PARIS/LUXEMBURG
CATHERINE NOYER

Seit 1828 stellt Guerlain seine Produkte ausschließlich in Frankreich her - Blick in die Kulissen einer Traditionsmarke

Pierre-François-Pascal Guerlain, Sohn eines Gewürzhändlers, dem so die exotischen Düfte mit in die Wiege gelegt wurden, gründete 1828 eine Seifenfabrik in Paris. Schnell gelang es ihm, die Damen der Gesellschaft in die Rue de Rivoli zu locken, wo seine erste Parfümerie entstand.

Aufgrund des großen Erfolgs seiner Duftwasser, vergrößerte der Parfümeur sein Unternehmen um mehrere Produktionsstätten, die an verschiedenen Standorten wie Passy, Colombes, Bécon les Bruyères oder Courbevoie angesiedelt waren, aber stets in Frankreich blieben.

Diese Wahl des Parfümunternehmens basiert auf einer industriellen Tradition, die auf Qualität und Innovation setzt. Sie ist aktueller denn je, denn 80 Prozent der Guerlain-Produkte sind für rund 80 Märkte weltweit bestimmt.  Das bedeutet, dass das Haus nicht allein mit seiner traditionellen Handwerkskunst, die über die Generationen hinweg vererbt wurde, bestehen kann, sondern industrielle Mengen liefern muss. Ein Zwiespalt für ein solches Haus, zumal es  für sein besonderes Know-how mit einem Label eines Unternehmens lebendigen Erbes ausgezeichnet wurde. Hier kann der Parfümeur allerdings mit seinen industriellen und technologischen Innovationen punkten, die die Kreativität der Marke seit zwei Jahrhunderten ausmachen.

In den 1970er Jahren eröffnete Guerlain seine erste Fabrik in Chartres, dort wo 1994 das Cosmetic Valley entstehen sollte, das heute ein Kompetenznetz und weltweit erstes Ressourcenzentrum für Parfüms und Kosmetikprodukte ist. Hier wurde ebenfalls 2015 das neue Werk „La Ruche“ angesiedelt, in dem Pflege- und Make-up-Produkte hergestellt werden.

Vanilleschoten aus Neu Guinea und Madagaskar

Seine Parfüms produziert Guerlain seit 20 Jahren in Orphin bei Rambouillet. Und das vom Empfang der Rohstoffe, die aus aller Welt kommen, und deren Weiterverarbeitung zu Duftkonzentraten bis zum fertigen Parfüm. Hier werden ebenfalls die Düfte in die Flakons gefüllt und sogar die Etiketten für die Parfümkreationen des Hauses gedruckt.  

Selbst die hauseigene „Teinture de vanille“, ein Grundprodukt der Parfümherstellung, wird nach einer 200 Jahre alten Methode hergestellt. Dabei handelt es sich um Vanilleschoten aus Neu Guinea oder Madagaskar, die in kleine Stücke geschnitten und in Alkohol eingelegt werden.

Verschluss und Versiegelung der Flakons mit Wachs werden für besondere Düfte von den sechs „Dames de Table“ von Hand vorgenommen – ebenfalls nach Tradition des Hauses. Die kunstvolle Gestaltung der Guerlain Parfümflakons in Handarbeit sorgt für den Fortbestand dieser Art der Handwerkskunst.

In der gleichen Werkstatt  befinden sich die automatischen Fließbänder für die Abfüllung und Verpackung im großen Stil. Hier gehen die Bestseller des Hauses Guerlain wie beispielsweise „La Petite Robe Noire“, „Mon Guerlain“, „Shalimar“,  „L’Homme Idéal“ oder die „Aqua Allegoria“-Düfte vom Band auf die große Reise in alle Welt.