SYDNEY/NEW YORK
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Ein Virus verändert die Welt: Eindrücke aus aller Welt

Dass zu starke Lockerungen von Anti-Corona-Maßnahmen zu abnehmender Disziplin führen können, zeigt ein Beispiel aus Australien. In der Schweiz macht die Not erfinderisch. Und es gibt Wirbel um ein vielleicht vielversprechendes Ebola-Medikament. Ein Blick um die Welt in Zeiten von Corona.

AUSTRALIEN: Strandverbot reaktiviert

Es war einen Versuch wert: In Randwick, einem Vorort der australischen Küstenmetropole Sydney, wurden erst am Montag drei Strände wieder geöffnet. Wenige Tage später sind sie wegen fehlender Disziplin der Besucher wieder dicht. Die Stadtverwaltung hatte nur Sport am Strand erlaubt und verboten, dass sich mehr als zwei Menschen versammeln. Aber das klappte nicht. „Wir wollen sie für Sport offenhalten, aber das geht nicht, wenn die Leute herkommen, um einen spaßigen Tag zu haben“, sagte ein Sprecher der Stadt der australischen Nachrichtenagentur AAP. Am Wochenende sollen die Strände wieder öffnen, aber genau beobachtet werden. Der Bürgermeister von Randwick, Danny Said, warnte, die Strände würden wieder geschlossen, falls die Abstandsregeln nicht eingehalten würden. Den Besuchern ist nur kurzes Schwimmen, Surfen oder Laufen gestattet, dann sollen sie wieder nach Hause.

USA: Erste positive Zeichen aus New York

Der US-Bundesstaat New York ist besonders heftig von der Corona-Pandemie betroffen - aber jetzt mehren sich erste vorsichtig positive Zeichen. Die Zahl der Todesopfer nach einer Infektion mit dem Virus sinkt, ebenso wie die Zahl der neu ins Krankenhaus eingelieferten Patienten. Zudem zeigen erste Daten, dass möglicherweise weitaus mehr Menschen in dem Bundesstaat an der US-Ostküste mit rund 19 Millionen Einwohnern eine Infektion mit dem Virus bereits überstanden haben: Den Ergebnissen einer ersten Antikörper-Studie zufolge infizierten sich bislang rund 14 Prozent der Menschen mit dem neuartigen Virus - in der Millionenmetropole New York waren es sogar rund 20 Prozent. Für die Studie seien rund 3.000 Menschen, die in 40 Supermärkten in 19 Landkreisen einkauften, zufällig ausgewählt und auf Antikörper getestet worden, sagte Gouverneur Andrew Cuomo.

FRANKREICH: „Crash-Test“für deutsch-französische Freundschaft

Die weitgehend geschlossene Grenze zwischen Deutschland und Frankreich belastet nach Ansicht von Regionalpolitikern nicht nur die Region, sondern auch die deutsch-französischen Beziehungen insgesamt. „Die Coronavirus-Krise ist ein Crash-Test für die deutsch-französische Freundschaft“, sagte Christophe Arend, Pariser Abgeordneter aus Forbach an der Grenze zum Saarland, der Deutschen Presse-Agentur. Die Krise habe „uns eine echte Lektion in deutsch-französischer, aber auch europäischer Solidarität erteilt“. Arend stehe in täglichem Kontakt mit Grenzpendlern. Diese beklagten etwa extrem lange Umwege zum Arbeitsplatz, aber auch Anfeindungen. Ähnlich äußert sich die Präsidentin des elsässischen Départementrates von Haut-Rhin, das an Baden-Württemberg grenzt. Französische Berufspendler dürften in Deutschland nicht einkaufen oder anhalten, um zu tanken, sagte Brigitte Klinkert der dpa. Das wirke sich negativ auf die Stimmung aus und sei ein schlechtes Signal.

TURKMENISTAN: Fußball statt Corona-Vorsicht

Wovon in fast jedem Land der Welt geträumt wird, ist im ölreichen Wüstenstaat Turkmenistan am Kaspischen Meer Realität: Die Fußballsaison geht trotz weltweiter Corona-Krise unbeirrt weiter. Die autoritär regierte Ex-Sowjetrepublik in Zentralasien behauptet vehement, noch keinen einzigen Corona-Fall im Land zu haben. Dennoch kursieren immer wieder Gerüchte im Internet über einige Corona-Fälle, dies lässt sich jedoch nicht unabhängig überprüfen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte hingegen die Regierung unter Machthaber Gurbanguly Berdimuhamedow, die rund 5,5 Millionen Bewohner kaum über Schutzmaßnahmen zu informieren. „Wenn es auch nur einen Fall in Turkmenistan gäbe, würden wir das sofort mitteilen“, versicherte Außenminister Raschid Meredow bei einem Briefing. „Wir verbergen nichts, wir sind offen.“ Tatsächlich ist das Land aber ähnlich abgeschottet wie Nordkorea.

