LUXEMBURGISABEL SPIGARELLI

Zwei luxemburgische Schiedsrichterinnen im Gespräch

In der Fußballwelt gelten sie oft als Sündenböcke. Nicht immer können das aufgeheizte Publikum und die Spieler ihre Entscheidungen nachvollziehen - und doch gehören Schiedsrichter zum Spiel. Übten zu Beginn der Fußball-Geschichte nur Männer das Amt aus, stehen mittlerweile auch Frauen als Unparteiische auf dem Feld. Tania Morais zählt zu den erfolgreichsten Schiedsrichterinnen Luxemburgs, Audrey Almeida pfeift ihre ersten Spiele. In einem unterscheiden sich die beiden Frauen jedoch nicht: Sie sind mit Leidenschaft dabei.

Erste Hürde: Eltern

Audrey steht mit 18 Jahren noch ganz am Anfang ihrer Karriere, und damit laut Tania auch gleich den schärfsten Kritikern gegenüber: „Zu Beginn kommst du bei Jugendspielen zum Einsatz und musst dich mit nervigen Eltern herumschlagen. Die nutzen es aus, dass du keine Erfahrungen hast. Sie mischen sich ein und reden deine Entscheidungen schlecht. Da musst du drüber stehen.“ In höheren Ligen zeigt sich das Publikum in der Regel etwas verständnisvoller. Schiedsrichter brauchen dennoch ein dickes Fell.

„Um es ganz nach oben zu schaffen, muss man sein Privatleben und seinen Job zurückstellen“, erzählt die 32- Jährige. „Ganz oben“ zu sein, ist ihr gelungen: 2015 ist sie Schiedsrichterin bei der FIFA: Sie leitet internationale Länderspiele der U17 und U19 Frauenmannschaften. Auf nationaler Ebene darf sie nach zehn Jahren Erfahrung als einzige Frau Spiele der männlichen Seniorenmannschaften in der „BGL Ligue“ pfeifen.

Kochlöffel statt Trillerpfeife

Trotz ihres Erfolgs wurde Tania während ihrer Laufbahn wiederholt mit sexistischen Aussagen konfrontiert. Auch Audrey berichtet: „Ich muss mir oft Sprüche anhören wie: ‚Du gehörst doch in die Küche!‘“ Je höher die Liga, desto seltener werden solche Konflikte. „Wenn die Leute wissen, dass du was drauf hast, hören sie damit auf“, versichert Tania, „Ich stelle sogar fest, dass die Männer mir mit mehr Respekt begegnen, als meinen männlichen Kollegen.“ Irgendwann spielt das Geschlecht keine Rolle mehr. So blickt die junge Frau gern auf das Finale zwischen „FF Norden 02“ und „Atert Bissen“ zurück. Die Mannschaften und das Publikum applaudierten dem gemischten Schiedsrichter-Gespann für deren Leistung, als es die Medaillen verteilte. „Das geht unter die Haut. Das ist wahre Anerkennung - für Mann und Frau“, hält Tania fest.

Festbeißenist die Devise

Junge Schiedsrichterinnen wie Audrey haben bis dahin noch einen weiten Weg vor sich. Seit vier Jahren assistiert und leitet sie nationale Spiele der weiblichen Jugendmannschaften. Trotz diverser Rückschläge, wie dem plötzlichen Tod ihres großen Förderers und Schiedsrichter Mario Pinto da Costa, arbeitet sie verbissen auf ihr Ziel hin: „Ich will FIFA Schiedsrichterin werden. Mario hat an mich geglaubt , und ich hoffe, dass ich seine Erwartungen erfülle. So oder so: Ich gebe mein Bestes, bei jedem Spiel.“ Genau darauf kommt es an, weiß Tania Morais, die junge Schiedsrichterinnen als Mentorin unterstützt. „Charakter beweisen, Selbstreflexion, Disziplin und Erfahrung: Das zeichnet einen guten Schiri aus. Von Nichts kommt Nichts - das gebe ich meinen Schützlingen mit auf den Weg“, betont sie abschließend.


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