LUXEMBURG
FRANK KRINGS

Der Fokus der Märkte dürfte sich von der Geldpolitik zur Realpolitik verschieben. Nachdem Zentralbanken seit Beginn der Finanzkrise im Rampenlicht standen, wird gefordert und erwartet, dass die Politik die maßgebliche gestaltende Rolle übernimmt und Veränderungen durchsetzt. Das wird auch Überraschendes mit sich bringen, und es wird unruhiger. Die Folge: Unternehmer und Anleger werden in einer Welt agieren müssen, die von einer auseinanderlaufenden Haushalts-, Geld- und Handelspolitik geprägt ist.

2017 wird, so ist zu erwarten, durch zunehmende protektionistische Tendenzen geprägt sein. Tatsächliche oder erwartete zunehmende regionale Handelshemmnisse werden stärkeren Einfluss auf Unternehmensstrategien und internationalen Handel haben. Die Diskussion über Inflation und steigende Zinsen wird weitergehen. Wir gehen allerdings davon aus, dass beide Indikatoren nur moderat steigen. Hier stellt sich die Frage, ob die derzeitige starke Umschichtung von Mitteln aus Fremdkapitalmärkten in Eigenkapitalmärkte und die damit einhergehende relative Preisentwicklung gerechtfertigt ist. Wir glauben, dass Kreditmärkte weiterhin besondere Beobachtung erfordern und Beachtung verdienen.

An den Eigenkapitalmärkten stehen Unternehmensgewinne und individuelle Verschuldungsgrade im Fokus. Wir gehen dabei von deutlich unterschiedlichen Entwicklungen für einzelne Sektoren und geografische Märkte aus. Besonders interessant erscheint der Technologiesektor, wo sich 2017 die Branchen Infrastruktur, Medizintechnik sowie die Finanztechnologie besonders dynamisch entwickeln könnten.

Der Ölpreis und der US-Dollar sollten das allgemeine Marktumfeld 2017 sowie die Inflationserwartung wieder deutlicher beeinflussen. Ein nachhaltiger, weiterer Anstieg des Ölpreises scheint trotz der jüngsten Einigung der OPEC über eine geringere Ölförderung unwahrscheinlich. Investitionen im Energiesektor sind grundsätzlich weiter attraktiv, wobei sich der Fokus auf Bereiche verlagert, die eher von steigenden Volumina als von steigenden Preisen profitieren. Das Wirtschaftswachstum in den USA und eine straffere Geldpolitik der US-Notenbank dürften dem US-Dollar wieder zur Stärke verhelfen.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache wählte „postfaktisch“ zum Wort des Jahres 2016; als Steigerungsform steht „kontrafaktisch“ bereits im Raum. Für 2017 sei vor diesem Hintergrund folgender Hinweis erlaubt: Schlagzeilen verursachen häufig erhebliche Marktreaktionen, die sich oftmals jedoch rasch wieder legen. Diese Entwicklung und einhergehende Kursschwankungen dürften sich gleichwohl fortsetzen.

Für Unternehmer und Investoren bleibt ein gutes eigenes Urteilsvermögen wichtig. Kurzfristige Reaktionen und strukturelle Verschiebungen sind zu unterscheiden. Hierbei bieten Langfristtrends und gesellschaftliche Themen wertvolle Orientierung; beispielhaft genannt seien Internet- und Datensicherheit, die demografische Entwicklung, das Ausgabeverhalten von Millennials sowie Technologien und Nutzungskonzepte der nächsten Generation.

„Handelshemmnisse werden stärkeren Einfluss haben“, Frank Krings, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bank Luxembourg S.A.
 - Lëtzebuerger Journal
„Handelshemmnisse werden stärkeren Einfluss haben“, Frank Krings, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bank Luxembourg S.A.
Deutsche Bank Luxembourg S.A.

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Für die Deutsche Bank ist Luxemburg ein wichtiges europäisches Kompetenzzentrum im Asset Management, dem internationalen Kredit- und Finanzierungsgeschäft sowie in der Vermögensverwaltung. Die Bank ist seit mehr als 45 Jahren im Großherzogtum Luxemburg präsent und beschäftigt hier insgesamt mehr als 600 Mitarbeiter.