Die erste Runden sind gedreht: Seit einem Monat wechseln sich vor dem „Bommeleeër“-Gericht die Offiziere ab, die während der Zeit der Attentate die Gendarmerie befehligten. Und in ihrem Auftrag, dafür zu sorgen, die Kriminellen zu fassen, derart miserabel scheiterten. Wobei das unglaubliche Ermittlungschaos, das gerade in diesem Dossier herrschte, stärkste Zweifel daran aufkommen lässt, dass die Sache überhaupt aufgeklärt werden sollte.

Warum wurden ausgerechnet hier selbst elementarste ermittlungstechnische und prozedurale Regeln missachtet? Immer und immer wieder stellt das Gericht den Zeugen diese kruziale Frage. Die Antworten fallen immer gleich aus. Vergessen. Überfordert. Schlecht informiert. Den Ermittlern und den Offizierskollegen vertraut. Und: Nachher ist man immer schlauer. Die Versuche, die Verantwortung in tausend kleinen „mea culpas“ aufzulösen lässt das Gericht allerdings nicht gelten. Genauso wenig, wie es sich mit den brisanten Details über verstorbene Unteroffiziere zufrieden gibt, die immer wieder auftauchen, wenn der Druck auf ihre Ex-Chefs zu stark wird.

An letzteren war es, zu überprüfen, ob die Aufträge auch korrekt ausgeführt wurden. Und da der Kreis der Befehlsgeber damals dermaßen klein war, ist kaum vorstellbar - Arbeitsüberlastung, langsame Kommunikation hin oder her - dass die „Bommeleeër“ nicht Thema Nummer Eins in der Chefetage des Korps waren. Dort schloss der Kommandant Spuren einfach mal aus. Die militaristische, deren Untersuchung von mehreren Experten, darunter von eigenen Offizieren empfohlen wurde? „D’Arméi ass propper“, habe er damals gedacht, sagte Aloyse Harpes jetzt vor Gericht. So kam es, dass auch kaum in Richtung paramilitärische Bewegungen ermittelt wurde. Die „Insider“-Piste? Spätestens seit dem Frühjahr 1985 war sicher: In der Gendarmerie musste ein „Maulwurf“ sitzen.

Plausible Gründe, weshalb die „beste Spur“ Ben Geiben unmittelbar nach dem Attentat auf den Justizpalast am 19. November 1985 kein Thema mehr war, wurden bislang vor Gericht nicht genannt. Arrangierte die Legende von der Revanche des aus dem Korps gedrängten „Super-Flic“ oder könnte, wie Harpes andeutete die Spur auf Weisung aus Justiz- oder politischen Kreisen unterbunden worden sein? A propos Politik: Diese Woche rückte Harpes den Namen des mittlerweile verstorbenen CSV-Abgeordneten und langjährigen CSV-Generalsekretärs (1984-1995) Willy Bourg ins Rampenlicht. Vom Geheimdienst wisse er, dass dieser u.a. mit dessen Bruder Charles Bourg einen Lauschangriff auf ihn organisiert habe. Merke: Charles Bourg war eigentlich als Operationschef in der Gendarmerie die rechte Hand von Colonel Harpes. Gab es diese Aktion und wenn ja, wozu sollte sie gut sein? In der Antwort auf diese Frage mag der Schlüssel dafür liegen, weshalb die Affäre „Bommeleeër“ jahrzehntelang auf der Stelle trat und wer genügend Macht hatte, dafür zu sorgen. Das Gericht wird die „hoch gestellten Persönlichkeiten“ noch im Zeugenstand bearbeiten. Wobei auch die sich ändernden politischen Machtverhältnisse im Land dazu beitragen, dass in naher Zukunft der Bleideckel auf der Staats-Affäre definitiv zerspringt.