika festgestellt, weil diese in den USA gegen Corona wirkungslos verschwendet werden. Die Pandemie böte die Gelegenheit, neue Maßstäbe zu setzen für ein gerechteres, ausgewogeneres Zusammenleben. Beispiele dafür gibt es sogar in der jüngeren Weltgeschichte.