Seit vergangenem Dienstag stehen vier Personen vor dem Bezirksgericht Luxemburg. Unter den Angeklagten auch der heute 50-jährige Ex-Chef der Polizeischule. Der Ex-Polizeischuldirektor ist heute „Commissaire-divisionnaire“ und Chef vom „Budget équipement de la Police“ - was nicht einer gewissen Brisanz entbehrt. Die Staatsanwaltschaft wirft den vier Beschuldigten vor, zwischen 2007 und 2010 Arbeitsstunden während einer Ausbildung in der Polizeischule falsch verrechnet zu haben. In der Regel waren es zwanzig Schüler, die an diesen Kursen teilnahmen. Ferner brauchte man auch mindestens zwei Statisten. Das war auch der Grund, warum hier eine Dame einsprang, um fehlende Personen zu ersetzen. Laut Aussagen der Angeklagten sollen die Arbeitsstunden der Frau des Organisators zusätzlich zu dem Lohn eines Polizisten berechnet worden sein. Der Polizist hat auf den vollen Betrag Steuern gezahlt. So brauchte die Statistin keine Steuern und Sozialversicherungskosten zu bezahlen. Das nicht ordnungsgemäß versteuerte Geld wurde zweimal im Jahr abgerechnet. Nach der Abrechnung wurde der Frau telefonisch mitgeteilt, dass sie ihren Lohn abholen könne und zwar steuerfrei. Es soll sich mindestens um eine Summe von 6.600 Euro handeln. Während die Frau und zwei andere Angeklagten die strafbare Handlung offen zugegeben haben, zeigt sich der Ex-Polizeischuldirektor nach wie vor nicht geständig.
Durch Zufall aufgefallen
Auf die Spur der Unregelmäßigkeit war laut zuständigem IGP-Ermittler Hatto der künftige Polizeigeneraldirektor Philippe Schrantz durch einen Zufall gestoßen 2010 hatte Schrantz in seiner damaligen Funktion als Personaldirektor die Zahlungen kontrolliert. Grund für die Kontrolle war, dass die Polizei einschneidende Sparmaßnahmen beschlossen hatte. Schrantz wäre ein irregulärer Betrag von 2.000 Euro für „Kurse“ im April 2010 aufgefallen. Weitere Angaben zu dem Betrag gab es aber nicht. Als sich nach dem Vorfall einer der Angeklagten bei Schrantz gemeldet hatte, um ihm mitzuteilen, es wäre ihm ein Fehler unterlaufen, entdeckte Schrantz weitere Ungereimtheiten.
Laut IGP-Ermittlungen hätte einer der Angeklagten den Ex-Chef der Polizeischule irgendwann einmal drauf angesprochen und gefragt, ob die besagte Statistin nicht für ihre Dienste als Statistin bezahlt werden könnte. Der Polizeischuldirektor sei damit nicht einverstanden gewesen und hätte gemeint, sie würde das freiwillig, also umsonst machen. Schrantz, der in seiner damaligen Position auch für die Lohnverwaltung zuständig war, hat in seiner Zeugenaussage zu Protokoll gegeben, dass das Budget der Polizeischule eine Weile stark angewachsen wäre, woraufhin er sämtliche Auszahlungen von insgesamt sechs Monaten einer gründlichen Überprüfung unterzogen hätte, ehe einer der Angeklagten ihm gesagt hatte, es würde mehr hinter dieser Sache stecken.
Me Molitor ist der Verteidiger des beschuldigten Ex-Polizeischuldirektors. Er forderte schon am vergangenen Dienstag, dass die Sekretärin der Polizeischule mit angeklagt werden müsse, denn sie wäre die Autorin einer Fälschung, so der Anwalt. Der Antrag wurde von den Richtern als unberechtigt abgelehnt. Die Sekretärin, die als Zeugin vor Gericht aussagen musste, hat die abgegebene Erklärung des Ex-Chefs der Polizeischule zum Tatbestand bestritten. Sie gab zu Protokoll, dass er wohl damit einverstanden war, die angeklagte Frau als Statistin gegen Bezahlung an den Kursen mitmachen zu lassen. Die Vorsitzende Richterin redete dem Ex-Polizeischuldirektor gestern ins Gewissen „Die Frau war nicht sozialversichert. Hätte sie bei dem Rollenspiel einen Unfall erlitten, dann hätte die Polizeihierarchie schlecht ausgesehen. Das Ganze sieht zumindest nach Vetternwirtschaft aus“, sagte Sylvie Conter.
Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt


