LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Ausbau des Radwegenetzes, Gepäcktransport, Pendelbus: Der „Vëlosummer 2020“ kann kommen

Das Fahrrad erlebt gerade eine Renaissance, die durch die Corona-Krise zusätzlich beschleunigt wurde. Das sagte François Bausch, Minister für Mobilität und öffentliche Arbeiten, gestern bei einer Pressekonferenz zum Thema „Vëlosummer 2020“. „Diese Krise wird sich auch auf unsere Reisegewohnheiten ausüben. Viele Menschen werden ihren Sommer in der Region verbringen, deshalb gilt es, den Tourismus zu fördern und neue Möglichkeiten für Radfahrer zu schaffen“, so Bausch. Die 2019 eingeführte Prämie für den Kauf eines E-Bikes oder Fahrrads sei noch einmal angepasst worden. Mit bis zu 600 Euro darf man rechnen. Die Nachfrage sei extrem groß. 10.000 Anfragen sind bislang beim zuständigen Ministerium eingegangen.

„Navette“ für Radfahrer im Norden

Für den „Vëlosummer 2020“ wartet man mit einer Reihe interessanter Projekte auf. Eine Maßnahme wurde aus der Not geboren: Da während des Sommers am Schienennetz gearbeitet wird und vor allem die Nordstrecke oft gesperrt ist, bleiben die Auswirkungen auf den Radtourismus nicht aus. „Die CFL wird deshalb einen Pendelbus speziell für Radfahrer einsetzen, der täglich von 8.00 bis 20.00 gratis zwischen Ettelbrück und Ulflingen zirkuliert“, informierte Bausch.

Für den Verkehr gesperrt

Die wichtigste Maßnahme betrifft derweil das nationale Radwegenetz. Da der August ohnehin der Monat ist, in dem es am ruhigsten auf den Straßen ist, werden einige Teilabschnitte für den motorisierten Verkehr gesperrt. Mit den „Ponts et Chaussées“ habe man verschiedene Strecken analysiert, die für eine Reihe Maßnahmen zugunsten der Radfahrer in Frage kommen. So sollen wichtige Lücken im nationalen Radwegenetz geschlossen werden, dies zumindest während des Sommers. „Damit geben wir auch einen Vorgeschmack auf den anstehenden Ausbau des Radwegenetz. Wir werden natürlich nicht das ganze Land für die Autofahrer schließen“, unterstrich Bausch. 98 Prozent der Staatsstraßen würden für Fahrzeuge zugänglich bleiben. Auch Anrainer und Busse könnten auf den besagten Abschnitten weiterhin zirkulieren.

„Es handelt sich um besonders interessante und attraktive Abschnitte, wo man ,relax´ Rad fahren kann. Sie werden extrem verkehrsberuhigt“, erklärte der Minister. Selbstverständlich würden die Regeln des „Code de la Route“ weiterhin gelten. 16 Projekte quer durchs Land wurden schließlich vorgestellt, wobei Bausch präzisierte, dass man sie nur mit dem Einverständnis der Gemeinden umsetze. „Es sind Vorschläge, die wir aber gerne vom 1. bis zum 31. August verwirklichen würden“, betonte er. Falls es Einwände gebe, müssten diese bis zum 23. Juni schriftlich vorgebracht werden. Zu den bisherigen 650 Kilometern an Radwegen würden somit zusätzlich 55 Kilometer hinzukommen.

Luxemburg in Etappen entdecken

Für den Aktivtourismus seien die geplanten Maßnahmen von großer Wichtigkeit und würden einen weiteren Baustein im Rahmen der Kampagne „Lëtzebuerg – Dat ass Vakanz!“ und des Relaunch-Plans „restart tourism“ darstellen, sagte Tourismusminister Lex Delles. „Darauf lässt sich mit weiteren neuen Ideen aufbauen. Wir wissen, dass heute neun Prozent der Touristen Luxemburg als Urlaubsziel wählen, um Rad zu fahren. Es bleibt also reichlich Luft nach oben. Luxemburg positioniert sich immer mehr als Land, das mit Aktivtourismus verbunden wird“, hob er hervor. Zusammen mit den regionalen Tourismusverbänden (ORT) sei man aktuell dabei, ganze Packages in diesem Zusammenhang zusammenzustellen.

