LUXEMBURG
SVEN WOHL

Unternehmergeist entwickeln lohnt sich nicht nur für die professionelle Zukunft

In der Schule ein Unternehmen entwickeln, gründen und führen: Das klingt nach jeder Menge Arbeit. Doch die Erfahrung, die hier gesammelt wird, könnte wertvoller kaum sein. Wir führten ein Gespräch mit Stéphanie Damgé, der Direktorin von „Jonk Entrepreneuren asbl“, über „Mini-Entreprises“ und Unternehmergeist.

„Die jungen Menschen sollen die Kompetenzen erwerben, die gefragt sind“, Stéphanie Damgé,  Direktorin von „Jonk Entrepreneuren asbl“ - Lëtzebuerger Journal
„Die jungen Menschen sollen die Kompetenzen erwerben, die gefragt sind“, Stéphanie Damgé, Direktorin von „Jonk Entrepreneuren asbl“

Wieso sollte Jugendlichen Unternehmergeist vermittelt werden?

STÉPHANIE DAMGÉ Unsere Mission lautet „apprendre pour entreprendre“. Das reicht über die typischen Fragen des Unternehmertums hinaus: Wir wollen Unternehmergeist vermitteln. Die jungen Menschen sollen die Kompetenzen erwerben, die gefragt sind. Dazu gehören Kreativität, Innovation, eine proaktive Herangehensweise, Verantwortungsbewusstsein und Teamgeist. Auch Anpassungsvermögen und die Fähigkeit, Visionen zu haben, sind hier gefragt. Indem sie Durchhaltevermögen zeigen und an konkreten Projekten arbeiten, können sie diese Kompetenzen bilden und sich auf ihre Zukunft vorbereiten. Dadurch können sie auch die Berufsgruppen für sich entdecken, die sie interessieren. Sie erfahren, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Das bereitet sie nicht nur auf ihre professionelle, sondern auch auf ihre persönliche und soziale Zukunft vor. Es geht darum, Unternehmer des eigenen Lebens zu werden.

Was für einen Einfluss hatte die Corona-Krise?

DAMGÉ Für uns als kleine Mannschaft stellte das eine Herausforderung dar. Mitten im März stehen üblicherweise wichtige Events an, von denen wir leben. Da besuchen wir Lyzeen und die Mini-Unternehmen wollen in dem Zeitraum ihre Produkte verkaufen. Wir haben nicht einfach alle Events annulliert, sondern wir wollten weiter die Jugendlichen erreichen. Nach einer Analyse mussten wir bei den „Mini-Entreprises“ feststellen, dass wir nicht einfach weiter verkaufen konnten. Das hatte natürlich einen Einfluss auf die Verkaufszahlen der Unternehmen. Wir haben dagegen auf Webinare umgesattelt, um die Teilnehmer der „Mini-Entreprises“ weiterbilden zu können. Da haben wir geholfen, ihnen eine Möglichkeit zu geben, weiter an den Projekten zu arbeiten.

Auf der anderen Seite wollten wir unbedingt die Wettbewerbe fortführen. Das ist uns auch digital gelungen. Da haben wir viel hinzugelernt, was die Digitalisierung angeht. Ich glaube, diese Entwicklung wird nicht von kurzlebiger Natur sein, sondern auch unsere Programme beeinflussen.

Welche Tendenzen haben Sie dieses Jahr bei den Produkten und Initiativen bei den „Mini-Entreprises“ festgestellt?

DAMGÉ Was wir dieses Jahr gemerkt haben: Die Qualität ist im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen. Das ist angesichts der aktuellen Situation eine Überraschung. Vielleicht hat dies verschiedene Mannschaften auch dazu angetrieben, Gas zu geben. Auch das Coaching durch Spezialisten aus der Wirtschaft wurde aufgewertet. Anfang des Jahres haben wir Kreativitäts-Camps organisiert, um kreativer an die Projektschaffung herangehen zu können. Die Jugendlichen sehen sich in ihrem Alltag um und fragen sich, wo Probleme sind, für die es noch keine passende Lösung gibt. Das große Thema hierbei ist die Nachhaltigkeit – da kommen viele Ideen seitens der Jugendlichen.

