ALSCHEID
NORA SCHLEICH

Liette de Roy hilft Kindern, ihre Balance zu finden

Vor 25 Jahren haben Liette und Hans de Roy ihren Hof in Alscheid gekauft. Was anfangs noch als Zuhause für die Familie und deren Vierbeiner gedacht war, wurde nach und nach zu einem Ort, an dem Kinder die wohltuende Natur wiederentdecken können. Liette de Roy hat ihrem alten Beruf den Rücken gekehrt und bereitet nun mit Hilfe der ganzen Familie und einer Mitarbeiterin Kindern eine schöne Zeit. Dass der Umgang mit den Tieren den Kleinen viel mit auf den Weg gibt und ein gesundes Bewusstsein sowie zufriedene Kindergesichter schafft, bestätigt sich für Liette de Roy Tag um Tag. Wir haben die Therapeutin besucht und einen Einblick in die Welt rund um den Bauernhof in Alscheid erhascht.

Was versteht man unter einem „pädagogischen Hof“?

LIETTE DE ROY Als „pädagogischer Hof“ zeigen wir den Kindern, wie die Arbeit auf dem Hof aussieht. Sie können zuschauen, mitmachen und etwas dazulernen. Wir ergänzen dies noch mit der tiergestützten Intervention, um auch Kindern mit Problemen helfen zu können. Wir sind offen für jeden und empfangen auch Gruppen und Klassen. Der Verband „APFAPL“ des Agrarministeriums hat eine Fortbildung speziell für das Konzept der Bauernhofpädagogik geschaffen. Die Auszeichnung erhält man, wenn man als Bauernbetrieb registriert ist und die Fortbildung bestanden hat. Der Beruf des Therapeuten in der tiergestützten Therapie oder des Bauernhofpädagogen ist hier im Land mittlerweile anerkannt.

Haben Sie schon immer mit Tieren gearbeitet?

DE ROY Eigentlich bin ich Krankenpflegerin und habe auch immer in dem Bereich gearbeitet. Nachdem ich mein drittes Kind auf die Welt gebracht hatte, wollte ich mich nach beruflichen Alternativen umsehen. Reittherapie hat mich schon immer interessiert, aber damals gab es hierzulande nur wenige, die sich damit beschäftigten. Nach ein paar Recherchen im Internet wurde mir klar, dass ich eigentlich schon fast alle Voraussetzungen erfüllte, um die Ausbildung zum Reittherapeuten angehen zu können. Da ich mich mit vielen Menschen über das Thema unterhalten habe, wurden immer mehr Leute auf mich aufmerksam und haben den Weg auf unseren Hof gefunden. Nach und nach haben wir neben den Pferden auch noch Kleintiere in die Arbeit eingebunden. Mein Mann Hans hat sich in Bauernhofpädagogik ausbilden lassen und meine jüngste Tochter Marie ist gerade dabei, die gleiche Ausbildung zu absolvieren und dies ebenfalls mit tiergestützter Intervention zu kombinieren. Seit September bin ich auch noch spiel- und entwicklungspädagogische Trainerin.

Was bieten Sie an?

DE ROY Die pferdegestützte Therapie umfasst alles ums Pferd. Der Umgang mit dem Pferd ist dabei wesentlich wertvoller als das Reiten selbst. Die Kinder finden Gefallen daran, sich lange bei den Pferden aufzuhalten, sie zu striegeln und mit ihnen Zeit zu teilen. Sie lernen aber auch in den Ponygruppen reiten und können dies dann später in den Reitstunden umsetzen. Wir beschäftigen uns dazu viel mit der Bodenarbeit am Pferd. Dabei ist oft der Weg das Ziel, sodass die Kinder selbst mitüberlegen müssen, wie sie dem Pferd die Übung verständlich machen. Neben den Pferden sind unsere kleinen Tiere Teil der tiergestützten Intervention. Wir bieten auch Themennachmittage an, bei denen der Fantasie der Kinder freien Lauf gelassen wird. Mal ist das Thema Zirkus, Pippi Langstrumpf oder Cowboy - da kommen spontan die schönsten Momente zu Stande. Man kann auch eine Führung über den Bauernhof machen, wo man mit dem Alltag auf dem Hof vertraut gemacht wird. Wie versorge ich mein Tier? Welche Bedürfnisse hat es und wie kann ich ihm etwas Gutes tun? Alles dreht sich um den bewussten, ruhigen und gemütlichen Umgang untereinander, mit der Natur und den Tieren. Auch trauernden, traumatisierten oder leicht behinderten Kindern bereiten wir eine gute Zeit, wir erhalten da von den Eltern ausschließlich positives Feedback.

Welche Tiere gehören zum Hof?

DE ROY Wir haben zwölf Pferde und Ponys, 15 Kaninchen, fünf Meerschweinchen, drei Hähne und ein paar Hühner, zwei Ziegen, einen Hund und zehn Katzen. Die arbeiten alle tatkräftig mit. Vor einiger Zeit kam eine Mutter mit ihrer Tochter zu uns, da diese anscheinend Angst vor Tieren hätte. Es hat keine zwei Minuten gedauert, da hatte die Kleine schon eine Katze auf dem Arm.

Wie beschreibt sich die Vision des Hofes?

DE ROY Wir möchten den Menschen wieder Freude an der Natur und den Tieren übermitteln. Tiere sind keine Gebrauchsgegenstände, Pferde keine Fahrräder. Man kann so viel Verschiedenes mit den Tieren machen und den Kontakt mit ihnen genießen. Ganz nervöse Kinder werden deutlich ruhiger, wenn sie sich für die Tiere öffnen und sich auf sie einlassen. Ich habe noch kein Kind hier auf dem Hof begegnet, das nicht mit einem Lächeln die Zeit hier genießt und fröhlich ist. Das Naturbewusstsein der Kinder ist oft nicht wirklich vorhanden. Im Sommer spazieren wir mit den Kindern und den Ponys zu unserem Gemüsegarten, um ihnen regelrecht Gemüse zu zeigen. Da ist eine frisch aus der Erde gezogene Möhre ein Highlight! Die Kinder laufen dann über die ganze Wiese, um sich eine Möhre zu holen, rennen den ganzen Weg zurück und essen dann glücklich ihre Möhre auf. Das Pony kriegt auch noch etwas ab und schon rennen sie wieder los! Fast so als ob sie so etwas noch nie gesehen hätten. Die Kinder helfen auch gerne Eier unserer frei umherlaufenden Hühner suchen. Dass man Kaninchen nicht immer auf den Schoß nehmen kann, wenn einem gerade danach ist, merken die Kinder auch. Die Tiere können auch Nein sagen und einem mit ihrer Körpersprache vermitteln, dass sie gerade etwas nicht möchten. Für die Kinder ist dies eine wertvolle Erfahrung, denn sie lernen nicht nur den Respekt vor dem Willen des Tieres, sondern auch, dass sie selbst ebenfalls mal Nein sagen dürfen.

Wie geht es jetzt für den „Alschender Ponyhaff“ weiter?

DE ROY Wir wollen so weitermachen wie bisher. Es ist stets verlockend, mehr anzunehmen und auszubauen, aber wir wollen uns nicht übernehmen und den Überblick behalten. Natürlich verbessern wir uns gerne und bilden uns auch immer weiter.

alschenterponyhaff.jimdo.com