LUXEMBURG
MARCO MENG

LuxFlag führt erstes europäische ESG-Label für Investmentfonds ein

Der Bereich der verantwortlichen Investments gewinnt immer mehr an Bedeutung. Nach den Labels „Microfinance“ 2007 und „Environment“ 2011 hat gestern die Luxemburger Zertifizierung-Agentur LuxFlag, 2006 von verschiedenen Akteuren des Luxemburger Finanzmarkts und drei Ministerien gegründet, ihr erstes EGS-Klassifizierungs-Label auf den europäischen Markt gebracht. LuxFlag setzt sich eigener Zielsetzung nach dafür ein, Kapital für nachhaltige Investmentbereiche zu mobilisieren, indem ausgewählte Investmentangebote mit einem erkennbaren Gütezeichen ausgezeichnet werden. Regulierte Fonds, die ihren Sitz in einem europäischen Land oder einem Land mit vergleichbarer Rechtsordnung haben, können sich um das Label bewerben. Verliehen wird die ESG-Zertifizierung, sofern sie die von der Agentur definierten Nachhaltigkeitskriterien bezüglich Umwelt (Environment), sozialer Verantwortung (Social) und Unternehmensführung (Governance) erfüllen. Bereits drei Vermögensverwaltungsgesellschaften haben nach Angaben von LuxFlag einen Antrag auf das neue Label gestellt: OFI Asset Management, Nordea und Sparinvest.

Der luxemburgische Finanzminister Pierre Gramegna erklärt dazu: „Das ESG-Label von LuxFlag ist ein neues Instrument innerhalb der breiten Palette an Initiativen, mit denen die Akteure in der Investmentbranche zu verantwortungsvollen Entscheidungen bewegt werden sollen und die auf die Schaffung einer besseren und nachhaltigeren Zukunft abzielen. Luxemburg als Finanzplatz steht voll und ganz hinter diesem Trend, das belegt auch das neue ESG-Label.“ Dieses unterstreiche Luxemburgs Rolle als europäischer Pionier. Für Gramegna ist eine solche Zertifizierung keineswegs nur ein Aushängeschild, weil „verantwortliche Investments“ gerade populär seien, sondern durchaus auch wirtschaftlich sinnvoll.

Unterscheidungsmerkmal zu anderen Fonds

Für das neue Label müssen Investmentfonds strikte Kriterien bei ihrer Investmentpolitik erfüllen. Anders als die Vereinten Nationen es in ihren Principles for Responsible Investment (PRI) für ihre Zertifizierung festlegt, dass Bedingungen eingeschlossen sein müssen, geht LuxFlag den umgekehrten Weg der Ausschließung. „Diese Fonds bekommen jetzt die Möglichkeit, sich von anderen Angeboten im Markt zu unterscheiden“, erklärt Thomas Seale, Präsident von LuxFlag, die Bedeutung des neuen Labels. Darüber hinaus bekämen Investoren so die Möglichkeit, ihre Investmententscheidungen auf Basis der durch das Label geschaffenen Transparenz zu treffen. Seale weiter: „Bisher gab es kein vergleichbares produktbezogenes ESG-Gütezeichen. Deshalb schließt das ESG-Label von LuxFlag eine Lücke auf dem europäischen Investmentfondsmarkt.“

Nachhaltige Investments erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei Anlegern, wie aus der KPMG-Studie „Responsible Investing Fund Survey“ von 2013 hervorgeht: Das Vermögen der nachhaltigen Fonds hat sich seit 2010 von 197 auf heute 265 Milliarden Euro erhöht.

„Durch die Finanzkrise sah sich die Vermögensverwaltungsbranche mit der Forderung konfrontiert, Mindeststandards und Mechanismen aufzustellen, die die Transparenz und die Glaubwürdigkeit der Finanzindustrie erhöhen“, so LuxFlag.

Die Zahl der von der Agentur mit einem Label ausgezeichneten Fonds hat sich in den letzten beiden Jahren verdoppelt. Die 27 von LuxFlag mit „Microfinance“ zertifizierten Fonds verwalten ein Vermögen von rund 2,8 Milliarden Euro, die mit „Environment“ zertifizierten rund 657 Millionen.