Wieso konnte sich in ihren Augen die „Frëschkëscht“ durchsetzen?

DAMGÉ Die Mannschaft hat während der Corona-Zeit alles gegeben. Sie haben sich in allen Bereichen bewiesen, zum Beispiel im Bereich des Marketings haben sie sich sehr hervorgetan und stets mit Kunden und über Social Media kommuniziert. Sie haben sich gut an die Situation angepasst, als Team garbeitet und sehr engagiert und motiviert über das ganze Jahr viel Arbeit in das Projekt investiert. Es ist unglaublich zu sehen, was in den Jugendlichen steckt.

Unser Interview mit den Machern der „Frëschkëscht“ finden Sie auf tinyurl.com/freschjourn

Zum Wettbewerb

DIE GEWINNER

„Product or Service Award“ von IKO Real Estate Management:
Compost Seat

„Financial Literacy Award“ von Citi Foundation:
LëtzDiscover

„Business Plan Award“ von der „Chamber of Commerce“:
BodyBar

„Marketing Strategy and Campaign Award“ von Cactus:
FrëschKëscht

„Digital Presentation Award“ der „Fédération des jeunes dirigeants d'entreprise“ (FJD):
FrëschKëscht

„BNY Mellon Innovation Award“:
ProtectIt

„Social Entrepreneurship Award“ von Lightbulb:
Flawless

„Green Label Award“ der „Chambre des Métiers“:
Sohtel

„Promotional Video Award“ von Moskito:
ProtectIt

„Public Choice Award“ der POST:
FrëschKëscht

„Dubai World Expo Award“ von ArcelorMittal:
FrëschKëscht

„YouthStart Award“:
ProtectIt

Platz für Großes

Fünf „Mini-Entreprises“ im Interview

Lëtzebuerger Journal

CompostSeat


Wie seid ihr auf eure Idee gekommen? Wie wird das Produkt hergestellt?
GUILLAUME NICKELS Wir hatten Anfang des Jahres viele unterschiedliche Ideen. Doch als ich auf einen Kompost gestoßen bin, dachte ich mir, dass dies mit Blick auf die Nachhaltigkeit keine so schlechte Idee wäre. Dann brachte jeder aus der Mannschaft seine Vorstellungen und Ideen ein bis das Endprodukt stand. Anfangs haben wir noch an einen elektrischen Kompost gedacht, doch den hätten wir unmöglich selbst bauen können. So sind wir schließlich auf das Modell mit den Würmern gekommen. Das hat den Vorteil, dass es nicht stinkt, denn die Würmer kompostieren relativ schnell. Deshalb ist es dann auch kein Problem, den Kompost innerhalb des Hauses zu haben.

Wie sahen die Reaktionen aus?
NICKELS Unsere Klientel ist größtenteils auf Facebook zu finden. Bei jedem Post kriegen wir schnell drei oder vier Bestellungen rein. Das ist gut, denn wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viele Bestellungen erhalten und überfordert werden. Die Reaktionen auf das Produkt waren meistens positiv. Allerdings braucht das Ausprobieren des Kompostes auch seine Zeit, weshalb Feedback auch länger braucht, um uns zu erreichen.

