Was bedeutet eigentlich der Ausdruck „Schnapsidee“? Laut Duden ist damit ein „seltsamer Einfall“ gemeint, der „nur durch reichlichen Alkoholgenuss bedingt sein kann“. Ihre Entscheidung, Brennerin zu werden, hat Caroline Van Langendonck selbstverständlich nicht im Suff getroffen. Wie so oft hatte der Zufall seine Finger im Spiel. Nachdem ihre Tochter den Kinderschuhen entwachsen war, wollte die gebürtige Belgierin, die seit über zehn Jahren in Luxemburg lebt, wieder beruflich aktiv werden. Ein Bürojob kam nicht in Frage. Der Zufall brachte ihr schließlich eine neue Liebe: Joël Adam, Sohn von Robert und Suzy, ihrerseits Inhaber der „Distillerie Adam-Stomp“ in Kehlen.
Mehr als hundertjährige Tradition in der Familie Adam
Das Schnapsbrennen hat in Familie Adam eine lange Tradition, die im Jahr 1907 ihren Ursprung fand. Jean Adam ließ seinerzeit eine für damalige Verhältnisse höchst moderne Brennereianlage in einem Nebengebäude seines landwirtschaftlichen Hofes installieren. Diese wurde übrigens erst im vergangenen Dezember außer Betrieb genommen. Mit ihr ist in gewisser Weise auch Robert Adam, die dritte Generation, in den Ruhestand getreten. Seit dem 1. Januar läuft die Brennerei unter dem Namen „Adam-Van Langendonck“. Joël liefert das Obst aus eigenem Anbau, seine Verlobte Caroline kümmert sich um die Brennerei. Streng verteilt sind die Rollen natürlich nicht. „Wir sind ein Team“, betont Caroline. Bevor es ans Schnapsrennen geht, verbringen die beiden viel Zeit in den „Bongerten“. Das Obst muss eingesammelt und dann gemahlen werden, bevor es zum Gären in die Fässer kommt, und dann erst findet es den Weg in die Brennereianlage und schließlich in die Flasche. „Das Ganze ist sehr zeitaufwändig. Es ist immer Arbeit, zu jeder Jahreszeit. Und man braucht Geduld“, fasst Caroline zusammen. Den Brennvorgang an sich hat ihr Schwiegervater in spe, Robert Adam, beigebracht.
Vor über einem Jahr auf den Geschmack gekommen
„Vor anderthalb Jahren habe ich als Praktikantin angefangen. Aller Anfang war schwer, ich musste schließlich bei null anfangen. Ich kannte nicht einmal alle Obstsorten beim Namen. Und was es mit einer ,ugemaachten Drëpp‘ auf sich hat, war mir natürlich auch ein Rätsel“, lacht die heute 42-Jährige. Inzwischen hat sie all das gelernt und eine richtige Leidenschaft für ihre neue Tätigkeit entwickelt. „Ich bin gerne unter Leuten und liebe es, Zeit in der Natur zu verbringen. Beides bietet mir die Arbeit als Brennerin, die ich mir auch noch selbst einteilen kann. Wenn ich den ganzen Tag auf einem Markt oder einem Fest verbringe, um unsere Branntweine und Liköre zu verkaufen, habe ich nicht das Gefühl, zu arbeiten. Natürlich ist der Job auch mit einer gewissen Anstrengung verbunden. Ich bin aber sehr froh, dass ich diese Tradition weiterführen kann“, erklärt Caroline. Und auch Robert freut sich: „Wenn wir Caroline nicht gefunden hätten, wäre es vielleicht jetzt nicht weitergegangen“.
Dass Robert die Brennerei und den Hof einmal von seinem Vater übernehmen würde, war indes klar. „Damals war das so“, sagt er. Die Nachfrage nach Obstbränden kannte einst aber auch eine ganz andere Dimension. Anfang des 20. Jahrhunderts trank jeder Luxemburger im Durchschnitt 4,5 Liter Schnaps pro Jahr. „Sie hatten ja auch nichts anderes als Bier, Wein und Schnaps. Der Branntwein hat die gute Eigenschaft, dass er nicht kaputt geht. Automatisch ging früher aber überhaupt nichts. Als die modernen Anlagen kamen, war das eine große Erleichterung. Heute ist das Ganze natürlich noch hochentwickelter“, bemerkt Robert. Im Jahr 1931 wurden im Großherzogtum 3,5 Millionen Liter Schnaps produziert. 1950 gab es hierzulande sage und schreibe 1.082 Brennereien, 1978 waren es 409, heute dagegen nur noch rund 65.
1.000 Liter Schnaps pro Jahr
In der „Distillerie Adam-Van Langendonck“ werden pro Jahr rund 1.000 Liter Schnaps produziert. Die Menge muss im Vorfeld vom Zollamt genehmigt werden. „Wir könnten natürlich viel mehr herstellen, wollen aber nur so viel brennen, wie wir auch selbst Obst anbauen. Wir kaufen nur sehr selten beziehungsweise im Notfall Obst ein, weil wir dann nicht die Kontrolle oder Garantie über die Qualität haben. Qualität ist uns aber sehr wichtig“, erklärt Caroline. An die Zukunft des Hochprozentigen glaubt sie dennoch. „Im Oktober 2014 wurde zum ersten Mal in Sandweiler ein ,Drëppefestival‘ organisiert, an dem alle Brennereien Luxemburgs teilnahmen. Die Kunden konnten ähnlich wie bei einer Weinmesse die einzelnen lokalen Schnäpse kosten. Der Erfolg dieses Festivals hat uns gezeigt, dass es immer noch einen Markt für regionale Qualitätsdestillate gibt. Von billigen Schnäpsen bekommt man Kopfschmerzen, von unserem nicht“, lacht sie. 25 verschiedene Schnaps- und Likörsorten kann man momentan bei den Adams kaufen. Das wechsele aber ständig. „Wir haben früher keine Liköre gemacht. Damit haben wir erst in den vergangenen Jahren angefangen“, berichtet Robert.
Neue Brennereianlage betriebsbereit
Als der Kauf einer neuen Brennereianlage beschlossen wurde, entschieden sich Caroline und Joël bewusst gegen eine vollautomatische, die mittels Computer gesteuert wird. „Wir sind traditionell. Natürlich ist unsere Anlage hochmodern, sie wird aber manuell betrieben und mit Holz beheizt. Ich will die Kontrolle behalten. Wenn ein Computer die ganze Arbeit erledigt, ist die Qualität meiner Ansicht nach nicht die gleiche“, meint die Brennerin.
Robert hat sich selbstverständlich nicht komplett aus dem Schnapsgeschäft zurückgezogen. Gemeinsam mit seiner Frau kümmert er sich um das Brennereimuseum, das sich an gleicher Adresse in Kehlen befindet und so manches Schmuckstück beherbergt. Auf Anfrage kann es von Gruppen besichtigt werden. In Carolines Laden „luxfirewater“ kann man freitags zwischen 14.00 und 18.00 einkaufen.
Brennerei, Laden und Museum befinden sich auf Nummer 13,
Rue d’Olm in Kehlen. Tel: 30 01 02, Email: luxfirewater@gmail.com