Ein neuer Dienst wird ab dem 23. Juni in Form eines Gepäcktransports für Radfahrer und Wanderer angeboten. „Ihr Gepäck wird von A nach B transportiert, während sie von Hotel zu Hotel radeln oder wandern und Luxemburg so bequem in Etappen entdecken können“, erklärte der Tourismusminister. Das Angebot ist in diesem Jahr kostenlos nutzbar. Kampagnen, um sowohl den Einheimischen als auch den Touristen das Großherzogtum als Urlaubsziel schmackhaft zu machen, würden gerade ausgearbeitet.

16 Projekte für mehr Vergnügen und Sicherheit

Müllerthal via PC3 und PC2 (16 km)
Die Strecke zwischen Reilandermillen und Grondhaff wird für den Verkehr gesperrt. Schiessentümpel und Heringermillen bleiben für Autofahrer zugänglich. 

Gonderingen – CR129 (0,8 km)
Radfahrer müssen momentan auf der PC2 zwischen Luxemburg und Echternach noch eine Strecke im Mischverkehr in Kauf nehmen, die nun gesichert wird, indem der Durchgangsverkehr umgeleitet wird.

Alzingen – Syren (3,5 km)
Hier handelt es sich um eines der Schlüsselstücke, das bislang fehlt, um die Verbindung zur europäischen Radstrecke „Eurovélo 5“ zwischen Martelingen und Schengen herzustellen.

„Vëloexpresswee Esch-Luxembourg“ (2,5 km)
Bis Herbst 2022 soll dieser neue Radweg Esch mit Luxemburg verbinden. Ein Teilstück führt die Radler im August 2020 sicher über einen Teil des gesperrten CR169 zwischen Leudelingen und Steinbrücken.

Mamer – Schoenfels (10 km)
Ein Teil der Strecke, die man von der Aktion „Alles op de Vëlo“ kennt, wird für den Verkehr gesperrt, so etwa die Straße zwischen Schoenfels und Gosseldingen, um auf die PC15 zu gelangen.

Mondorf – Ellingen (1 km)
Sicherer gestaltet wird der Zugang ab Mondorf zur PC7.

Koedingen – Godbringen (0,5 km)
Die PC5 wird mit Junglinster (PC2) verbunden, indem der CR130 gesperrt wird. Da es sich hier um einen steilen Anstieg handelt, wird sichergestellt, dass die Radfahrer von ihrem Rad steigen und diesen gefahrlos zu Fuß meistern können. Gleichzeitig wird Fels mit eingebunden.

Bettel - Hoesdorf (3,1 km)
Der Mischverkehr-Abschnitt des „PC3 des Trois Rivières“, der Vianden via Echternach mit Schengen verbindet, wird auf der N10 verkehrsberuhigt.

Wilwerdingen – Weiswampach (2,6 km)
Zwischen dem See von Weiswampach und der beliebten Vennbahn wird eine Verbindung über den CR336 hergestellt.

Ettelbrück – Welsdorf (2,8 km)
Ein Stück des CR345 wird für den Durchgangsverkehr gesperrt.

Limpach – Pissingen (1,5 km)
Hier klafft noch eine große Lücke im Radwegenetz (Verbindung zwischen Petingen und Luxemburg). Ein Abschnitt der PC9, die über den CR172 führt, wird Radfahrern vorbehalten sein.

Mensdorf – Übersyren (2,5 km)
Die Lücke im regionalen Radwegnetz wird geschlossen.

Simmern (Septfontaines) – CR110 (Koerich)
Ein Teil des Eischtals wird sicherer gestaltet. Mersch wird besser an die pittoreske PC12 angebunden.

Steinsel – Hunsdorf – Prettingen – Gosseldingen – Mersch (4,1 km)
Zusätzliche Alternativen zur viel genutzten PC15 werden geboten. Während des Lockdown waren dort täglich bis zu 1.500 Radfahrer unterwegs.

Sandweiler - Scheedhaff (1,7 km)
Viel einfacher und schneller soll man mit dem Rad von Sandweiler in die Hauptstadt kommen.

CR233 – Brücke übers Schienennetz (75 m)
Durch eine Sperrung für den Verkehr wird die Verbindung zwischen der Stadt und dem Alzettetal (PC1 und PC 15) sicherer gestaltet. Da es sich hierbei um das einzige Projekt innerhalb einer Ortschaft handelt, liegt die Initiative bei der Stadt Luxemburg.