ECHTERNACH
SIMONE MOLITOR

Das Trifolion Echternach hat sich zu einer wichtigen Veranstaltungs- und Begegnungsstätte entwickelt

Mitten im historischen Zentrum der Abtei-stadt Echternach hat das Trifolion vor fast zehn Jahren als eines der ersten dezentralen Kulturhäuser des Landes seine Türen geöffnet. Mit rund 200 Veranstaltungen pro Spielzeit hat es inzwischen sein Publikum gefunden - rund 35.000 Besucher waren es in der vergangenen Saison - und sich zu einer wichtigen Veranstaltungs- und Begegnungsstätte für Kultur, Kongress und Gesellschaft entwickelt. Auch für die Saison 2017/18 wurde wiederum ein interessantes und vielseitiges Programm ausgearbeitet. „Ein breites Angebot ist in der Region besonders wichtig. Die Mischung macht’s“, erklärt uns Trifolion-Direktor Ralf Britten bei unserem Besuch. „Wir sind für die Region da, flächendeckend für die Bevölkerung vor Ort. Genau das ist ja die Idee der regionalen Kulturhäuser. Deshalb ist es wichtig, von allem etwas zu bieten“, fügt Anne Mahler, zuständig für das Programm und die Kommunikation, hinzu.

„Ein paar Nischen haben wir natürlich, zum Beispiel das gesprochene und geschriebene Wort. Echternach hat eine diesbezügliche Geschichte. Daran wollten wir mit unserer Literaturserie ,Horizonte‘ anknüpfen. Natürlich spielt auch Musik eine große Rolle, alleine schon wegen der Verbindung zum ,Festival International Echternach‘ und zur örtlichen Musikschule. Auf unser Kinder- und Schulprogramm legen wir ebenfalls Wert“, fährt Britten fort.

Saalkapazitäten für bis zu 1.000 Besucher

Konzert-, Tagungs- und Seminarräume unterschiedlicher Größen für bis zu 1.000 Besucher, ausgestattet mit moderner Veranstaltungs- und Konferenztechnik, machen ein solch vielseitiges Programm möglich. Der große Saal mit flexibel gestaltbarer Bühne (18 Meter breit, neun Meter tief) bietet Platz für 500 Zuschauer. „In die Akustik wurde viel Geld gesteckt“, bemerkt Britten. Auch die örtliche Musikschule mit über 1.000 Schülern hat ihr Zuhause indes in dem verwinkelten Gebäudekomplex, durch den wir uns an diesem Tag führen lassen.

Kritische Stimmen sind verstummt

„Eine Million Euro brauchen wir pro Jahr für ein Haus dieser Größe. 40 Prozent kommen von der Stadt Echternach und 20 Prozent vom Staat. Die übrigen 40 Prozent müssen wir als Trägervereinigung selbst erwirtschaften, durch Vermietung, Ticketeinnahmen, Gastronomie und so weiter. Bislang ist die Rechnung immer aufgegangen“, bemerkt Britten nicht ohne Stolz, gibt aber zu bedenken, dass anfangs durchaus ein gewisser Druck da gewesen wäre. „Manchmal ist etwas Druck oder sogar Geldmangel gar nicht so schlimm, weil man gezwungen ist, nachzudenken oder zumindest mehr darüber nachzudenken, was man programmiert. Das macht kreativer. Der Markt ist heute so eng, dass man nicht umhin kommt, sich genau zu überlegen, wie man sich positionieren will, wie man seine Nische findet, beziehungsweise sich eine Identität schafft. Das ist uns gelungen“, zeigt sich Britten überzeugt. Die anfänglichen kritischen Stimmen seien relativ schnell verstummt, dabei ging einst von einem Millionengrab die Rede.

Einwohner und lokale Vereine einbinden

Von großer Wichtigkeit sei die Einbindung der Einwohner der Region, beziehungsweise der lokalen Vereine und Vereinigungen. „Am Anfang war mir nicht klar, dass eine lokale Basis, demnach eine lokale Stärke das A und O ist. Ein Haus muss von seiner Community getragen werden und gewollt sein. Natürlich ist es ein Mehrwert, wenn wir es schaffen, bekannte Größen einzuladen. Man braucht Image-Träger, aber selbstverständlich auch gute Inhalte. In dieser Saison ist beispielsweise der als Tatort-Kommissar bekannte Schauspieler Axel Milberg zu Gast. Genauso wichtig ist es aber, das Umfeld in die Arbeit einzubinden“, erklärt der Trifolion-Leiter. Gestrickt wird das Programm demnach nach folgendem Muster: Einerseits wird ein eigenes Kulturangebot ausgearbeitet, andererseits werden die Event-Räume Fremdveranstaltern - Vereinen oder Tourneeveranstaltern - zur Verfügung gestellt.

Arbeit kritisch hinterfragen

Auch wenn es dem Trifolion derzeit gut gehe, müsse man sich immer wieder in Frage stellen und die Arbeit kritisch hinterfragen, meinen beide. Kontinuität sei dennoch wichtig. „Neu erfinden muss man sich nicht jede Saison, trotzdem aber auch immer mal wieder etwas Neues bieten. Diese Saison wird das beispielsweise eine Live-Kochshow mit dem Starkoch Christian Henze sein“, erzählt der Direktor.

Und wo liegen die Herausforderungen der nächsten Jahre, beziehungsweise was haben sich die beiden für die Zukunft vorgenommen? „Weiter daran arbeiten, Verbindungen in verschiedenen Bereichen aufzubauen und gesellschaftlich zu wirken“, antwortet Britten. Die Horizonte-Serie soll ebenfalls ausgebaut werden, etwa durch zusätzliche Workshops oder Projekte mit Schulen. Einen Pianozyklus aufzubauen, nennt der Direktor als weiteres persönliches Ziel, denn „die Akustik schreit danach“. „In manchen Bereichen etwas mehr von den klassischen Veranstaltungsformaten wegkommen, ist ebenfalls ein Gedanken“, meint Mahler.

Inzwischen sind wir wieder im Eingangsbereich angekommen, wo sich auch das „Ticketoffice“ befindet. Ein Drittel der Ticketverkäufe würde hier getätigt. Der persönliche Kontakt sei den Menschen aus der Region immer noch sehr wichtig. „Manchmal verirren sich auch Touristen hierher, weil sie denken, es wäre das Tourismusbüro“, lacht Britten.

Das Programm im Detail unter www.trifolion.lu