PARIS
CATHERINE NOYER

Die Pariser „Haute Couture“ Schauen 2020 gingen diese Woche über die Bühne – wir zeigen die schönsten Looks von Chanel und Dior

Keinen leichten Stand hat Virginie Viard, wird sie doch an dem Know-how des vor einem Jahr verstorbenen Chanel Designers Karl Lagerfeld gemessen. Bereits bei der letzten „Haute Couture“ Schau konnte die Designerin und seine ehemals enge Mitarbeiterin beweisen, dass sie die Codes des Hauses Chanel beherrscht. Bei den „Haute Couture“ Defilees Frühjahr-Sommer 2020 entführte sie in einen Klostergarten, einem der Orte, die in der Kindheit Gabrielle Chanels eine besondere Rolle gespielt haben. Zusammen mit ihren Schwestern lebte Gabrielle im Waisenhaus der Zisterzienser Abtei von Aubazine, ein Aufenthalt, der ihr späteres Leben prägen und ihr Strenge, Purismus und einen Sinn für Ästhetik vermitteln sollte, Eigenschaften, die eine ihrer Hauptquellen der Inspiration sein sollten.

Beim Bau ihrer Villa „La Pausa“ in Südfrankreich musste die Freitreppe genau so aussehen wie die in Aubazine, die Mademoiselle Chanel als Kind täglich benutzte, um in die Kirche zu gehen. Als Virginie Viard das Anwesen von Gabrielle Chanel besuchte, wurde ihr durch den Stil des Hauses klar, welche Bedeutung das Kloster für sie gehabt haben musste. „Was mir gleich am meisten gefallen hat, war der verwilderte Klostergarten, der an Sommer und duftende Blumen erinnerte. Interessant fand ich den Gegensatz zwischen der anspruchsvollen „Haute Couture“ und der Einfachheit dieses Ortes“, erläutert sie. Auf Gegensätzen beruhen die gesamten Chanel-Codes. Die strengen Kostüme mit dem fein gearbeiteten Tweed, maskuline Noten, die femininen gegenüber stehen, sowie der Kontrast von Schwarz und Weiß.

„Die Idee von der Klosterschülerin und der Kleidung der Kinder von damals gefielen mir sehr“, bemerkt Virginie Viard. Das hat sie in ihrer Kollektion umgesetzt. Strikte Kostüme stehen neben leichten Kleidern aus strukturiertem Tüll, der in Schwarz und Weiß übereinandergelegt oft gestickte Blüten erahnen lässt. Gewölbeartige Paillettenstickereien erinnern an die Kirchenfenster und Bodenornamente, die Gabrielle Chanel täglich sah. „Dieser Ort hat mich sehr berührt und inspiriert. Ich habe mich dort wohlgefühlt“, bringt es die Designerin auf den Punkt.

Foto: Dior - Lëtzebuerger Journal
Foto: Dior

Athena und die griechische Mythologie

In das Reich griechischer Göttinnen entführt Dior-Designerin Maria Grazia Chiuri und hinterfragt „Was wäre, wenn Frauen die Welt regieren würden?“.

Diese, ursprünglich von der amerikanischen Künstlerin und Gründerin der feministischen Kunst Judy Chicago gestellte Frage ist Zentrum der Inspiration der „Haute Couture“-Kollektion. Thema ist die komplexe Beziehung zwischen Feminismus und Feminität.

Im Garten des Musée Rodin hat Judy Chicago die Installation „Female Divine“ errichtet, ein monumentales Kunstwerk, eigens für die Schau konzipiert. Maria Grazia Chiuris Kollektion zeigt moderne Göttinnen mit klassischen Peplum-Roben für den Abend. Fast alle Stoffe sind metallisch durchwirkt von Gold über Silber bis zu Kupfertönen. Fließender Chiffon und plissierte Röcke lockern die strengen Drapés auf, die durch puristische Linien erst richtig zur Geltung kommen. Taillierte Jacken mit weitem Kragen zeigen strukturierte Silhouetten. Maskuliner wirken Röcke und Hosen durch die Stoffe und Hahnentrittmuster, die mit Gold durchwirkt sind.

Maria Grazia Chiuri ließ sich von den klassischen Darstellungen der Göttin Athena inspirieren, deren ästhetische Schönheit zahlreiche Künstler späterer Zeiten in der Darstellung des Frauenbildes beeinflusste.

Tritt ab von der „Haute Couture“ Bühne, hat aber ein neues Konzept: Modemacher Jean Paul Gaultier  Foto: CN - Lëtzebuerger Journal
Tritt ab von der „Haute Couture“ Bühne, hat aber ein neues Konzept: Modemacher Jean Paul Gaultier Foto: CN

Gaultiers letzte Haute Couture Schau

In aller Munde war allerdings Couturier Jean Paul Gaultier, der mit dieser aktuellen Kollektion seinen Abschied von der „Haute Couture“ Bühne bekannt gab. Bereits einige Tage vor der Schau hatte er über Twitter zu einem großen Fest anlässlich der 50-jährigen Karriere als Modemacher eingeladen. Als Scoop gab er bekannt, dass dies sein letztes „Haute Couture“ Defilee sein würde. Der 67-jährige ist für seine unkonventionellen Modekreationen bekannt. Das „Enfant Terrible“ der Mode revolutionierte die Couture in den 1980er Jahren mit seinem Matrosenlook und den Streifenshirts, dem Männerrock und seinen Korsagen mit spitzen Brüsten. Letztere werden wohl stets in Verbindung mit Madonna gebracht, die diese extravaganten Outfits auf der Bühne präsentierte. „Aber Gaultier Paris geht weiter, die Haute Couture geht weiter. Ich habe ein neues Konzept. Aber darüber reden wir später“ verkündete er auf Twitter.