LUXEMBURG
DAVID THOMMES

Morgen findet der Weltbevölkerungstag statt. Dieser soll an den rasanten Zuwachs an Menschen weltweit sowie die damit verbundenen Probleme und Herausforderungen erinnern. Hierzu David Thommes von der „Fondation Follereau Luxemburg“.

„2011 waren wir noch sieben Milliarden Menschen, im Jahr 2050 werden wir laut Prognosen der Vereinten Nationen rund zehn Milliarden sein. Die Weltbevölkerung ist allein im Jahr 2018 in etwa um die Einwohnerzahl Deutschlands gewachsen. Jede Sekunde kommen durchschnittlich 2,6 Menschen hinzu. Wäre die Welt ein Dorf mit 100 Einwohnern, wären davon 59 aus Asien, 17 aus Afrika, zehn aus Europa, acht aus Lateinamerika, fünf aus Nordamerika und einer aus Ozeanien. Die weltweit steigende Bevölkerungszahl bewirkte eine rasant zunehmende Nachfrage an Bodenschätzen, Gütern, Agrarflächen, Energie, Wasser und Dienstleistungen, was wiederum die Wachstumsraten der volkswirtschaftlichen Produktion, die Einkommen und die Kaufkraft erhöht hat.

In Afrika wächst die Bevölkerung besonders schnell. Bis 2050 wird sich die Anzahl der Afrikaner von derzeit 1,3 Milliarden laut Schätzungen der Vereinten Nationen auf 2,5 Milliarden fast verdoppeln. ‚Eine Hauptursache des Bevölkerungswachstums in Afrika südlich der Sahara ist die hohe Zahl ungewollter Geburten. Denn dort kann jede zweite Frau nicht verhüten, obwohl sie das möchte‘, sagt DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. ‚Das liegt vor allem daran, dass es an Aufklärung, Verhütung und einer guten Gesundheitsversorgung mangelt‘. Vor allem in Afrika gilt Kinderreichtum immer noch als eine verlässliche Absicherung fürs Alter. Ein weiterer Grund ist fehlende Gleichberechtigung: Viele Frauen haben bei der Familienplanung kein Mitspracherecht. Deshalb engagiert sich ‚Fondation Follereau Luxembourg‘ in ihren afrikanischen Partnerländern unter anderem für benachteiligte Frauen und Kinder, indem sie Gesundheitsinfrastrukturen aufbaut, die allen zugänglich sind. Hier können Frauen - aber auch ihre Familien - zu Themen wie Mutter- und Kindsgesundheit durch qualifiziertes Personal sensibilisiert werden um sich so beispielsweise gegen die Praxis der weiblichen Beschneidung einzusetzen. Zusätzlich bietet die Stiftung Möglichkeiten und Zukunftsperspektiven für junge Frauen und Mädchen, in dem sie sich für den Aufbau von Bildungszentren und Berufsschulen einsetzt sowie Alphabetisierungsprogramme organisiert.

Da das Bevölkerungsproblem in entwickelten Ländern wie Luxemburg überwiegend ein gesellschaftliches und soziales Problem ist, das in erster Linie auf der Verschiebung der Altersstruktur sowie unseren ressourcenverschwenderischen Lebensstil zurückzuführen ist, engagiert sich die Stiftung in der Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Hier geht es primär um die Förderung der kritischen Auseinandersetzung der Bürger mit entwicklungspolitischen Themen (z. B. die Projekte in Afrika in einen weltweiten, aber von Luxemburg aus nachvollziehbaren Kontext setzen) sowie die Ermutigung zu eigenem Engagement. Demnach werden weltweite Zusammenhänge erforscht sowie globale Verknüpfungen und Fragen der sozialen Gerechtigkeit in Beziehung zu Erfahrungen aus dem eigenen Alltag bzw. der Mitverantwortlichkeit gebracht. Aus diesem Grund bietet die ‚Fondation Follereau Luxemburg‘ Workshops für junge sowie erwachsene Menschen in Schulen oder außerschulischen Strukturen an, die aktive und partizipative Lernmethoden beinhalten.“