LUXEMBURG
JACQUELINE KIMMER

Staatsbesuch des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck in Luxemburg abgeschlossen

Schengen war gestern Vormittag erste Station des letzten Tages des Staatsbesuches des Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland Joachim Gauck und Daniela Schadt in Luxemburg. Das „berühmteste Dorf der Welt“ besuchten die Staatsgäste aus Deutschland zusammen mit Großherzog Henri. Vor dem europäischen Museum in Schengen wurden die hohen Gäste von Bürgermeister Ben Homan und dem Präsidenten der Vereinigung Schengen asbl, Roger Weber, willkommen geheißen. Entlang der Uferpromenade begaben sich Bundespräsident Joachim Gauck, Daniela Schadt und Großherzog Henri zum Denkmal „Schengener Abkommen“.

Wo europäische Geschichte geschrieben wurde

Alle Welt redet heute von Schengen, doch kaum einer kennt das Dorf an der Luxemburger Mosel, in dem gleich zweimal europäische Geschichte geschrieben wurde. Wegen ihrer symbolträchtigen Grenzlage zu Frankreich und Deutschland wurde in der Ortschaft am 14. Juni 1985 das Schengener Abkommen unterzeichnet, in dem die Abschaffung der Personenkontrollen an den Grenzen zwischen den Erstunterzeichnerstaaten - Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten - festgehalten wurde. Ein Gedenkstein mit der Inschrift „Accord de Schengen - Europa ouni Grenzen - L’Europe sans frontières - Grenzenloses Europa“ und eine als Denkmal „Schengener Abkommen“ bekannte Stahlskulptur am Moselufer - drei Stahlstelen mit einem Stern symbolisieren die ersten Unterzeichnerstaaten - erinnern an diesem Akt.

Am 19. Juni 1990 wurde ebenfalls in Schengen, zur Umsetzung des Schengener Abkommens das Übereinkommen zur Durchführung des Schengener Abkommens - Schengener Durchführungsübereinkommen - unterzeichnet. Das Abkommen wird seit 1995 in der Praxis angewandt. Dem Schengener Abkommen angeschlossen haben sich inzwischen 26 Staaten: Alle EU-Staaten mit Ausnahme von Irland, Großbritannien, Zypern, Bulgarien, Rumänien und Kroatien, sowie Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein.

Zu Besuch im Deutsch-Luxemburgischen Schengen-Lyzeum in Perl

Anschließend wurden die Bundespräsident Joachim Gauck, Daniela Schadt und Großherzog Henri im Deutsch-Luxemburgischen Schengen-Lyzeum in Perl (D) erwartet. Begrüßt wurden die hohen Gäste von Schulleiter Volker Staudt, der anschließend die Besonderheiten des Deutsch-Luxemburgischen Schengen-Lyzeum präsentierte. Das Schengen-Lyzeum stellt eine neuartige grenzüberschreitende Schule zur gemeinsamen Unterrichtung von Kindern und Jugendlichen, die in erster Linie aus Deutschland und Luxemburg kommen, dar. Die deutsch-luxemburgische Schule in Perl vereint Elemente beider Schulsysteme.

Auf einem gemeinsamen Stamm aufbauend bietet das Schengen-Lyzeum die Möglichkeit in einem gymnasialen Zweig die allgemeine Hochschulreife oder in einem berufsbildenden Zweig das „Diplôme de fin d’études secondaires techniques administratif et commercial“ zu erlangen.

Einen Eindruck von der Arbeit des Schengen-Lyzeums in Perl konnte Bundespräsident Joachim Gauck bei der anschließenden Besichtigung von verschiedenen Schülerateliers gewinnen. Auf der Außentreppe im Schulhof stellten sich Joachim Gauck, Daniela Schadt und Großherzog Henri mit den 800 Schülern und den Lehrern des Deutsch-Luxemburgischen Schengen-Lyzeums zu einem Gruppenbild zusammen.

Die Erforschung der Parkinson-Krankheit

Von Perl ging es dann weiter in die „Cité des Sciences“ in Esch-Belval, wo den hohen Gästen das Labor für Biomedizin - „Luxembourg Centre for Systems Biomedecine“ (LCSB) - der Universität Luxemburg präsentiert wurde. Vor fünf Jahren von Professor Dr. Rudi Balling gegründet, zählt dieses Labor heute 180 Mitarbeiter aus 30 Nationen. Unter dem Namen „Parkinson-Landkarte“ oder „PD-Map“ (PD steht für „Parkinson’s Disease“) haben Forscher des LCSB eine interaktive Darstellung des gesamten Wissens zu den genetischen und molekularen Ursachen der Parkinson-Krankheit veröffentlicht.

Nach dem Mittagessen in der „Maison du savoir“ der „Uni Lëtzebuerg“ ging es dann zum Flughafen Findel, wo der Präsident der Bundesrepublik Deutschland Joachim Gauck und Daniela Schadt zusammen mit der deutschen Delegation von Großherzog Henri und Ministerin Corinne Cahen verabschiedet wurden.