LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Model und Fotografin: Leslie Schmit kennt beide Seiten und hält nichts von Castingshows

Leslie Schmit (26) aus Beles studiert Medienwissenschaften und Japanologie an der Universität Trier. In ihrer Freizeit ist sie nicht nur selbst als Fotografin unterwegs, sondern steht auch regelmäßig als Model vor der Kamera. Warum sich Modeln und Fotografieren gut ergänzen, hat Leslie uns bei einem Treffen verraten.

Wie bist Du zum Modeln gekommen?

Leslie Schmit Als ich ungefähr 18 Jahre alt war, habe ich ein paar Fotos, die ich mal geschossen hatte, auf einer Fotoseite gepostet. Daraufhin hat mich ein Fotograf kontaktiert und mich gefragt, ob ich nicht selbst Lust auf ein Shooting hätte. Von da an hat sich das Ganze irgendwie von selbst entwickelt. Sobald du online präsent bist und dein Name auftaucht, kommen Anfragen von links und rechts. Mein erstes Shooting war ein ganz normales Studioshooting bei einem Fotografen in Düdelingen. Ich war damals echt nervös. Ich stand vor der Kamera, war das Zentrum von allem und musste mich echt um einen guten Gesichtsausdruck bemühen. Mittlerweile muss ich darauf nicht mehr achten, das geht automatisch. Ich war zu Beginn wirklich sehr scheu, Modeln hat mir echt geholfen selbstbewusster zu werden. Du bist total exponiert vor dem Fotografen und jedem, der zuschaut, verstecken geht nicht!

Hast Du Modeln gelernt?

Leslie Da ich selbst auch fotografiere, habe ich schon ein gewisses Feeling dafür, wann etwas auf einem Foto gut aussieht und wann nicht. Im Großen und Ganzen heißt es hier aber auch: learning by doing! Wenn eine Pose anstrengend ist und weh tut, sieht es nachher auf dem Foto sicher besser aus, als wenn Du total relaxed bequem irgendwo rumhängst.

Was muss man tun, um hier in Luxemburg Model werden zu können?

Leslie Ich würde sagen, das Beste ist immer noch, einen Fotografen zu kontaktieren, ein paar Bilder zu schießen und diese irgendwo zu publizieren. Es gibt sehr viele Fotografen, die mit der Online-Plattform „Time For Pictures“ arbeiten. Hier kann man auch als absoluter Neuling jemanden anschreiben und ausprobieren, wie man sich bei einem Shooting so anstellt. Sobald Fotos online zu finden sind und Dein Name dabeisteht, werden auch Leute auf dich aufmerksam werden. Wenn Du dann in deren Konzept passt, melden sie sich bei dir. Professionell gesehen läuft das etwas anders. Da musst Du schon mit Model-Agenturen zusammenarbeiten und vor allen Dingen deren Anforderungen entsprechen. Hier in Luxemburg gibt es da noch nicht viele Angebote.

Gibt es bereits größere Projekte von dir?

Leslie Ich bin einmal für eine luxemburgische Designerin auf dem Catwalk gelaufen. Da bin ich aber vor Nervosität fast gestorben. Shootings mag ich lieber. In Metz war ich zum Beispiel einmal bei einem Workshop von Yves Kortum dabei. Ich bin kein Profimodel, es gibt keine riesigen Plakate oder Kampagnen von mir. Man findet mich eher in kleinen Zeitungen oder bei kleineren Werbeaktionen. Auf Facebook habe ich jetzt meine eigene Seite, wo man meine Fotos sehen kann. Es gibt nämlich immer wieder Leute, die an Zusammenarbeit interessiert sind und mich dann via Facebook oder E-Mail kontaktieren. Eine Zeitlang hatte ich auch darüber nachgedacht, professionell zu modeln. Ich weiß aber auch, dass ich nicht den gewöhnlichen Beauty-Standards entspreche: Ich passe nicht in alles rein und habe auch kein perfektes Gesicht. Entweder man mag mich oder man findet mich schrecklich. Ich habe auch keine Lust, mich wie ein Stück Fleisch behandeln zu lassen. Als professionelles Model bist Du eben die Ware, die funktionieren muss. Es ist leider keine wunderschöne freundliche Modelwelt da draußen, wie man sich das vielleicht vorstellt. Ich bleibe lieber beim Hobbymodeln.

Deine Fotos sind oft freizügig, hattest Du nie Hemmungen?

Leslie Am Anfang war das natürlich eher ungewohnt. Ich finde nackte Frauen aber sehr ästhetisch und schaue mir selbst gerne stilvolle Bilder von weiblichen Körpern an. Probleme mit der Nacktheit habe ich mittlerweile aber auch keine mehr. Ich finde sogar, dass ich nackt viel besser aussehe, als mit Kleidern.

Wie verbindest Du das Modeln mit der Fotografie?

Leslie Beim Modeln kann ich wirklich viel fürs Fotografieren mitnehmen. Ich versuche darauf zu achten, wie die Fotografen mit der Kamera umgehen, welche kleinen Tricks sie haben und wie sie ihre Models in Szene setzen. Die meisten Fotografen finden es cool, dass ich selbst auch Fotos mache. Da ergeben sich oft gute Gespräche, und sie zeigen mir dann manchmal auch, wie sie Bilder bearbeiten und wie man die Programme am Besten nutzt, um wirklich das gewisse Etwas des Fotos hervorheben zu können. Da kann ich viel lernen. Andererseits hast Du als Model automatisch mehr Verständnis für den Fotografen, wenn Du selber auch mal hinter der Kamera stehst. Du kannst die Anweisungen meist viel schneller umsetzen und die besseren Posen anbieten.

Was hältst Du von Castingshows à la „Germanys Next Topmodel“?

Leslie Nichts, wirklich einfach gar nichts. 50 Mädchen müssen auf einem Laufband mit High Heels herumlaufen und wer am längsten durchhält, darf dabei sein? Das hat gar nichts mit dem Modelbusiness zu tun, hier steht nur die Show im Vordergrund. Es käme nie ein Fotograf auf die Idee, dir solche Aufgaben zu stellen. Das Einzige, was mir gefällt, sind die Fotoshootings. Da gibt es einige interessante Eindrücke von den schönen Kulissen und den tollen Kleidern. Aber das ganze Drumherum ist wirklich sehr niveaulos, so viele Mädchen werden dort einfach bloßgestellt, das will ich nicht unterstützen.