LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Serge Schonckert wünscht sich eine echte Musical-Tradition in Luxemburg

Bereits in jungen Jahren wurde Serge Schonckert vom Musical-Fieber gepackt. Diese Leidenschaft führte ihn schließlich - nach ein paar Umwegen - nach London an die renommierte „Mountview Academy of Theatre Arts“. Heute ist er als Solist, Musicaldarsteller, Vocal-Coach, Schauspieler, Regisseur und Dozent für Musicalworkshops in Luxemburg unterwegs.

Wie kamen Sie zum Musical?

Serge Schonckert So wie das in Luxemburg üblich ist, habe auch ich in der lokalen Musikschule angefangen. Später begann ich eine Ausbildung im klassischen Gesang, merkte jedoch schnell, dass ich kein Klassiker bin, sondern mich eher in der modernen Musik zuhause fühle. Es folgten Jazz und schließlich Musical. Ziemlich schnell war dann klar, dass das eher meine Richtung ist. Schließlich habe ich dieses Studium in Deutschland und später in England vertieft, wo ich dann auch mein Diplom als Musicaldarsteller erhalten habe. Es stand trotzdem schnell fest, dass ich nach Luxemburg zurückkehren würde.

Welche Tradition hat das Musical hier in Luxemburg?

Schonckert „Tradition“ ist schon etwas hoch gegriffen. Wir haben nicht wirklich eine Tradition, wir sind eher
Musical-affin. Die Einwohner Luxemburgs zeigen großes Interesse an diesem Genre und kennen die großen Blockbuster, sind aber keine Musical-Literaten.

Ihr bisheriges Highlight in dieser Branche?

Schonckert Ich bin in Luxemburg sowohl auf als auch hinter der Bühne tätig. Mein bisheriges Highlight war klar die Aufführung des Musicals Jesus Christ Superstar im Januar 2012, das ich gemeinsam mit Marco Battistella inszeniert habe. Eine solche Mega-Produktion auf die Bühne zu bringen, war ein mutiger Schritt. Vom Bühnenbild über die Kostüme bis hin zum Live-Orchester und Chor haben wir alles selbst durchgezogen. Nicht zu vergessen, die ganze Technik. Das war ein echtes Mammut-Projekt. Sieben Mal kam die Produktion vor ausverkauftem Haus im Kinneksbond zur Aufführung. Zwei Jahre Vorbereitung waren im Vorfeld nötig.

Hat sich der Aufwand denn für sieben Aufführungen
gelohnt?

Schonckert Natürlich war der Aufwand groß, er hat sich aber auch ausgezahlt. Es war eine tolle Erfahrung und hat viel Spaß gemacht. Wir haben versucht, die Produktion noch anderswo auf die Bühne zu bringen und uns umgesehen. Es war nun aber so, dass wir Technik und Bühnenbild hinsichtlich der Gegebenheiten in Mamer konzipiert haben. Es wäre zu kompliziert gewesen, auf einer anderen Bühne zu spielen. Außerdem waren rund 140 Personen eingebunden. Sie noch einmal alle zusammen zu bringen, wäre schwierig gewesen. Darüber hinaus ist es nicht unbedingt leicht, eine freie Bühne zu finden.

Sie sind auch Dozent bei Musicalworkshops, wie steht es mit der Nachfrage in Luxemburg?

Schonckert Die Nachfrage ist groß, gerade auch bei jungen Menschen. Sie wollen mehr über dieses Genre erfahren. Die Workshops sind stets ausgebucht. Es ist ja so, dass ein Musical nicht nur aus schönen Melodien besteht, eigentlich muss man drei Bereiche beherrschen. In erster Linie muss man natürlich singen können. Zweitens, und das wissen die wenigsten, muss man schauspielern können. Es reicht nicht aus, eine Melodie zu singen. Musical ist schließlich Musiktheater. Die Lieder treiben die Geschichte weiter. Es ist nicht so, dass die Story, die gerade erzählt wird, aufhört, wenn ein Lied angestimmt wird, und dann weitergeht, wenn das Lied fertig gesungen ist. Nein, die Melodie erzählt die Geschichte weiter. Deshalb ist schauspielerisches Talent gefragt. Und dann spielt auch die körperliche Bewegung eine wichtige Rolle. Man muss also auch noch tanzen können.

Sie haben den Andrang bei diesen Workshops beschrieben, besteht also Hoffnung, dass sich hierzulande doch noch eine echte Musical-Tradition entwickelt?

Schonckert Ich bin sehr zuversichtlich. Die Frage, die sich allerdings stellt, ist die, ob wir das von Unterrichtsseite her hinbekommen. Workshops reichen nicht aus. Sie sind in gewisser Weise nur Inselinitiativen. Das reicht, um reinzuschnuppern aber nicht für eine richtige Ausbildung. Was fehlt sind also erstens Strukturen und zweitens das Diplom. Es müsste demnach innerhalb der Musikausbildung ein neues Fach geschaffen werden. So wie man Jazz studieren kann, sollte man in Luxemburg auch Musical studieren können. Die Nachfrage ist da. Mit dem SNJ, der UGDA-Musikschule und dem Grand Théâtre haben wir jetzt schon zwei große Projekte realisiert: „Tanz der Vampire“ (2010) und „Fusion - The Musical“ (2007) haben einige der damaligen Darsteller dazu bewegt, ein Musicalstudium in New York, Wien oder Paris aufzunehmen. Mit den gleichen Partnern werden wir übrigens 2014 gemeinsam mit jungen Leuten wieder ein Musical - eine neue Kreation - aufführen. Mehr darf ich leider noch nicht verraten.

In welchem Musical würden Sie unbedingt einmal mitwirken wollen?

Schonckert Spontan würde ich sagen „Jekyll and
Hyde“, „Sweeney Todd“ oder „Chicago“. Die Frage ist natürlich, wie ich solche Projekte hier in Luxemburg auf die Bühne bekomme. Der Aufwand wäre wiederum riesig. Wenn man aber professionelle Qualität bieten will, wird ein gewisser Einsatz, auch finanzieller Natur, gefordert. Man braucht deshalb einen guten Partner. Für meine künftigen Musical-Projekte hoffe ich darauf, die einschlägigen Bühnenhäuser als Co-Produzenten gewinnen zu können. Eine solche Zusammenarbeit würde es ermöglichen, Musical-Blockbuster hier in Luxemburg zu produzieren. Lohnend wäre der Aufwand mit Sicherheit. Am Publikum wird es auch nicht scheitern.