LUXEMBURG
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Oder: Wie Kafkas Werk Eric Junker zu einer ganzen EP inspiriert

Melancholisch, unbehaglich, ungemütlich - diese Gefühle löst Eric Junkers (24) erste EP „Gateway Suite“ aus, die ab heute (2. Februar) online erhältlich ist. Der junge Bassgitarrist spricht im Interview über Kafka, Desorientierung und Hoffnung.

Wer ist Eric Junker?

Eric Junker Ich bin Musiker. Mit sechs Jahren habe ich angefangen, Trompete zu spielen, mit zwölf dann Bassgitarre. Seitdem habe ich in Luxemburg in vielen Bands gespielt, unter anderem „Antifragile“ oder „Mutiny on the Bounty“. Dann habe ich vier Jahre lang Bassgitarre im Jazzdepartement am Konservatorium von Amsterdam studiert. Dort wuchs auch mein Interesse an der Komposition. Mein Ziel war es immer, meine eigene Musik zu machen.

Inwiefern heben sich Deine Kompositionen von anderen ab?

Eric Ich möchte das komponieren, was ich fühle. Dafür versuche ich, meine Influenzen aus dem erlernten, traditionellen Jazz in den Hintergrund zu stellen oder gar zu vergessen. Ich lasse mich inspirieren von der Musik, die ich höre und die von Rock, Hiphop, bis hin zur klassischen Musik und natürlich zum Jazz geht.

Deine neue EP heißt „Gateway Suite“. Worum handelt sie?

Eric Es geht um ein „Gateway“, also ein Portal, und es ist eine Suite, weil es sich um vier Stücke handelt, die aufeinander aufgebaut sind. Ich habe mich an Franz Kafkas Werk „Der Prozess“ inspiriert. In diesem Buch gibt es eine Parabel, eine Kurzgeschichte, mit dem Titel „Vor dem Gesetz“, dessen Handlungsort auch auf dem Cover meiner EP dargestellt ist. Es geht um einen Mann des Landes, der sich Eintritt ins Gesetz fragt. Das entsprechende Portal wird jedoch durch einen Torhüter beschützt. Der Mann sitzt Jahre lang vor dem Portal und fragt immer wieder nach, wann er ins Tor schreiten darf. Der Torhüter erklärt, dass dies möglich sei, jedoch noch nicht jetzt. Die Jahre vergehen, und der Mann wird alt. Am Ende seines Lebens fragt er den Torhüter, warum niemand versucht hat, das Tor zu betreten, worauf der Torhüter erklärt, dass das Portal lediglich ihm, dem alten Mann, gewidmet war, und dass er es zu jeder Zeit hätte hineintreten können.

Spannend, aber was hat das mit Dir und Deiner Musik zu tun?

Eric Die Geschichte hat mich sehr geprägt. Zudem erinnert sie mich an meine aktuelle Lebenssituation, die auch von einem Gefühl der Desorientierung begleitet wird. Genau wie der Mann habe ich Erwartungen an mein Leben. Er hofft sein Leben lang, endlich in das Gesetz eintreten zu können, doch statt zu handeln, verbringt er sein Leben in seinen Gedanken. Das zweite Lied, „Vibrant Futures“, handelt davon: Er malt sich sein Leben lang aus, dass alles dann besser wird, wenn er sein Ziel erreicht hat. Er ist voller Hoffnung.

Welche Stadien der Geschichte repräsentieren die weiteren drei Lieder?

Eric Das erste Lied heißt „Faint Glimmer“ und handelt von dem Moment, wo der Mann noch nichts vom Torhüter weiß. „Vibrant Futures“ repräsentiert das Leben vor dem Tor, wo nichts passiert und er voller Hoffnung ist. In den zwei letzten Liedern geht es um die letzten Minuten seines Lebens. „Post Reasoning“ beschreibt den Moment, wo er versteht, dass er sein Leben lang hätte in das Tor hineinschreiten können. Der Mann ist durcheinander, wütend auf sich selbst. Die Musik ist energetisch, aufgeregt.

Und „Farewell Voyager“?

Eric Hier geht es um den Moment, wo der Mann Frieden mit sich selbst zu finden scheint. Er hat sich das Geschehene so zurechtgelegt, dass er damit leben kann. Die Musik ist ruhig und stellt dar, wie der Mann stirbt.

Wie kommst Du darauf, ausgerechnet diese Geschichte als Inspiration zu benutzen?

Eric Ich habe die Geschichte bereits auf dem Gymnasium gelesen. Sie ist mir seitdem stets im Kopf geblieben. Da sie auch auf meine aktuelle Situation passt, konnte ich meine wahren Emotionen in die Komposition der EP mit einfließen lassen. Kurz gesagt: Es geht um Desorientierung, Lebenserwartungen und eine gewisse Stasis.

Warum eine digitale Release und kein klassisches Konzert?

Eric Es war ursprünglich nicht geplant, das Album zu veröffentlichen. Es ging mir eigentlich darum, meine Musik aufzunehmen und sie so klingen zu lassen, wie ich es mir vorgestellt habe. Im Endeffekt war ich jedoch so zufrieden, dass ich dachte, dass ich sie auch rausbringen könnte. Konzerte mit der Band zu spielen, ist möglich, jedoch eher zu einem späteren Zeitpunkt.

Wie steht es um Deine „Vibrant Future“?

Eric Ich fühle mich inspiriert und bin dabei, für andere Projekte Lieder zu komponieren. Vielleicht ist das nächste größere Projekt in diesem Genre, vielleicht mache ich jedoch auch etwas ganz anderes. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

Mehr über Eric Junker unter tinyurl.com/EricJunkerFB