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MARCO MENG

In zwei Jahren könnte Pierre Strasser in Rente gehen - ob er das macht, ist noch nicht sicher

Pierre Strasser ist seit 35 Jahren für den Schäfer Shop tätig, seit einigen Jahren leitet er die Niederlassung Luxemburg mit sechs Mitarbeitern aus Frankreich, Deutschland und Luxemburg.

Was genau macht Schäfer Shop?

Pierre Strasser Wir sind ein Versandhandel von Büromöbeln, Lager- und Betriebseinrichtungen. Insgesamt bieten wir mehr als 85.000 Artikel, das reicht von Schreib- und Papierwaren bis zum Schreibtischsessel, Lagerlösungen und hygienische Produkte. Ziel ist, dem Kunden immer eine adäquate Lösung zu bieten, wofür unsere Außendienstmitarbeiter in ständigem Kontakt mit den Kunden sind. In Deutschland findet dann die Eigenproduktion der Möbel statt.

Wer sind Ihre Kunden?

Strasser Vor allem Unternehmen, Industrie, dazu gehören Firmen wie Goodyear oder ArcelorMittal, aber auch die Gemeinden, Krankenhausverwaltungen und so weiter.

Wie kamen Sie zu Schäfer Shop?

Strasser Schäfer Shop wurde 1975 in Deutschland gegründet, ab 1985 hatte die Schäfer GmbH begonnen, auch in Luxemburg ihr Produkt zu vertreiben, und zwar damals unter der Firma Alltec. 2012 hatte sich Schäfer aber entschlossen, sich von Alltec zu trennen, um das Geschäft hier in Luxemburg alleine zu bewältigen. Seitdem bin ich der Bereichsleiter für Luxemburg.

Das heißt, Sie kennen das Geschäft von der Pike auf?

Strasser Ja. Ich fing mit Auslieferungen an, dann ging ich in die Montage und anschließend in den Verkauf, und von dort in die Firmenleitung. Während dieser Zeit hatte ich mich in Abendkursen in Buchhaltung, Verkaufstechniken und anderem mehr weitergebildet.

Warum wollte Schäfer Shop das Geschäft in Luxemburg selbst machen?

Strasser Das, was Schäfer Shop war, lief zwar gut, aber der Name Alltec stand noch für andere Produkte, die sich aber nicht so gut verkauften. Um zu vermeiden, dass im Falle eines Konkurses von Alltec damit auch der Namen Schäfer Shop belastet würde, trennte sich Schäfer Shop. Sie wollten aber den luxemburgischen Markt nicht verlieren, also gründete man eine eigene Firma unter eigenem Namen. Und ich wurde gefragt, ob ich nicht die Leitung übernehmen wolle.

Waren Sie sofort davon begeistert? Oder doch erst etwas reserviert?

Strasser Nein, das nicht. Eigentlich hatte ich Schäfer Shop gewissermaßen immer als „eigenes Kind“ angesehen, und war tatsächlich froh und glücklich, als ich dieses Angebot erhielt. Und es läuft gut. Von den Benelux-Ländern, in denen je ein Schäfer Shop existiert, ist Luxemburg der Markt mit dem höchsten Umsatz. Wir sind sehr erfolgreich.

Hatten Sie sich das so vorgestellt, als Sie die Leitung für Luxemburg übernahmen?

Strasser Na ja, am Anfang war es schon ein Sprung, denn als wir bei Alltec auszogen, waren unsere Geschäftsräumen zuerst plötzlich im zweiten Stock in einer Mietwohnung. Wir konnten aber auf unsere bestehende Kundschaft aufbauen, hatten damals auch auf unseren Privatfahrzeugen Eigenwerbung betrieben, damit die Leute sehen, dass wir noch im Land sind, denn als bekannt wurde, dass Alltec schließen würde, dachten viele, Schäfer Shop würde ebenfalls schließen. So gesehen war das Jahr 2012 doch eine Herausforderung.

Und für Sie als neuer Chef bedeutete das sicher auch längere Arbeitszeiten.

Strasser Das schon, aber meine Frau stand von Anfang an voll und ganz hinter mir, darum war das kein Problem.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit als Ausgleich?

Strasser In meiner Freizeit bin ich sozial tätig, das heißt, ich bin Notfallseelsorger bei der Protection Civile.

Ein ziemlicher Kontrast zu Ihrem Berufsleben...

Strasser Das stimmt. Nebenbei spiele ich auch noch Theater und bin Präsident des Theatervereins in Gonderingen. Aber den Hauptaugenmerk lege ich auf die Notfallseelsorge, das ist mir wichtig.

Gibt es einen Unterschied zwischen den Kunden, je nachdem aus welcher Branche sie kommen?

Strasser Jeder Kunde ist für uns individuell. Wir verkaufen zwar aus dem Katalog, aber die meisten Kunden haben doch spezielle Wünsche, die normale Standardware wird so kaum noch verkauft. Das heißt, man muss sich jeweils auf den einzelnen Kunden einstellen.

Regen Sie diese Sonderwünsche nicht auf?

Strasser Im Gegenteil, das regt uns an.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Strasser Wir werden versuchen, im Bereich Innenausstattung noch größer zu werden und als Komplettausstatter aufzutreten. Das heißt, von der Planung der Büromöbel über die Ausstattung mit Gardinen und anderes mehr. Das würde bedeuten, das wir einerseits noch mehr Mitarbeiter haben würden und andererseits mit mehr Unternehmen zusammenarbeiten würden. Ich selbst könnte zwar in zwei Jahren in Rente gehen, aber da bin ich mir noch nicht sicher. Wenn es weiter so gut läuft wie im Moment, bleib ich sicher im Job.