Welche Erfahrungen konntet ihr sammeln?
NICKELS Das Coronavirus war eine Überraschung, weil wir da nicht mehr weiter produzieren konnten. Das geschieht schließlich in der Schule, weil dort auch die Geräte zu finden sind. Wir haben im Gebäude einen Schreiner, der uns coachte und eine weitere Person, deren Studium sich rund ums Kompostieren drehte und uns ebenfalls half. In dieser Hinsicht hatten wir also keine größeren Probleme, außer dass die Produktion ein wenig länger dauert, als angenommen.

www.laml.lu

Lëtzebuerger Journal

Can Duke


Wie seid ihr auf eure Idee gekommen?
DYLAN DENAUW
Der Name „Can Duke“ setzt sich aus zwei wichtigen Begriffen zusammen: Can – die Aluminium-Büchse und Duke – das Großherzogtum. Wir verkaufen Luft. Luft, die wir an unterschiedlichen Orten im Land auffangen. Eine ähnliche Idee in Frankreich hat uns da als Inspiration gedient. Wir wollen so unser Land auf eine witzige Art und Weise präsentieren.

Wie sahen die Reaktionen aus?
DENAUW Einige haben die Idee innovativ gefunden. Als Mini-Entreprise sind wir auch einzigartig, Konkurrenz findet sich innerhalb der Landesgrenzen keine.

Wie wird das Produkt hergestellt?
DENAUW Unser erstes Produkt „Can Duke Original“ geht auf die Geschichte Luxemburgs ein. Wir sammeln hier die Luft auf dem Bockfiels ein. Da kann man die 1.000-jährige blutige Geschichte Luxemburgs mit einem Atemzug verinnerlichen.

Welche Erfahrungen konntet ihr sammeln?
DENAUW Die Corona-Krise hat uns erschüttert. Wir müssen viel mit Marketing arbeiten, um das Produkt zu verkaufen. Das ist nicht leicht bei diesem Produkt. Wir haben erst vor kurzem mit Filmen angefangen. Wir setzen da stark auf das Internet.

www.can-duke.lu

Lëtzebuerger Journal

School of Cards


Wie seid ihr auf eure Idee gekommen?
„SCHOOL OF CARDS“-TEAM Anfangs wollten wir ein ganz neues Kartenspiel entwickeln. Aber das ist sehr schwierig. Deshalb haben wir auf ein altbewährtes Spiel gesetzt, das wir in einen speziell luxemburgischen Kontext versetzt haben. Da wir eine Schule aus dem Norden sind, lag es auf der Hand, nur die Gemeinden aus dem Norden ins Spiel aufzunehmen. So entstand dann auch der Name „Games of Norden“.

Wie sahen die Reaktionen aus?
TEAM Leider konnten wir wegen der Corona-Krise keine normalen Verkaufsstände organisieren. Da fiel uns ein, dass die Gemeinden auch daran Interesse haben können. Da war die Rückmeldung so groß, dass wir eine zweite Bestellung beim Produzenten einreichen mussten.
 
Wie wird das Produkt hergestellt?
TEAM Zuerst haben wir Informationen über die Gemeinden gesammelt. Zeitgleich mussten wir einen Produzenten suchen, den wir uns bei unseren Stückzahlen leisten konnten. Beim Design haben wir uns im Netz informiert und uns Hilfe im Lyzeum gesucht.
 
Welche Erfahrungen konntet ihr sammeln?
TEAM Wir hätten nicht erwartet, dass es so zeitaufwendig ist. Es gibt so vieles, das man wissen muss. Wir haben uns gleich zu Beginn die Arbeit aufgeteilt, weshalb jeder in seinem Bereich hinzulernen konnte. Das Wichtigste ist aber der Teamgeist und das Wissen, dass man aktiv sein muss, um etwas zu entwickeln und erfolgreich zu verkaufen.

Wer eines der letzten Kartenspiele ergattern möchte, kann sich bei schoolofcards@ltett.lu melden

Lëtzebuerger Journal

LetzDiscover


Wie seid ihr auf eure Idee gekommen?
JULES TERRENS
Zu Beginn des Schuljahres haben wir uns entschieden, ein Projekt im Tourismusbereich zu starten. Danach wurde schnell klar, dass wir das Ganze gerne mit einer App kombinieren würden. Bei einigen Brainstorming-Sessions haben wir Ideen gesammelt, bis das Konzept von „LetzDiscover“ entstanden ist.

