GASPERICH
DANIEL OLY

Auch im Tierheim in Gasperich sind mehrere Katzen zu Hause und warten auf neue Herr- und Frauchen

Süß und kuschelig oder doch eher schüchtern: Die Reaktion der Katzen im Tierheim in Gasperich variierte stark, und während ein Kater direkt zum Kuscheln herbei gehuscht kam, warteten andere Vierpföter lieber aus sicherer Distanz ab, was der plötzlich aufgetauchte große Kerl wohl im Schilde führen könnte. Herein gelassen haben uns Liliane Ferron und die Pflegerinnen Daniela und Andrea. Sie erklären uns auch, dass die Zahl der Katzen im Asyl von Jahr zu Jahr stark schwankt, mal mehr, mal weniger. „2016 hatten wir zum Beispiel  1.016 Tiere, davon waren 473 Katzen und  543  Hunde. Teilweise sind 30-40 Katzen gleichzeitig bei uns“, weiß Liliane Ferron vom Tierasyl. 2017 waren es 835 Tiere, 369 davon Katzen. Die Umschlagszeit variiere dann auch sehr stark; besonders jüngere Katzen gehen natürlich schneller raus, während es bei schwer vermittelbaren Katzen mal länger dauert, erklärte uns die Pflegerin. Irgendwann seien die  Kapazitäten natürlich erreicht, betonte sie aber auch.

Eine echte Hochsaison für eingehende Stubentiger gibt es indes nicht wirklich. „Im Herbst und Frühling kommen in der Regel die meisten Katzen herein, weil sie Kleine kriegen“, weiß Ferron. „Und das kann sehr, sehr schnell gehen, da Katzen oft mehrere Kleine kriegen.“ Durch neue Umweltbedingungen verschiebe sich der Zeitbereich aber bisweilen;  „wir kriegen auch teilweise Kleine  im Juni und Juli; auch hier gehe die Veränderung im Klima wohl nicht spurlos vorüber“, meint sie. Die Spitzen, etwa zu Weihnachten, wie bei den Hunden, gibt es aber nicht, erklärt Ferron.

Trotzdem landen Katzen häufig aus einem einfachen Grund im Tierasyl in Gasperich: „Katzenhaar-Allergien, die unvorhergesehen dafür sorgen, dass eine Katze nicht bei einer Familie oder einem Menschen bleiben kann“, weiß sie. „Ansonsten sind es hauptsächlich Notfälle, wenn Menschen schwer krank werden und sich nicht mehr um die Tiere kümmern können oder leider versterben.“ Manche Fälle, die zwar gut gemeint sind, aber nicht wirklich gut für das Tier sind, gibt es auch: Wenn vermeintlich „wilde Katzen“ angefüttert und schließlich gefangen werden, landen diese dann auch manchmal im Tierheim– und der eigentliche Besitzer sucht verzweifelt nach seiner Katze.  Manchmal gebe es auch einfach in einem Wurf zu viele Kleine. „Deshalb ist auch bei uns der große Aufruf: Kastrieren und sterilisieren Sie im Zweifelsfall ihre Stubentiger“, meint Ferron.

Worauf achten die Experten denn bei den neuen, angehenden Besitzern? „Zwischen Hund und Katze liegen Welten, da klären wir auf“, meint die Pflegerin Andrea. „Manche denken nämlich, sie könnten spontan herein geschneit kommen und sich dann ebenso spontan entscheiden, welches Tier sie mitnehmen“, weiß auch Ferron. Dass es prinzipielle Unterschiede gibt und die Pflege und Bedürfnisse ganz andere sind, muss dann erst erklärt werden. „Besonders gilt bei uns: Tiere als Geschenke sind ein absolutes No-Go, denn Lebewesen verschenkt man nicht“, erklärt sie. „Wir machen höchstens eine Ausnahme, wenn der Beschenkte mitkommt und sich bewusst für die Adoption entscheidet. Denn es ist eine wichtige Entscheidung, und wir müssen sicherstellen, dass sich um das Tier gekümmert wird und die Menschen wissen, was auf sie zukommt“, erklärt sie weiter und bedauert: „Wir haben zu viele negative Erfahrungen gemacht, um leichtfertig Tiere zu vergeben.“

Für angehende neue Besitzer stelle sich daher zuerst die Frage, ob es sich um eine Hauskatze oder eine Freigängerkatze handelt. „Das muss vorab geklärt sein, besonders bei der Adoption. Deshalb stellen wir auch vorab wichtige Fragen zur Wohnsituation“, meint Ferron. Im Zweifel rate das Tierheim dann dazu, kleine Katzen zu nehmen, damit diese sich im Notfall als Hauskatze gewöhnen.  Denn wenn eine Katze erst einmal an Freilauf gewohnt sei, sei es sehr schwer, sie vom Gegenteil zu überzeugen. „Sonstiges Vorwissen ist zwar nicht zwingend nötig, aber überaus praktisch“, meint die Pflegerin. „Ansonsten helfen wir mit wichtigen Tipps und Hinweisen.“ Zum Beispiel, dass selbst Hausbesitzer mit größerem Garten ihre Katze erst mal nur im Haus halten sollen, damit sie sich an das neue Umfeld gewöhnen und den Weg zurück finden kann. Ansonsten tun sie sich sehr schwer, wissen die Tier-Experten.

 

Tierasyl Gasperich: 80, rue Wolfgang-Amadeus Mozart, Luxembourg - Telefon: 48 13 13-1 - www.deierenasyl.lu