COLETTE MART

Das kürzlich ausgehandelte Gehälterabkommen im öffentlichen Dienst, sowie der Führungswechsel bei der CGFP mobilisierten unsere Aufmerksamkeit während der letzten Wochen, und warfen erneut die Frage des Spannungsverhältnisses zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor auf.

Zwar funktionieren Staat und Privatwirtschaft seit der heftigen Debatte um die Rentengerechtigkeit in den neunziger Jahren jetzt relativ friedlich miteinander. Allerdings ist mittlerweile immer mehr von einer Zweiklassengesellschaft die Rede, die den Staatsdienern viel mehr Sicherheit gibt als den Mitarbeitern des Privatsektors. Des Weiteren bleibt der Staatsdienst vorwiegend luxemburgisch, was den multikulturellen Dialog und die soziale Kohäsion in der Gesellschaft nicht fördert. Die sicheren und gut bezahlten Arbeitsplätze beim Staat werden vorwiegend von Luxemburgern besetzt und oft von Generation zu Generation „vererbt“, so dass es Familien von Staatsbeamten gibt, genauso wie es zum Beispiel Ärzte- oder Anwaltsfamilien gibt. Dies ist ein kulturelles, luxemburgisches Phänomen im Kontext einer Wirtschaft, die sich internationalisiert.

Der neue Generalsekretär der CGFP, Steve Heiliger, liegt richtig, wenn er sagt, beide Sektoren sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Aber es stellt sich die Frage, in wie fern beide Sektoren einander noch verstehen können, und ob die Menschen sich allgemein in den anderen hinein fühlen können. Die Karrieren im Privatsektor und im öffentlichen Dienst klaffen nämlich mittlerweile völlig auseinander, und auch das soziale Umfeld ist in beiden Sektoren so unterschiedlich, dass man sich ernsthaft die Frage der Möglichkeiten des Dialogs stellen muss. Der öffentliche Sektor steht im Dienst des Bürgers und viele Staats- oder auch Gemeindebeamte kommen direkt in Kontakt mit den Sorgen der Menschen. Lehrer und Sozialarbeiter wissen um die Komplexität einer multikulturellen Gesellschaft.

Während der Druck auf die Menschen in der Privatwirtschaft wachsen kann, und ihre Gehälter und sozialen Rechte nicht unbedingt mit dem öffentlichen Dienst mithalten, birgt auch der öffentliche Dienst seine Bürden und Komplikationen, da Mobbing, Depressionen und Fehlen am Arbeitsplatz hier häufig sind. Öffentliche Beamte verharren manchmal in Hierarchien, in denen sie sich unwohl fühlen, oder können für Probleme verantwortlich gemacht werden, die sie selber nicht unbedingt verschuldet haben.

Der Druck kann also durchaus in beiden Sektoren bestehen, auch wenn er unterschiedlicher Art ist, und in einer Gesellschaft, in der ein rauer Wind weht für alle, und in der die Zwischenmenschlichkeit in allen beruflichen Milieus oft verloren geht, ist es demgemäß wichtig, einer Sensibilität für die spezifischen Sorgen der Menschen in beiden Sektoren zuzuarbeiten. Ein besseres gegenseitiges Verständnis könnte durchaus dadurch gefördert werden, wenn im Staatsdienst verstärkt Personen mit Erfahrung im Privatsektor eingestellt würden, wenn eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen dem Staat und dem Privatsektor systematisch begünstigt würde, und wenn die Menschen einfach versuchen würden, einander zuzuhören und voneinander zu lernen.