LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜKLE

Jugendliche bauen über Verein „Jonk Entrepreneuren Luxembourg“ an ihrer Zukunft

Den Großteil der 16- bis 18-Jährigen hat René Grosbusch als interessiert, konzentriert und motiviert kennengelernt. Doch eine Sache hat den Gründer und Inhaber einer luxemburgischen Importfirma im Nahrungsmittelsektor zu denken gegeben: „Mich hat überrascht, wie wenig Vorstellung sie von dem haben, was sie in der Berufswelt überhaupt erwartet“, sagt Grosbsuch. Seit vier Jahren geht er für Projekte des Vereins „Jonk Entrepreneuren Luxembourg“ in Klassen verschiedener Schulen und redet mit Jugendlichen über ihre Berufswahl. In dem Programm „Fit for Life“ beginnt er mit den Schülern erst einmal an der Basis - mit einfachen, aber grundlegenden Fragen wie „was macht ihr gerne, was könnt ihr gut?“. Dann gibt er Infos zu Unternehmertum, Gehalt, Kostenplanung, Organisation. Über die großen Unterschiede zwischen Arbeitswelt und Schulzeit eben.

Unternehmer aus allen Bereichen

Im Schuljahr 2015/2016 haben 10.000 Jugendliche und mehr als 400 Ehrenamtliche über den Verein „Jonk Entrepreneuren Luxembourg“ zusammengearbeitet. Angeboten wurden insgesamt elf verschiedene Programme in den drei unterschiedlichen Bildungsstufen Primär- und Sekundärunterricht und Hochschullehre. Gegründet wurde der Verein im Jahr 2005, um die Unternehmerkultur in Luxemburg zu stärken. Weil es zu diesem Zeitpunkt bereits einige Programme mit dem gleichen Ziel gab, die auch gut funktionierten, habe man die „Jonk Entrepreneuren Luxembourg“ als Struktur für solche Programme kreiert, erzählt Vereinsdirektorin Stéphanie Thiry Damgé.

„Man muss zeigen, dass Unternehmertum eine interessante Möglichkeit ist, bevor die Leute auf dem Arbeitsmarkt sind und etwas im Unterrichtssystem anbieten“, erklärt Damgé die Zielsetzung des Vereins. Außerdem sollen die Jugendlichen auch Unternehmerkompetenzen entwickeln: innovatives Denken, Kreativität, Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit, gute Organisation und Entwicklung von Visionen. Kompetenzen, die aber nicht nur als Unternehmer gefragt und heute noch wichtiger sind als vor zehn Jahren, ist sich die Direktorin der „Jonk Entrepreneuren Luxembourg“ sicher.

Gesucht werden Unternehmer aus allen Bereichen, ob Finanzen, IT oder Handwerk - denn nach Möglichkeit sollen verschiedene Sektionen der Wirtschaft vorgestellt werden. Für die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen können sich aber auch Angestellte mit einigen Jahren Berufserfahrung melden. „Die Hauptsache ist, dass man Lust hat, mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten“, sagt Damgé.

Derzeit arbeiten in dem Verein 400 Ehrenamtliche als Kursleiter oder Mentoren mit, gebraucht werden allerdings noch 50. Wichtig ist vor allem, die jungen Leute über die Möglichkeiten eines Berufs zu informieren, in Kontakt mit der Arbeitswelt zu bringen und in einem persönlichen Austausch zu inspirieren.

Der zeitliche Aufwand hängt von dem jeweiligen Projekt ab. Für „Fit for Life“, wofür am meisten Freiwillige benötigt werden, sind laut Damgé sechs Stunden und für „Notre Communauté“ mit neun- bis zehnjährigen Schülern fünf Stunden einzuplanen. Solche Kurse, die vor der Schulkasse gegeben werden, benötigen etwa einen Monat inklusive Vorbereitung. Zur Vorbereitung gehören ein zwei- bis dreistündiges Training durch den Verein, hinzu kommt die persönliche Vorarbeit zuhause, für die der Verein auch Videos mit Freiwilligen in gelungener Aktion zur Verfügung stellt.

Nutznießer auf beiden Seiten

Als Coach eine Mini-Entreprise zu begleiten bedeutet eine flexiblere Organisation. Nicht nur, weil die 16- bis 19-jährigen Schüler teilweise schon selbständiger arbeiten, sondern auch weil der Austausch mit betreuenden Lehrern und den Schülern individueller abläuft als mit einer ganzen Schulklasse. „Die Freiwilligen bekommen einen pädagogischen Kit von uns, aber in der Regel sind die jungen Leute sehr positiv und sehr offen gegenüber Experten aus der Berufswelt“, berichtet Damgé.

Der Verein „Jonk Entrepreneuren Luxembourg“ sieht bei den Programmen Nutznießer auf beiden Seiten. Die neun- bis 25-Jährigen kommen in Kontakt mit der Berufswelt, können für sich Berufe in die engere Auswahl ziehen oder auch ausschließen. Für die Freiwilligen erlaubt das Projekt, den Alltag anders zu gestalten und Jungen etwas zu vermitteln, ein Feedback zu bekommen, sich infrage zu stellen oder einfach zu erfahren, was die Jugend von der Wirtschaft erwartet. Und daher ist auch für René Grosbusch noch lange nicht Schluss. „Ich mache das mit viel Freude weiter,“ sagt der Vater von zwei Kindern. „Man muss natürlich Zeit finden, oder man nimmt sie sich einfach.“

Weitere Informationen unter www.jel.lu, Kontakt über 26 11 01 oder info@jel.lu