LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Warum Suchtprävention bei Jugendlichen uns alle angeht

Im Mittelpunkt der Präventionsarbeit des „Centre de Prévention des Toxicomanies“ (CePT) steht der Mensch und die Frage, was ihn dazu bewegt, psychoaktive Substanzen, umgangssprachlich Drogen genannt, zu konsumieren. Daraus abgeleitet besteht ein Teil der Arbeit darin, Menschen über psychoaktive Substanzen und deren Wirkungen zu informieren und zu sensibilisieren, erklärt der CePT-Direktor Jean-Paul Nilles im „Journal“-Interview. Entscheidender ist hingegen die Frage nach dem Wie und Warum, das heißt, aus welchen Gründen Menschen zum Beispiel Alkohol trinken oder Tabak oder Cannabis rauchen. Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen ergeben sich Ansätze der Prävention.

Auf Ursachenforschung

„Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Problematisch kann es werden, wenn psychoaktive Substanzen ins Spiel kommen, um diese Bedürfnisse zu befriedigen“, sagt Nilles. Beispiele: Ein Jugendlicher trinkt Alkohol, weil er der Meinung ist, sich nur unter Alkoholeinfluss gut amüsieren zu können. Ein anderer kifft, um sich entspannen zu können. Hier muss man sich unter anderem die Frage stellen: „Warum brauchst du Substanzen, um diesen Zustand zu aktivieren? Warum glaubst du, dass du dich nur auf diese Weise gut amüsieren oder entspannen kannst?“ Es gilt also herauszufinden, warum Menschen, ob jung oder alt, glauben, auf Substanzen zurückgreifen zu müssen, um einen bestimmten Gemütszustand hervorzurufen. Problematisch kann es werden, wenn jemand seinen Konsum nicht mehr infrage stellt, dieser zur Gewohnheit wird und damit die Gefahr zur Sucht entsteht.

Legal heißt nicht frei von Gefahren

Zum Aufgabenfeld des CePT gehört demzufolge auch über die Risiken beziehungsweise über Risikominimierung zu informieren. Zum Beispiel ist nicht selten zu beobachten, dass junge Menschen den Konsum von Cannabis oder Alkohol verharmlosen. Auch wenn für den CePT-Direktor feststeht, dass die große Mehrheit junger Menschen keine Probleme mit Substanzkonsum hat, so gibt es dennoch einzelne Jugendliche, die auf der Suche nach ihren Grenzen „hängen“ bleiben. Daher sei es wichtig, früh genug und immer wieder auf die Wirkung, Folgen und mögliche Risiken hinzuweisen. So etwa auf den Besitz oder den Konsum von Cannabis, der in Luxemburg nach wie vor verboten ist. Wer beim Kiffen erwischt wird, riskiert einen Schulrauswurf oder eine Kündigung am Arbeitsplatz. Abgesehen von weiteren juristischen Problemen, die man sich bei illegalen Drogen einheimsen kann, kann auch der Konsum legal erworbener alkoholischer Getränke zu rechtlichen Schwierigkeiten führen, so beispielsweise dann, wenn man betrunken Auto fährt. Legal bedeutet also nicht frei von Gefahren, gesundheitlichen Schäden und anderen Risiken.

Den Puls vor Ort fühlen

Umso wichtiger ist der Dialog in der Präventionsarbeit. Um etwa mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, um ihnen „den Puls zu fühlen“, reicht es in den Augen von Nilles nicht, nur punktuelle Informationsangebote anzubieten, die als Einzelmaßnahmen nicht sonderlich wirksam sind. Vielmehr braucht es Präsenz des Themas im Alltag der Jugendlichen. Aus diesem Grund ist das Suchtpräventionszentrum aktiv in Schulen, Jugendhäusern, in der Partyszene und auf Festivals. Des Weiteren legt es Wert auf Weiterbildung von so genannten Multiplikatoren, das heißt Fachkräfte wie Lehrer, Betreuer, Erzieher oder Eltern, die tagtäglich junge Menschen erreichen.

Über diese Multiplikatoren kann Suchtprävention zum ständigen Thema werden, weil sie im Alltag der Jugendlichen ansetzen können. Allerdings trage jeder Erwachsene eine Mitverantwortung zur Präventionsarbeit bei Jugendlichen, sagt Nilles, wobei es wichtig sei, die Jugend nicht pauschal zu verteufeln und defizitär zu sehen. Nilles fragt in diesem Zusammenhang nach dem Vorbildverhalten Erwachsener. „Auch wenn Alkohol zu unserer Kultur gehört, müssen wir uns fragen, ob wir Erwachsenen zu allen möglichen Anlässen und gerade jetzt, wo Fastnacht vor der Tür steht, Alkohol trinken müssen, um in Feststimmung zu kommen und ausgelassen feiern zu können.“ Wenn dem so ist, wäre das ein „Armutszeugnis“, quittiert Nilles.


Fragen zum Thema oder zu Beratungs- oder Hilfestellen können an Fro No unter der Nummer (352) 49 77 77-66 oder an frono@cept.lu gerichtet werden. Zusätzliche Informationen auf www.cept.lu