LUXEMBURG
LISA ELSEN

Am Sonntag fand im Sixthfloor in Koerich die fünfte Ausgabe des Muse Symposium statt

Im Kunstatelier Sixthfloor hieß es am vergangenen Sonntag bereits zum fünften Mal „Endspurt!“ In dem ehemaligen Sägewerk in Koerich wurde wieder poliert und geschliffen was das Zeug hält und das aus gutem Grund: Es war der letzte Tag der diesjährigen Ausgabe des Muse Symposiums und so arbeiteten die Bildhauer Doru Nuta, Tom Flick, Lukas Arons, Peter Heesch und Viktor Grachev auf Hochtouren an ihren Steinskulpturen. Das Kollektivatelier Sixthfloor diente dabei zwar erneut als Location, das Symposium selbst funktioniert jedoch separat und unabhängig davon.

Ein Bild für die Götter.Oder doch eher für die Musen?

Zum Muse Symposium im Sixthfloor werden alle drei Jahre professionelle Steinbildhauer aus aller Welt eingeladen, um rund drei Wochen an ihren Skulpturen zu arbeiten und diese dann am letzten Tag des Symposiums der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ansonsten haben die Gastkünstler jedoch wenig mit dem Sixthfloor-Kollektiv zutun, zumal für jedes Symposium andere Bildhauer ausgewählt werden. Das 2007 von Tom Flick ins Leben gerufene Symposium stand dieses Jahr unter dem Zeichen der Göttin Polyhymnia, der Muse der Hymnendichtung. Da es insgesamt neun Musen gibt, kann man also bis 2031 noch mit weiteren Symposien rechnen.

Kunst als individueller Kollektivprozess

Dass das an Alexandre Dumas angelehnte Zitat „One for all and all for one“ nicht nur eine leere Phrase für das Künstlerkollektiv ist, merkt man bereits, wenn man das ehemalige Sägewerk betritt. Hier wird miteinander gearbeitet, sich künstlerisch ausgetauscht und Kunst als kollektiver und progressiver Prozess verstanden. Zum Sixthfloor gehört auch die Piazza, die Ausstellungsfläche des Kollektivateliers. Der Ort, an dem regelmäßig nationale wie internationale Künstler zusammenkommen, Konzerte und am Ende des Jahres auch eine „End of Year“ Expo stattfindet.

Dass im Sixthfloor nicht nur der Künstler als Individuum, sondern auch das Kollektiv im Zentrum des Geschehens steht, merkt man auch während des Symposiums. Man merkt, dass es sich hierbei um eine Gemeinschaft handelt, dass es (obwohl jeder Künstler an seiner eigenen Skulptur arbeitet) eine Gemeinschaftsarbeit ist, die hier vonstattengeht.

So sitzen die Künstler beim allabendlichen „Artist’s Diner“ zusammen, diskutieren und tauschen sich über Ideen, Fortschritte und Konzepte aus. Schließlich bringt jeder Künstler einen anderen kulturellen und akademischen Background mit, was die jeweilige Herangehensweise stark beeinflusst. Für Peter Heesch, Bildhauer aus Bayern, ist es aber auch spannend zu sehen, wie am Ende jeder Künstler zu seinem ganz eigenen Ergebnis kommt.

Man merkt: Nicht nur das WAS, das Endprodukt, sondern der gesamte Schaffensprozess, das WIE, ist von Bedeutung, die Art und Weise wie der Künstler sich seinem Material nähert.

Peter Heesch ist besonders von der Vielfältigkeit der unterschiedlichen Materialien fasziniert, da jedes Material eine andere Beschaffenheit hat. Genau das macht die Bildhauerei auch so spannend und zeigt, dass die Möglichkeiten schier unendlich sind. Denn obwohl man es beim Stein mit einem sehr klassischen Material zu tun, erklärt Tom Flick, ist noch lange nicht alles darüber gesagt worden, das Potenzial noch lange nicht erschöpft.

Während Heesch mit Diabase - einem granitähnlichen, schwarzen Stein - arbeitet, fertigt Viktor Grachev eine Skulptur aus rotem, Tom Flick eine aus weißem Marmor an. Dabei ist es jedoch nicht egal, welches Material verarbeitet wird, erklärt Tom Flick. Da im Freien gearbeitet wird, muss man auf ein härteres Material, wie zum Beispiel Granit, zurückgreifen, damit die Skulpturen Wind und Wetter standhalten.

Arbeiten in Abgeschiedenheit

Auch das Umfeld spielt eine nicht unwesentliche Rolle für den kreativen Schaffensprozess. Das Symposium im Sixthfloor jedenfalls, findet trotz der in den letzten Tagen hohen Temperaturen im Freien statt. Eine Tatsache, von der auch die Besucher des Symposiums profitieren. Zwischen Bäumen, Staub und Maschinen-Getöse kann man den Künstlern beim Arbeiten zuschauen und sehen, was aus einem ganz gewöhnlichen Steinblock so alles entstehen kann.

Anfassen, fühlen, begreifen

Peter Heesch stellt zudem fest, dass man Bildhauerei durchaus auch aus einem pädagogischen Blickwinkel betrachten kann. Denn bereits Kinder begreifen vieles durch Haptik und lernen so ihre Umwelt besser kennen. Wer ein bestimmtes Material wie Stein mit den Händen begreift, begreift es auf vielfältigere Weise, als wenn er es nur visuell wahrnimmt. Kunst, und Bildhauerei im Besonderen, soll deshalb nicht nur unter dem Gesichtspunkt des Sehens, sondern auch des Anfassens, Fühlens, und Begreifens verstanden werden. Ein Ansatz, der nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene wertvoll sein kann.

Wer mehr über das Symposium erfahren möchte, findet weitere Informationen unter: www.muse-symposium.eu. Die Adresse von Sixthfloor lautet: Neimillen, L-8383 Koerich,
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