ADDIS ABEBA/LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Unternehmersorgen in Afrika unterscheiden sich nicht sehr von denen hier

Die äthiopische Version eines Gewerbeparks ist etwas abenteuerlich: Über ein Treppenhaus, in dem die Fenster fehlen, geht es in einem Innenhof in den zweiten Stock eines Gebäudes. Hier logiert das „Hayelom und Aster Garment Partnership“. Das Unternehmen stellt Kleidung her: Uniformen, Dienstkleidung, Kittel und vieles mehr. Gegründet hat es 2012 das Ehepaar Hayelom Kidanu und seine Frau Aster Tesfaye. Kidano hatte zuvor im Jemen zehn Jahre lang in der Textilindustrie gearbeitet. So lernte er nicht nur nähen, sondern auch den Markt verstehen. Zurück in Äthiopien gründete der heute 40-Jährige mit seiner 32 Jahre alten Frau, mit der er drei Kinder hat, das Unternehmen mit einem Startkapital von rund 6.600 Euro. Bei Zinsen von etwa sieben Prozent, wie sie in Äthiopien üblich sind, ist die Kapitalaufnahme nur eines von vielen Problemen. Kapazitätsgrenzen, die die Teilnahme an Ausschreibungen verhindern, begrenzte Produktangebote, schwankende Märkte und mangelnde Qualität gehören dazu. Die Sorgen klingen für viele Unternehmer auch hier vertraut.

Nationale Ausschreibungen gewonnen

Aber das Ehepaar ist stolz: Sie verfügen über rund eine Million Euro Unternehmenskapital und beschäftigen 85 Mitarbeiter, dazu noch 35 Zeitarbeitskräfte. 47 Prozent der Mitarbeiter sind Frauen. Die Wachstumsaussichten sind gut, wie sie Besuchern der Europäischen Investitionsbank an diesem Tag versichern.
Sie erzählen, wie sie mit geleasten und gekauften Maschinen zwei von drei nationalen Ausschreibungen für Uniformen der Universität und eines städtischen Sicherheitsdienstes gewonnen haben. Auch Dienstkleidung und Schulkleidung gehört zu ihrem Angebot. Dabei half auch das Geld der Europäischen Investitionsbank. „Wir mussten allerdings sechs Monate warten, bis wir den uns zuvor versprochenen Platz für die Maschinen erhalten haben“; berichtet Aster Tesfay. „Einige Maschinen können wir aus Platzmangel noch nicht auspacken, sondern müssen 30 Dollar pro Tag für die Unterbringung in einem Container zahlen.“ In einem Land, in dem Devisen gefragt sind, ist das doppelt hart.
Die EIB finanziert einen Teil des wachsenden Textilanbieters, der rund tausend Uniformen täglich auf 30 Nähmaschinen fertigt. Ambroise Fayolle, der Vizepräsident der EIB, hört sich ebenso wie Programm-Chefin Maria Shaw-Barragan an, was die Unternehmensleiter vorhaben. Sie wollen mehr Näh-, aber auch Stickmaschinen anschaffen.

Regelmäßige Projektbesuche

Shaw-Barragan ist als EIB-Direktorin zuständig für den Bereich „Global Partners“ und 133 Länder. Sie fördert gezielt Frauen und Mikrofinanzprojekte. „In vielen Staaten in Afrika gibt es eine starke Entwicklung. Da gibt es Vorreiterlösungen sowohl im technologischen als auch im produktiven Bereich. Dank der Unterstützung durch die EU können wir auch Geld in lokaler Währung verleihen“, erklärt sie, während sie zwischen den Mitarbeitern herumläuft und sich freut, dass die EIB den Kredit für die Maschinen gegeben hat. Es ist nicht ihr erster Besuch hier und die Freude über das Wachstum ist ihr anzumerken.
Die EIB-Delegation hört sich den Fünf-Jahres-Plan an, der die Ausweitung der Wertschöpfungskette durch eine Weberei und Färberei vorsieht. Arbeit ist genug da. Schon jetzt wird rund um die Uhr in Schichten gearbeitet. Die Eigentümer erzählen, dass der Strom oft fünf bis zehn Stunden pro Woche ausfällt. Beim Thema Energie ist die EIB in Äthiopien noch nicht aktiv. „In Kenia haben wir ein geothermisches Projekt, so etwas könnte auch hier laufen“; überlegt Shaw-Barragan. „Denn für die Unternehmen ist das ein großes Problem.“ Vielleicht gibt es schon beim nächsten Besuch Konkretes. Dann befindet sich das Textilunternehmen vielleicht schon woanders. „Denn hier wird der Platz zu eng“, versichern die Gründer.