ITALIEN: Kauf von Fahrrädern und Tretrollernsoll gefördert werden

Überfüllte öffentliche Verkehrsmittel in Corona-Zeiten? Zu große Ansteckungsgefahr. Italien will den Kauf von Fahrrädern und Tretrollern fördern, um volle U-Bahnen und Busse zu verhindern. In der anstehenden Gesetzesverordnung werde es entsprechende Anreize geben, sagte Verkehrsministerin Paola De Micheli der Zeitung „Corriere della Sera“ (Freitag). Wie hoch die Förderung sein wird, war unklar. Italien will vom 4. Mai an die strengen Ausgangsbeschränkungen ein wenig lockern. Stoßzeiten müssten unbedingt verhindert werden, es gebe dazu aber nicht genug Busse und Bahnen, sagte De Micheli. Öffentliche Verkehrsmittel dürften nur zur Hälfte besetzt sein, um soziale Distanz zu wahren. Wenn alle auf Autos umstiegen, würden die Städte verstopft. Daher sollten auch die Straßenverkehrsordnungen geändert werden, um mehr Fahrradwege zu öffnen.

SCHWEIZ: Eine Maske, die Viren tötet

Eine Gesichtsmaske, die sich bei Kontakt mit bestimmten Viren verfärbt, oder eine, die Viren nicht nur abhält, sondern abtötet - daran arbeiten Forscher in Zürich. Sie gehen davon aus, dass Gesichtsschutz auch über die aktuelle Coronavirus-Krise hinaus ein Thema bleiben wird. „Die Krise ist ein Innovationsmotor“, sagt René Rossi, Leiter des Labors zur Entwicklung intelligenter Textilien bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), der Zeitung „Blick“. Ein weiteres Forschungsprojekt befasst sich mit der Entwicklung transparenter Masken. Das Institut hat auch bereits einen Sensor entwickelt, der Coronaviren in der Luft nachweisen kann. Er basiert auf winzigen Strukturen aus Gold, sogenannten Gold-Nanoinseln. Dass es funktioniert, hätten die Forscher schon nachgewiesen, jetzt müsse noch ein einsatzfähiges Gerät entwickelt werden, sagen die Forscher.

Wirbel um Medikament für Corona-Patienten

Bei der Behandlung der Lungenkrankheit Covid-19 geben erste Erfahrungen mit einem ursprünglich gegen Ebola entwickelten Medikament Anlass zu vorsichtiger Hoffnung. Das US-Präparat Remdesivir wird derzeit in weltweiten Studien untersucht. Kurzfristig sorgten Berichte für Wirbel, nach denen das Mittel keinen Erfolg brachte. Hersteller wie Mediziner warnen vor voreiligen Schlüssen in beide Richtungen. Das Medikament habe bei Patienten in der München Klinik Schwabing erste Erfolge gebracht, sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der an der Studie beteiligten Klinik für Infektiologie.

Nach zurückhaltenden Schätzungen habe die Hälfte der damit behandelten Patienten profitiert, sagte Wendtner, der keine Zahl nannte. Es sehe danach aus, dass schwer Erkrankte früher von den Beatmungsmaschinen genommen werden könnten. Auch in den USA berichteten Ärzte von ersten ermutigenden Erfahrungen. Medien zufolge wurden in Chicago 125 Corona-Patienten mit dem Medikament behandelt. Dem Vernehmen nach will die Herstellerfirma in Kürze eine Interimsanalyse bei 400 Patienten mit schwerem Verlauf veröffentlichen.

Am Donnerstag sorgte dann überraschend eine Veröffentlichung für Wirbel, nach der eine chinesische Studie mit Remdesivir enttäuschende Ergebnisse gebracht haben soll. Das antivirale Medikament habe sich als Flop erwiesen, hieß es in Berichten über ein auf der Seite der Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlichtes Dokument - das allerdings nach kurzer Zeit wieder entfernt wurde.