WOLFSBURG
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Abgas-Manipulation lässt Aktienkurs einbrechen - VW-Chef Winterkorn gelobt Aufklärung

Im Abgas-Skandal bei Volkswagen will Vorstandschef Martin Winterkorn durchhalten - die Affäre um manipulierte Testwerte bei Dieselwagen trifft den Konzern aber ins Mark. Der VW-Chef bat gestern in einem Videoauftritt öffentlich um Entschuldigung für die neue Krise bei Europas größtem Autobauer, er versprach rasche und transparente Aufklärung und Wiedergutmachung. Vorsichtshalber musste VW aber bereits eine Milliarden-Rückstellung bilden und die Gewinnziele für das laufende Geschäftsjahr kassieren.

„Es tut mir unendlich leid, dass wir dieses Vertrauen enttäuscht haben. Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, bei den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten“, betonte Winterkorn. Es wäre falsch, wenn jetzt „wegen der schlimmen Fehler einiger weniger“ die Arbeit von 600.000 Mitarbeitern unter Generalverdacht geraten würde. „Die Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren unseres Konzerns widersprechen allem, für was Volkswagen steht“, sagte der 68-Jährige, über dessen Rücktritt es bereits Spekulationen in Medienberichten gegeben hatte.

Manipulation für elf Millionen Wagen

Infolge der Manipulationen von Abgastests bei VW-Dieselautos in den USA war der Druck auf Winterkorn zuletzt stark gestiegen. Die Wolfsburger hatten zugegeben, dass es weltweit Unregelmäßigkeiten bei rund elf Millionen Fahrzeugen gibt.

Wegen des Skandals muss Volkswagen Milliarden zurücklegen. Auch den für 2015 angepeilten Gewinn dürften die Wolfsburger nicht halten können. Bereits im dritten Quartal würden etwa 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt, hieß es. An der Frankfurter Börse rutschte die Aktie daraufhin erneut ab - nach Milliardenverlusten schon am Montag.

Angesichts des Ausmaßes will auch die EU-Kommission mit den 28 Mitgliedstaaten mögliche Schritte beraten. Mehrere Regierungen forderten eine Untersuchung auf EU-Ebene. Die in harter Konkurrenz zu den deutschen Autokonzernen stehenden französischen Hersteller unterstützten den Vorstoß. Damit werde deutlich, dass französische Autobauer Vorgaben der Länder respektierten, in denen sie operierten, hieß es beim dortigen Herstellerverband CCFA.

Rücktrittsforderungen werden laut

Am heutigen Mittwoch will sich der innerste Zirkel des Aufsichtsrats bei einem Krisentreffen mit dem Thema beschäftigten, verlautete aus VW-Kreisen. Nur zwei Tage später steht die normale Aufsichtsratssitzung an, auf der Winterkorns Vertrag verlängert werden soll. Angesichts der Dimension der Krise mehrten sich aber auch Stimmen, die persönliche Konsequenzen des Managers forderten. Niedersachsens ehemaliger Wirtschaftsminister Jörg Bode schlug eine Verschiebung der Vertragsverlängerung für Winterkorn vor. „Solange nicht lückenlos aufgeklärt ist, wer im Konzern von den Manipulationen wusste und vom wem sie angeordnet wurden, sollte hier keine Entscheidung gefällt werden“, sagte Bode, der selbst von 2009 bis 2013 Mitglied des VW-Aufsichtsrates war.

Nach VW-Angaben ergaben Untersuchungen im Konzern, dass es die betreffende Steuerungssoftware auch in anderen Diesel-Autos außerhalb der USA gebe, wo Ermittlungen der Umweltbehörde EPA den Fall ins Rollen gebracht hatten. Bei Tests in den USA war festgestellt worden, dass einige VW-Diesel-Modelle auf dem Prüfstand deutlich geringere Abgaswerte anzeigten als im normalen Fahrbetrieb auf der Straße.

Tatsächlich sind Grenzwerte für den Abgas-Ausstoß bei Diesel-Autos - dem Klimasünder-Image Amerikas zum Trotz - in den USA strikter als in Europa. Dabei weichen die Vorschriften in einzelnen US-Bundesstaaten jedoch voneinander ab, so dass die Ermittlung von Durchschnittsangaben etwa zu Stickoxiden schwierig ist. Kalifornien beispielsweise gilt international als Vorreiter mit besonders strikten Abgasregeln.

Ende des Dieselmotors?

Neben einem Imageverlust drohen VW allein in den USA Strafzahlungen von bis zu 18 Milliarden Dollar, Rückrufkosten, strafrechtliche Folgen sowie mögliche Regressansprüche enttäuschter Kunden und Aktionäre.

Auch in anderen Absatzmärkten rührte sich Misstrauen. Südkorea will ab Oktober Sondertests für VW bei Modellen der Marken Volkswagen und Audi durchführen.

Der Greenpeace-Verkehrsexperte Daniel Moser meinte: „Offensichtlich kann VW nur mit gefälschten Werten die tatsächliche Gesundheitsgefahr von Dieselmotoren kaschieren.“ Er forderte: Statt gesundheitsschädliche Dieselmotoren noch immer mit unglaublichen Milliardenbeträgen zu begünstigen, müsse die Regierung endlich effektiv die Bevölkerung schützen.