Wie sahen die Reaktionen aus?
TERRENS Wir glauben, dass die Reaktion allgemein ganz positiv ist, allerdings sind unsere Touren wegen des Lockdown der vergangenen Monate noch nicht operationell. Dies wird sich wahrscheinlich Anfang Juli ändern. Dann werden wir unsere Nutzer um Feedback bitten, um unser Angebot dementsprechend anzupassen.

Wie wird das Produkt hergestellt?
TERRENS Da eine App neu zu entwickeln zeitintensiv ist und auch ein gewisses Know-How erfordert, griffen wir auf einen App-Builder zurück. In unserem Fall war das „GoodBarber“: Ihre Tools haben es uns ermöglicht, die App aus unterschiedlichen Modulen zu bauen und unserem Design anzupassen.

Welche Erfahrungen konntet ihr sammeln?
TERRENS Was uns überrascht hat, ist, dass man bei einem größeren Projekt an vielen Orten innerhalb des Unternehmens gleichzeitig aktiv sein muss. Das bedeutet, man muss gleichzeitig mit den Partnern verhandeln, und dann auch noch den gleichen Tag oder Woche seine App. Durch eine gute Zusammenarbeit innerhalb der Mannschaft konnten wir das erleichtern. Das Wichtigste, das wir alle gelernt haben, ist, dass man an seine Idee glauben muss, denn es ist nicht immer einfach und es kommen schwierige Situationen auf einen zu. Man darf nicht arrogant sein und denken, man wäre unfehlbar.

www.letzdiscover.lu

Lëtzebuerger Journal

bodybar


Wie seid ihr auf eure Idee gekommen?
AMELIE SCHULZE
Wir wussten gleich, dass wir ein nachhaltiges Produkt herstellen wollen. Unser Ziel ist es, etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Wir kannten bereits nachhaltige Seife, mussten aber feststellen, dass es nicht viele nachhaltige Shampoos und Deos gibt.

Wie sahen die Reaktionen aus?
PHOEBE MATON
Maton Die Reaktionen der Kunden waren bisher super. Wir haben bereits Kunden, die schon zum zweiten Mal bestellen, weil ihnen unsere Produkte so gut gefallen. Wir haben auch viele positive Kommentare erhalten.

Wie wird das Produkt hergestellt?
SCHULZE
Unsere Produkte bestehen alle aus umweltfreundlichen und natürlichen Ingredenzien, die wir zusammen in einem „Bain-Marie“ erwärmen und dann in Formen abkühlen lassen. Wir benutzen keine Silikone oder Aluminium, unsere Produkte sind damit vollkommen frei von Schadstoffen. Anfangs haben wir im Schullabor produziert, jetzt stellen wir im Homeoffice her.

Welche Erfahrungen konntet ihr sammeln?
MATON
Für mich war es anfangs schwierig, eine gleiche Einteilung der Aufgaben zu machen. Ich wollte nicht nur delegieren und die Arbeit überwachen, aber gleichzeitig auch nicht alles übernehmen. Ich musste eine Balance finden, indem ich und die anderen Mitglieder ungefähr gleich viel Arbeit hatten. Auch muss man als Chef einer „Mini-Entreprise“ seine Autorität einsetzen, wenn nötig. Jede Entscheidung muss im Interesse des Unternehmens getroffen werden, auch wenn das nicht jedem gefällt. Ein solches Unternehmen zu führen, ist eine Erfahrung fürs Leben. Man schärft Verantwortungsbewusstsein, Teamgeist, lernt, wie man mit anderen interagiert, wird unabhängiger und versteht, wie man mit Geld umgeht. Man muss auch an sein Projekt glauben und davon überzeugt sein, dass das was man tut, etwas bewirken kann.

www.bodybarlux.com