CARSTEN KLUDE

Jahr für Jahr dasselbe Spiel: Immer, wenn der Internationale Währungsfonds (IWF) im Oktober seinen „World Economic Outlook“ präsentiert, gibt es lange Gesichter. Doch dieses Mal gibt es einige Lichtblicke.

Obwohl die neuen Prognosen des IWF für sich genommen darauf hindeuten, dass sich an der Lethargie der globalen Konjunktur auch im nächsten Jahr grundsätzlich nichts ändern wird, gibt es dennoch einige positive Entwicklungen zu beobachten. Vor allem in den Schwellenländern tut sich etwas. Nachdem diese Ländergruppe in den drei Jahren nach der Finanzkrise mit Wachstumsraten von fünf bis sieben Prozent das globale Wirtschaftswachstum maßgeblich unterstützt hatte, nahm die Wachstumsdynamik in den Folgejahren kontinuierlich und deutlich ab. Hierfür spielten zum einen die rückläufigen Rohstoffpreise, zum anderen aber auch viele hausgemachte Probleme eine wichtige Rolle.

Mittlerweile geht es bei diesen Ländern aber wieder aufwärts. Hierfür spielen vor allem die etwas höheren Öl- und Rohstoffpreise eine entscheidende Rolle. So hat sich der Angebotsüberhang bei Rohöl mittlerweile zurückgebildet. Da sich der Ölmarkt auf ein neues Gleichgewicht zubewegt, ist der Ölpreis seit Mitte Februar wieder angestiegen. Sollten sich die OPEC-Länder tatsächlich auf die Kürzung ihrer Förderquoten einigen (und diese dann auch umsetzen), könnte der Ölpreis weiter ansteigen. Ein Ölpreis zwischen 50 und 70 US-Dollar sollte für die gesamte Weltwirtschaft per Saldo positiv sein, weil der potenziell nachfragedämpfende Effekt in den Verbrauchsländern geringer ausfallen dürfte als der angebotsfördernde Effekt in den Produktionsländern.

Diese zuversichtliche Einschätzung für die weitere konjunkturelle Entwicklung in den Schwellenländern spiegelt sich in den OECD-Frühindikatoren wider: Diese haben sich in den vergangenen Monaten sehr deutlich in Brasilien, aber auch in Russland und Indien nachhaltig verbessert. In China ist eine moderate Aufwärtsbewegung des Indikators zu verzeichnen, die darauf hindeutet, dass der Transformationsprozess der Volkswirtschaft weg von der Industrie und hin zu den Dienstleistungen auf guten Wege ist. Bestätigt wird dieses Bild durch die monatlichen Einkaufsmanagerindizes, die sich in diesen Ländern ebenfalls erholt haben.

Von daher halten wir es für wahrscheinlich, dass die 2017er Wachstumsprognosen des IWF für die Schwellenländer tendenziell zu skeptisch ausgefallen sind. Während wir die Prognose eines Wirtschaftswachstums von 4,2 Prozent in diesem Jahr für plausibel halten, gehen wir davon aus, dass sich das Wachstum 2017 auf deutlich mehr als die vom Währungsfonds erwarteten 4,6 Prozent belaufen wird. Etwas mehr als fünf Prozent halten wir für erreichbar. Stimmt diese Einschätzung, dürften auch die Industrieländer von dieser Entwicklung profitieren - insbesondere diejenigen, die über enge Handelsbeziehungen zu den Emerging Markets verfügen. Alles in allem sehen wir also für das nächste Jahr gute Chancen, dass das globale Wachstum den höchsten Wert seit 2011 erreichen kann.

Die Warburg Gruppe

Experten im Private Banking

Die 1798 in Hamburg gegründete M.M.Warburg & CO ist eine der großen Privatbanken in Deutschland. Das Bankhaus ist Kern der M.M.Warburg & CO Gruppe GmbH, zu der am Standort Luxemburg die M.M.Warburg & CO Luxembourg S.A., gegründet 1987, sowie die Kapitalverwaltungsgesellschaft Warburg Invest Luxembourg S.A., gegründet 1989, zählen. Beide Häuser verwalten rund 295 Sondervermögen mit einem Gesamtvolumen von über 20 Milliarden Euro. Das verwahrte Kundenvolumen liegt bei rund 7,2 Milliarden Euro (Stand: 30. Juni 2016).