LUXEMBURG
MARCO MENG

Tetrao setzt auf „Künstliche Intelligenz“: Aufgaben schnell und fehlerfrei erledigen

Unweit der Grenze zu Luxemburg in Frankreich geboren, interessierte sich Christian Gillot immer für die Möglichkeiten, die Computer bieten: Das Leben einfacher zu machen. In Nancy studierte er darum Mathematik und Computerwissenschaften mit Schwerpunkt „Künstliche Intelligenz“. Dass er dann 2014 sein Unternehmen „Tetrao“ in Luxemburg gründete und nach Mamer umzog, war für ihn nur folgerichtig: Das Land kannte er schon als Kind als offen und aufgeschlossen.

Stimmt es, dass Sie für dieses Jahr bereits einen Umsatz von einer Million Euro anstreben?

Christian Gillot Ja, das ist korrekt, das ist
unser Ziel für dieses Jahr, spätestens nächstes Jahr. Das Unternehmen entwickelt sich sehr gut, wir wachsen schnell.

Das heißt, die Nachfrage nach dem, was Sie bieten, ist sehr gut?

Gillot Durchaus, aber das ist auch völlig normal, denn wir sind in einem Markt, der sehr vielversprechend ist, gleichzeitig sich aber auch sehr schnell verändert. Das ist Teil der großen Bewegung, die derzeit stattfindet, von Tätigkeiten, die bislang in den Büros von Hand ausgeführt werden, hin zu Automatisierung. Das sind einfachste Tätigkeiten, die früher oft nach Osteuropa oder Asien ausgelagert wurden. Wir sprechen hier von unzähligen Tätigkeiten, die automatisiert werden. Und wir sind Teil dieser Bewegung, die sich derzeit vollzieht.

Was genau macht Tetrao, was ist die Idee dahinter?

Gillot Die Idee hinter Tetrao ist, eine künstliche Intelligenz zu schaffen, die in der Lage ist, einen Internetbrowser zu benutzen, um selbstständig Arbeiten zu verrichten. Ein konkretes Beispiel: Man nutzt das Internet, um Kunden zu finden oder um gute Angebote für ein Produkt zu finden, das man braucht. Man kann aber auch Buchhaltungsaufgaben vereinfachen, indem man automatisch Daten vergleicht und auf ihre Richtigkeit hin überprüft. Macht man das von Hand, ist das sehr zeitintensiv, darum haben wir diese Tätigkeiten automatisiert, indem unsere Software den Internetbrowser wie ein Mensch benutzt. Das Neue dabei ist, dass wir kein Programminterface nutzen müssen, sondern vorhandene Lösungen nutzen. Zum Beispiel können wir so das Internetbanking automatisieren: Wir brauchen nicht die Bank zu fragen, etwas Besonderes für uns zu tun, eine Schnittstelle zwischen zwei Programmen herzustellen oder ähnliches, sondern wir nutzen das, was jedem Kunden ohnehin zur Verfügung gestellt wird, damit können wir schon arbeiten. Bedeutsam dabei ist, dass wir so viel schneller sein können, um die Interaktion zwischen Firmen zu digitalisieren. Unsere Technologie ist anders als das, was sonst angeboten wird. Denn egal, ob und wie sich die Webseiten ändern, unser Programm arbeitet weiter. Wir sind das „Deep Mind“ für das Web.

Wer fragt Ihre Dienstleistung nach?

Gillot Aktuell sind unsere großen Kunden die „Big Four“-Beratungsunternehmen, wir arbeiten aber auch mit einer großen Bank zusammen sowie mit Luxinnovation. Das sind unsere ersten Kunden, was uns erlaubt, unsere Fortschritte zu messen und auch den Wert, den wir unseren Kunden liefern. Für das zweite Halbjahr haben wir geplant, neues Kapital einzusammeln, dabei denken wir an etwa eine Million Euro. Dieses Kapital soll uns dann ermöglichen, unser Unternehmen weiterzuentwickeln.

Wie kam es zur Idee, das als Unternehmen zu betreiben?

Gillot Das fing mit einem anderen Startup an, das es in Luxemburg gibt: All Square von Patrick Rahme. Er brauchte die Information, welche Golfplätze es überall auf der Welt gibt. Zusammen mit einigen Mitarbeitern wollte er das manuell tun, aber schon bald stellte er fest, dass das unheimlich viel Zeit kosten würde, auch voller Fehler, denn nach einiger Zeit wurden die Leute beim Suchen unkonzentriert. Damals erzählte er mir von seinem Problem, und es war genau das, was wir automatisieren wollten, indem die im Internet verfügbaren Daten automatisiert gesammelt werden.

Und wie kamen Sie selbst auf die Idee, solche Dinge zu automatisieren?

Gillot Ich arbeitete früher in einem französischem Unternehmen, das veröffentlichte Bücher online vertreiben wollte. In vielen Ländern gibt es allerdings feste Buchpreise, also mussten wir sicher sein, dass auch überall das Buch mit dem korrekten Preis ausgezeichnet ist. Also entwickelten wir dafür ein Programm, das diese Aufgabe automatisch machen konnte. Mit den Mitteln, die uns damals zur Verfügung standen, funktionierte das aber nicht richtig, und deswegen überlegte ich, wie man das automatisieren könnte.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie derzeit?

Gillot Wir haben zwei Büros, eines in Luxemburg, eines nahe Barcelona. Insgesamt haben wir heute sieben Vollzeit-Beschäftigte, fünf davon in Luxemburg, zwei in Barcelona. Plus zwei freischaffende Mitarbeiter. Das Büro in Barcelona kommt daher, dass ich dort 2002 arbeitete und einige Verbindungen dorthin hatte; was Forschung und Entwicklung betrifft, wird das hier in der Zentrale in Luxemburg gemacht. Derzeit beteiligen wir uns auch an einem Projekt des „Fonds National de la Recherche“.

Als nächsten Schritt streben wir wie gesagt ein Fundraising an und haben uns das Ziel gesetzt, in Luxemburg die nächste Zeit auf zwanzig, vielleicht sogar dreißig Mitarbeiter zu wachsen. Natürlich wollen wir auch weitere Kunden hinzugewinnen, zum Beispiel aus der Versicherungsbranche. Ein weiteres Vorhaben von uns ist eine Abbildung aller Startups in Europa. Der „Robot“ dazu befindet sich derzeit in der Testphase und durchforstet das Internet auf allen Sprachen nach Startups. Das ist ein großes Vorhaben; wenn es aber erfolgreich ist, möchten wir damit auch in die USA und die restliche Welt expandieren. Momentan arbeiten wir noch vor allem als Dienstleister, in Zukunft wollen wir allerdings den Kunden auch tatsächlich Produkte anbieten.

https://services.tetrao.eu/