HAMBURG
LIZ MIKOS

Mittendrin im großen Andrang der 23. Job- und Weiterbildungsmesse in Hamburg

Mehr als 10.000 freie Stellen: Hört sich doch perfekt an oder nicht? Das dachten sich auch die unzähligen Menschen, die sich am Mittwoch in Hamburgs Barclaycard Arena zur 23. Job- und Weiterbildungsmesse zusammengefunden haben, um sich die unzähligen Stände anzuschauen. Auch ich war hin, um mich zu erkundigen, was man denn so alles in Hamburg und Umgebung machen kann. Seit Oktober lebe ich nun schon in der Hansestadt und von Anfang an war klar: Irgendwann muss ich auch sowas haben, von dem alle reden - so einen Job. Spätestens jetzt, wo ich in eine neue Wohnung gezogen bin und somit wieder ein neuer Lebensabschnitt beginnt, wird es auch für mich Zeit, mal zu arbeiten.

Da bot es sich natürlich an, dass gleich, nachdem ich umgezogen bin, auch die Jobmesse stattfand. Mittwochs vormittags um 11.00 sollte doch eine gute Zeit sein. Da sind die Jugendlichen in der Schule, die die bereits einen Job haben noch bei der Arbeit und andere vielleicht noch im Bett oder am Frühstückstisch, dachte ich. Falsch gedacht. Am verregneten Morgen hatten wohl doch mehr Leute Lust und Zeit sich auf den Weg zur Arena zu machen, also hieß es für mich: Geduld haben, Anstehen, nicht zerquetschen lassen und idealerweise einfach mit dem Strom mitlaufen.

Vorbereitung - Das A und O

Wer sich fragt: „Was hat so eine Jobmesse eigentlich zu bieten?“ Nun ja. Eigentlich alles. Ob Ausbildung, Weiterbildung, Studium, duales Studium, Handwerk oder beispielsweise Berufe im IT Bereich; es war eigentlich alles einmal querbeet dabei. Was hier am wichtigsten ist: UNBEDINGT fertige Bewerbungsmappen dabeihaben. Wer sich für eine Stelle interessiert, sollte hier nicht unvorbereitet auftauchen, denn wie fast überall war auch hier der erste Eindruck oft der Wichtigste. Wer keinen Lebenslauf und Zeugnisse dabeihatte, konnte schon mal einfach weggeschickt werden, denn wie soll man wissen, ob die Person passt, wenn sie nicht beweisen kann, was sie kann. Wer sich unsicher war, was in so eine Mappe reinkommt, oder in welcher Reihenfolge die Dokumente sein sollen, konnte auch zum kostenfreien Bewerbungsmappen-Check und sich dort sein Feedback holen.

Ich war zum Glück vorbereitet und habe hier und da meinen CV ausgepackt und vorgelegt. „Was? Sie sprechen vier Sprachen? Fließend? Das ist ja toll!“ An dieser Stelle dann auch ein kleiner Applaus an Luxemburg: Danke fürs Sprachen lernen! Da hat man in so manchen Bereichen tatsächlich einen großen Vorteil, auch wenn man es als Teenie in der Schule doof findet, diese alle lernen zu müssen.

Das Erscheinungsbild

Doch zur Vorbereitung gehört mehr als nur eine Bewerbungsmappe. Ein gepflegtes Äußeres ist hier nämlich auch gefragt. So manch Jugendlicher war am Mittwoch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, hat aber scheinbar leider vergessen sich nach dem Aufstehen richtige Klamotten überzuziehen. Ich will ja nicht diskriminieren - leben und leben lassen und so - aber ob Jogginghose und bekleckerter Kapuzenpulli so geeignet sind, um sich für einen Ausbildungsplatz in der Hotellerie oder Gastronomie zu bewerben, wage ich mal zu bezweifeln. Doch natürlich sind nicht alle so rumgelaufen, denn auch SIE waren wieder vertreten. Wer kennt sie nicht und wo sind sie nicht: Die Alleskönner! Kompetenter erster Eindruck, schickes Outfit, perfekt hergerichtet, aber alles nur Fassade. Ach. Sind die nicht unterhaltsam?

Klar, ist ein selbstbewusstes Auftreten bei der Jobsuche nicht unwichtig, aber einige sind hier ganz klar übers Ziel hinausgeschossen. Ich konnte leider keine ganzen Gespräche mitverfolgen, aber Sätze wie: „Ich kann ALLES. Ich habe das schließlich GELERNT.“ Oder: „Eine Schulung? Boah sorry, aber das habe ich echt nicht nötig“, hat man dann doch manchmal aufgeschnappt. Zu gerne hätte ich die Reaktionen der Aussteller noch mitbekommen, aber leider wurde man immer wieder von den Menschenmassen weitergetrieben. Natürlich waren auch andere Menschen da. Menschen, die nicht irgendwie negativ oder sonst wie aufgefallen sind, bildeten die ganz große Mehrheit, sind aber nicht so lustig zu beobachten.

Vielfalt in allen Bereichen

Was mich an der Messe vor allem fasziniert hat, war die Vielfalt an Ausstellern, Jobs, Ausbildungsplätzen, Universitäten und auch an Menschen, die dort vertreten waren. Zwar wurde auch damit geworben, dass für alle Qualifikationen und Altersgruppen (20 bis 50plus) was dabei ist, aber trotzdem habe ich mir das irgendwie kleiner vorgestellt. Und trotz der Größe der Messe und der enormen Anzahl an Menschen, war der Umgang mit den verschiedenen Ausstellern sehr persönlich. Sie haben sich Zeit genommen, um alles genau zu erklären, aber auch mein Lebenslauf wurde von den meisten von oben bis unten komplett durchgelesen statt nur überflogen. Einige Male endete das Gespräch dann auch damit, dass mir ein Kontaktformular vor die Nase gelegt wurde, das ich dann ausfüllen konnte. Was mich allerdings persönlich noch gefreut hätte, wäre natürlich, wenn auch etwas im journalistischen Bereich oder im Verlagswesen angeboten worden wäre. Das war der einzige Punkt, der mich tatsächlich etwas enttäuscht hatte, da in diesem Bereich nicht ein einziger Aussteller vertreten war.