LUXEMBURGCLAUDE KARGER

Wie Jean-Paul Schuler Arbeit und Wirkung von Luxinnovation optimieren will

Näher ran an die Betriebe: Das ist eines der Hauptziele, die sich Jean-Paul Schuler, neuer Direktor von Luxinnovation, der nationalen Innovationsagentur, gesetzt hat. „Um den Unternehmen effizienter helfen zu können, müssen wir verstehen, wie sie funktionieren und wo sie hinwollen“, sagt der ehemalige Stahl-Manager im „Journal“-Interview. Seit dem vergangenen September steht er an der Spitze der Agentur, deren vorrangiges Ziel es ist, Firmen auf dem Weg von der neuen Idee bis zum marktreifen innovativen Produkt zu unterstützen. Dabei muss Innovation nicht unbedingt etwas mit der Entwicklung von völlig Neuartigem zu tun haben: „Sie kann auch mit bestehenden Produkten oder Systemen passieren“, erklärt Schuler, „eine Firma, die zum Beispiel eine verbesserte Dienstleistung anbietet, ist auch innovativ“.

Der Luxinnovation-Direktor will in diesem Sinne auch verstärkt kleine und mittlere Unternehmen dazu bewegen, ihre guten Ideen in Produkte und Dienstleistungen umzusetzen und zu vermarkten.

Prozeduren „abspecken“

Eine der vorrangigen Baustellen Schulers ist deshalb die „Abspeckung“ der komplizierten Prozeduren, um an Fördergelder zu kommen. „Zum Glück sind diese hierzulande nicht, wie in anderen Ländern, auf zeitlich begrenzte Ausschreibungen beschränkt. Unternehmen können jederzeit ihre Projekte zur öffentlichen Finanzierung einreichen, was sehr gut für Luxemburg ist“, unterstreicht Jean-Paul Schuler, der ebenfalls den Impakt der Förderung besser messen will. „Wir dürfen uns nicht darauf beschränken, Gelder auszuschütten, sondern müssen auch verfolgen, wie sie in den Projekten zur Anwendung kommen“, sagt Schuler. Austausch und Networking sind ein weiterer Schwerpunkt von Luxinnovation. Die Agentur organisiert über das Jahr zwischen 120 und 130 Weiterbildungen und Events. Mittlerweile wurde auch eine spezifische LinkedIn-Gruppe gegründet, in der heute um die 1.000 Teilnehmer eingeschrieben sind.

Die nächste größere Veranstaltung findet übrigens am kommenden 7. April statt. Der Fokus liegt dabei auf dem Geschäftsumfeld für Startup-Firmen in Luxemburg. Bei der Gelegenheit wird auch eine Studie der „Europäischen Fachhochschule“ aus Brühl, in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium und Luxinnovation, vorgestellt, welche die Hürden für Startups untersucht hat. „Die größte Hürde ist sicherlich die Finanzierung von neuen Geschäftsideen“, verrät Jean-Paul Schuler, „aber auch die Suche nach qualifiziertem Personal“. Luxinnovation werde sich daher auch in Zukunft verstärkt dafür einsetzen, Jungunternehmern in ihrer Startphase zur Seite zu stehen.

„Fit4Innovation“ mit „360 Grad-Diagnose“

In puncto praktischer Unterstützung ist insbesondere das Programm „Fit4Innovation“ hervorzuheben: An der Pilotphase des Programms sind derzeit sechs Betriebe beteiligt. Es geht darum, den Unternehmen über einen externen Berater eine „360 Grad-Diagnose“, gefolgt von der Umsetzung konkreter Verbesserungsmaßnahmen, anzubieten. Ziel ist es, kurzfristig die Leistungs - und Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder zu verbessern, um langfristig Ressourcen für Innovationsprojekte zu sichern. „Die Firmenleitung hat im Tagesgeschäft nicht unbedingt die Zeit, das zu tun“, erklärt Jean-Paul Schuler, der die Formel auch durch einen finanziellen Anreiz bewerben will. Durch intelligente Rahmenbedingungen wird ein Effekt der Verbesserungen im Betrieb begünstigt. So entsteht eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Ein neues Programm und mehr Ressourcen hat mittlerweile auch die „Cluster“-Initiative bekommen. So wurde ein Luxinnovation-Mitarbeiter spezifisch mit der Koordinierung der sechs sektoriellen Unternehmensnetzwerke beauftragt. Für sie ist nicht nur der interne Austausch wichtig, sondern auch der geschlossene Auftritt im Ausland, auf Messen und bei Wirtschaftsmissionen, wo es gilt, die Kontakte mit den interessantesten Kunden und Partnern herzustellen. „Der Industriestandort Luxemburg darf sich nicht länger hinter dem Finanzsektor verstecken. Die Luxemburger Industrie muss sich zeigen, ihre Zukunft skizzieren und sich international vermarkten“, unterstreicht Schuler.

Kartografie der Forschungsinstrumente

Stichwort Kontakte und Ressourcenteilung: Luxinnovation ist auch dabei, eine Kartografie der Forschungsinstrumente und -einrichtungen im Privatsektor zu erstellen. „Das ist wichtig, um herauszufinden, wo zum Beispiel Maschinen stehen, die nicht vollständig ausgelastet sind und daher von anderen Unternehmen genutzt werden könnten“, erklärt Jean-Paul Schuler, der aus Erfahrung auch um die Wichtigkeit der Innovationsvermarktung weiß: „Ich glaube, dass, je spezialisierter Produkte und Dienstleistungen sind, desto näher muss die Verkaufsabteilung an den Entwicklern dran sein“. Es sei ungemein wichtig, dass Informationen über mögliche Probleme und Kundenwünsche sofort ausgetauscht werden können.

Um ihren „Kunden“ noch mehr entgegenzukommen, muss sich nicht zuletzt auch Luxinnovation ständig selbst in Frage stellen, so der Direktor der Agentur. In diesem Sinne führt Luxinnovation derzeit die oben genannte „360 Grad-Diagnose“ im eigenen Haus durch.