PATRICK WELTER

Vor 70 Jahren teilten die großen Drei Europa unter sich auf. Oder zog einer zwei über den Tisch?. Roosevelt, Churchill und Stalin legten die Nachkriegsordnung in Jalta fest. Dazu zählte unter anderem die Westverschiebung Polens zu Lasten Deutschlands. Dass Stalin auf einmal einen dicken Bleistift in die Hand nahm und einen Strich durch Ostpreußen zog, um sich selbst ein Stück aus der Leiche des tausendjährigen Reiches herauszuschneiden, war für seine Partner eine Überraschung. Es zeigte, dass Väterchen in anderen Dimensionen dachte.

In Jalta bekam der gute „Onkel Joe“, so nannte ihn Roosevelt, genau das, was ihm auch Hitlers Sendbote Ribbentrop versprochen hatte: Er durfte die drei baltischen Staaten, den Osten Polens und noch einen Zipfel Slowakei seinem Reich einverleiben. Dass die bürgerliche Opposition in Polen schon lange tot war, verbuchte Joe auch auf der Habenseite. Der polnische Exilpräsident war praktischer Weise im britischen Gibraltar tödlich verunglückt…

Die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen entstand aus einer Fehleinschätzung. Der Westen ging davon aus, dass die Rote Armee bis zum Rhein marschiert und sie sich nach einem Waffenstillstand gemäß dem Abkommen von Jalta zurückziehen müsste. Dumm gelaufen. Die Angst vor dem berechtigten Furor der Roten Armee veranlasste die Reste der Wehrmacht sich im Osten mit Klauen und Zähnen zu verteidigen. Währen die Westfront nach der Ardennenoffensive und Remagen immer schneller zusammenbrach. Die Engländer stießen bis Rostock vor, die Amerikaner bis Leipzig und Patton stand in Böhmen. Auf einmal hieß es für sie: „Vorwärts, wir müssen zurück“. Stalin weinte vor Glück.

Churchill kapierte es im März 1946: „From Stettin in the Baltic to Trieste in the Adriatic an Iron Curtain has descended across the Continent. Behind that line lie all the capitals of the ancient states of Central and Eastern Europe. Warsaw, Berlin, Prague, (...); all these famous cities and the populations around them lie in what I must call the Soviet sphere, and all are subject (...) of control from Moscow“. Dieser Vorhang zerriss erst 1989/1990. Im historischen Denken Russlands eine späte Niederlage. Für Polen, Balten und Tschechen ein Kriegsende mit vierzig Jahren Verspätung. Gleichzeitig zeigten einige ältere Opfer des russischen Binnenimperialismus, von der Ukraine bis Kirgisistan, Moskau den Stinkefinger und verdrückten sich.

25 Jahre später versucht Väterchen Putin wieder an alte Zeiten anzuknüpfen. Nach dem klassischen Muster: Unruhen schüren, laut „Haltet den Dieb rufen“ und mit dem Finger auf die anderen zeigen. Für Putinversteher ist natürlich die Nato-Schuld. Kleiner Irrtum. Balten und Polen sind aus gutem Grund in der Nato - sie wollen nicht noch einmal gefressen werden. Der Fuchs Putin dürfte verstanden haben, dass er sich an diesen Gänsen nicht vergreifen kann. Umso stärker zerrt er am Hinterteil der Ukraine.

Das Kunststück das Merkel, Hollande und Co. nun in Minsk vollbringen müssen, besteht darin eine Lösung zu finden, die die demokratische Ukraine nicht wie einst Polen, verrät, aber Putin das Gesicht wahren lässt. Auf das Kunststück sind wir gespannt.