Als der Milchviehbetrieb „A Mechels“ vor 17 Jahren auf Bio umstellte, spielten ideologische Gründe zweifelsohne eine Rolle. Weil der Hof im Naturpark Obersauer liegt, also dort, wo die nationale Trinkwasserversorgung durch den Obersauerstausee ermöglicht wird, war der Wasserschutz die Hauptmotivation für die Umstellung. „Wasserschutz und Landwirtschaft lassen sich am besten in Form von Biolandwirtschaft kombinieren. Neben einer gesunden Lebensmittelproduktion stellt man quasi auch Wasserschutz her. Da Wasser unser wertvollstes Lebensmittel schlechthin ist, hat man ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man als aktiver Landwirt Mitgarant für gutes Trinkwasser sein kann“, sagt Marco Koeune, der den Generationenbetrieb seit der Umstellung im Jahr 1998 führt.
50 Kühe, 100 Hektar Nutzfläche
Rund 50 Milchkühe - mitsamt Nachzucht - der Schwarzbunt/Holstein-Rasse hält Koeune auf dem Hof in Harlingen nahe der belgischen Grenze. Die Hälfte der rund 100 Hektar Nutzfläche dient der Beweidung als Dauergrünland oder wird für den Anbau von stickstoffbindendem Feldfutter wie Luzerne und Rotkleegras genutzt. So kann Koeune eine proteinhaltige Futterreserve für den Winter einlagern. Die andere Hälfte der Fläche ist dem Ackerbau reserviert. Winterbrotweizen wird für die Biobauerngenossenschaft BIOG angebaut und sonstiges Getreidegemenge wie Hafer oder Erbsen auch zu einem Teil an die Tiere verfüttert. Denn die Idee hinter dem Bio-Gedanken ist es, auf die eigenen Ressourcen zurückzugreifen. Der Zukauf von Futter ist zwar nicht verboten, aber begrenzt und darüber hinaus ein Kostenfaktor. „Wir versuchen so, eine gewisse Futterautarkie herzustellen“, erklärt Koeune. Außerdem spart der Betrieb auf diese Weise Kosten, wenn man die Milch aus hofeigenem Grund- und Kraftfutter melken kann. „Bio macht man nicht allein aus ideologischen Gründen. Auch auf einem Biobetrieb sind wirtschaftliche Zwänge durchaus maßgebend“, gibt er zu bedenken.
Wirtschaftlicher Druck und Gewohnheiten
Zur stagnierenden Entwicklung der Biolandwirtschaft in Luxemburg sagt Koeune: „Das ist in erster Linie Kopfsache“. Die Pioniere hätten vor 30 Jahren aus ideologischen Gründen ihre Betriebe umgestellt. Heute falle vielen Betrieben der Wechsel aufgrund des wirtschaftlichen Drucks schwer. Ein anderer Grund sei aber auch, Gewohnheiten zu ändern oder infrage zu stellen. Ein Beispiel: Eine Verunkrautung einer Kultur kann der konventionelle Bauer mit einem chemischen Mittel relativ schnell bekämpfen. Ein Biobauer, der mechanische Werkzeuge wie Hacken und Striegel einsetzen muss, kann länger damit geplagt sein. Genau deshalb kommt für Koeune der Begleitung, der Beratungsstelle für Bauern, die umsatteln wollen, eine entscheidende Rolle zu.
Neben der Vermarktung von Bioprodukten sind aber auch die Förderprämien ein Faktor, die die Entwicklung der biologischen Landwirtschaft beeinflussen. Dadurch, dass die Bioprämien im neuen landwirtschaftlichen Entwicklungsplan angehoben und mit Prämien der Agrarumweltmaßnahmen kombinierbar werden, werde ein Schritt in die richtige Richtung getan. Das Ziel von 4,4 Prozent Bioanbaufläche bis 2020- derzeit sind es 3,21 Prozent -, hält er für realistisch. Außerdem müsse man bedenken, dass „Bio“ unter dem Strich mehr Arbeit für weniger Ertrag bedeute.
Während in einem konventionellen, auf Leistung getrimmten Betrieb eine Milchkuh weit über 10.000 kg Milch jährlich bringt, sind es in der Biolandwirtschaft etwa 7.000 bis 8.000. Durch eine Kooperation der BIOG-Genossenschaft, in der Koeune Mitglied ist, mit der Molkerei LUXLAIT, sammelt diese seit 2000 die Milch ein, verarbeitet und verpackt sie. Pro verkauftem Liter BIOG-Milch bekommen die Biomilchbauern den Bio-Plus-Zuschlag von zusätzlichen 13 Cent. Überschüssige Bio-Milch fließt in konventionelle Milchprodukte ein.
Um als „Bio“ zu gelten, müssen Betriebe eine Reihe von Auflagen erfüllen. Dazu gehört, dass die gesamte Betriebsfläche nach den Biorichtlinien bewirtschaftet wird und die Tiere Auslauf haben müssen. So grasen
Koeunes Kühe in der Vegetationsperiode auf der Weide. Der Stallplatz muss außerdem sechs Quadratmeter pro Kuh betragen und es müssen ausreichend Liegeboxen mit Einstreu vorhanden sein. Wird eine Kuh krank, sind Antiobiotika nicht die erste Wahl. Stattdessen kommen verstärkt homöopathische Mittel zum Einsatz - oder auch Akupunktur. Präventiv werden zum Beispiel beim Trockenstellen der Kühe vor dem Abkalben, Zitzenversiegler ohne Antibiotika in die Zitzen des Euters eingeführt. Für Biokühe, die Medikamente bekommen, gilt im Vergleich zu konventionellen Betrieben eine doppelte Wartezeit, bis sie wieder gemolken werden dürfen. In Luxemburg definieren die Bioverbände „Bio- Lëtzebuerg“ und der „demeter“-Verband auf der Grundlage der europäischen Bestimmungen zur Biolandwirtschaft Zusatzkriterien, „die noch ein Stück weiter gehen“, wie Koeune ausführt. Insgesamt seien die Bestimmungen, die auf das Wohl des Tieres ausgerichtet sind, aber schon streng genug, findet Koeune.
Die Überwachung und Einhaltung der Bestimmungen übernehmen unabhängige Kontrollstellen. „Wir halten auf diese Kontrollen“. Angesichts einer Verunsicherung in der Öffentlichkeit darüber, was „Bio“ ist, geht es „um die Glaubwürdigkeit nach außen“, sagt Koeune.





