KÖLN
ISABELLE MODLER (DPA)/LJ

Bei Möbeln und Deko sind zarte Farben angesagt

Bei der Farbe Rosa denken viele an ein Mädchen-Kinderzimmer - an einen gelebten Prinzessinnen-Traum. Doch Rosa ist laut Farbexpertin Hildegard Kalthegener auch für die Einrichtung von Erwachsen angesagt. Wenn es ein sanfter Rosaton ist - mit einer Nuance von Beige gemischt. „Dann entsteht ein puderiger aufgehellter Terrakotta-Ton, den wir immer mehr bei der Einrichtung sehen.“

Rosa als Akzent

Bei der Farbe Rosa kommt es ihrer Meinung nach allerdings auf die Dosierung an. „Sie eignet sich - außer wenn das Marketing einen Blickfang braucht - weniger als Hauptfarbe an einer ganzen Wand oder für ein Sofa“, sagte die Trendexpertin auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne in Köln (bis 21. Januar). Das Rosa diene mehr als Akzent. „Man kann den Farbton etwa als Kissen oder Decke auf dem Sofa oder als halbe Wand in der Küche verwenden.“

Grundsätzlich sei das Rosa mehr ein weiblich anmutender Farbton. „Kombiniert mit Schwarz oder Weiß wirkt er maskuliner“, sagt Kalthegener. Auch in Verbindung mit Materialien wie Holz oder Schiefer kommt die Farbe gut zur Geltung. Rosa passt auch zur Vintage-Welle mit seinen Beige- und Grau-Tönen.

„Häufig gibt es zu aktuellen Farbtrends auch Gegentrends“, erklärt Kalthegener. Neben dem puderigen Rosaton seien derzeit auch dunkle Farben angesagt - etwa ein kühles Blau, Dunkelgrün oder Grau. Sie bilden einen Kontrast. In dieser Kombination wirke das Rosa weniger mädchenhaft.

Zarte statt schrillen Tönen

Kontraste sind derzeit zwar beliebt. Das trifft aber nicht auf schrille, knallige Farbtöne zu. „Sie passen für viele nicht in unsere Zeit“, sagt Kalthegener. „Unter anderem aufgrund der politischen Instabilität, die derzeit vielerorts herrscht, haben viele eine Sehnsucht nach Sicherheit.“ In der Farbauswahl drücke sich das durch zarte Töne. Eine Beobachtung, die auch der Farbforscher Prof. Axel Venn teilt: „Das viele Weiß sind viele leid“, sagt er. Knallige Pop-Art-Farben seien aktuell dennoch nicht gefragt. Trendexperte Venn begründet dies mit einer Sehnsucht nach Harmonie und Heimat. Statt Zitronen- oder Neon-Gelb sei eher sonniges, abgetöntes, weiches Gelb angesagt.

Auch Kalthegener hat festgestellt: „Viele Menschen haben Angst vor zu viel Farbe.“ Die Farben seien derzeit leicht vergraut. „Dadurch wirken sie edel, schlicht und elegant“, erklärt Venn. Sein Rat: „Kräftige Farben durch sanfte Töne abzumildern und sie so entsprechend einzubetten.“

Vielzahl von Schwarz- und Grau-Tönen

Sogar die Farbe Schwarz werde sanfter. Der Grund: Es handele sich nicht um die reine Farbe, sondern um Schattierungen und Varianten - mit Nuancen von Grün, Blau oder Rot. Deshalb spricht Venn von einer Vielzahl von Schwarz- und Grau-Tönen.

Seiner Meinung nach bleibt auch Grün in diesem Jahr eine angesagte Farbe - jedoch nicht das Grasgrün aus dem vergangenen Jahr, sondern eher ein sanftes Lindgrün. Wer will, kann mit Lindgrün einen Kontrapunkt zu Rosa setzen. „Das strahlt eine natürlichen Vornehmheit aus. Dadurch wirkt das Rosa nicht nur feminin, sondern auch elegant“, erklärt Venn. Kalthegener ergänzt: „Die Kombination geht dann eher in die skandinavische Richtung. Dadurch wirkt alles leicht und softer.“

Frische, natürliche Farbe

Grün in vielen Schattierungen sieht man in diesem Jahr häufig auf der IMM: insbesondere Olivgrün. „Das ist eine frische, natürliche Farbe, die dennoch zurückhaltend ist“, erklärt Ursula Geismann, Sprecherin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie. Besonders beliebt ist er bei Polstermöbeln - ebenso wie die Farben Petrol und Türkis.

Und dann gibt es noch den Farbton, den das US-Unternehmen Pantone jedes Jahr von Trendscouts analysieren lässt. Die Firma hat ein verbreitetes Farbsystem für die Grafik- und Druckindustrie entwickelt. Bei dem Farbton des Jahres handelt es sich nach Angaben der Firma um eine Momentaufnahme, die der Trend- und Designwelt eine strategische Ausrichtung bietet. Nach Ansicht der Experten des Pantone Color Institute heißt die Trendfarbe 2018: „Ultra Violett“ (Pantone-Kennnummer 18-3838).

Gemeint ist ein blau-stichiger Lilaton. Er soll laut Pantone für Originalität, Einfallsreichtum und visionäres Denken stehen. Venn kritisiert: „Dahinter steckt eine größere Werbemaschinerie.“ Doch auch auf der IMM sieht man bei Herstellern und Designern den Farbton.

Farbliche Gegenkultur

Doch setzt er sich genauso in den heimischen Wohnzimmern durch? „Bei diesem Lila handelt es sich mehr um eine Gegenkultur und eher weniger um eine Farbe für die Masse“, sagt Geismann. Auch Venn ist skeptisch: „Die Firma stammt aus Amerika. Diese Farbe ist nicht am Puls der Zeit, was Europa betrifft.“ Sie sei zu klerikal und christlich geprägt. „Das mögen viele nicht“, erklärt Venn.

Auch Kalthegener ist kritisch. Die Designerin rechnet nicht mit einem Durchbruch im großen Stil auf dem europäischen Markt. Der Lilaton sei nicht für große Flächen oder hochwertige Möbel geeignet, sagt sie. Doch ist er laut Kalthegener durchaus attraktiv für Dekoelemente und austauschbare Gegenstände wie Blumenvasen oder Kerzenständer. „Zumal er sich gut mit Gold und Messing kombinieren lässt“, sagt sie.


www.imm-cologne.de