SIPHANDON/DON DET
YANNIS BASTIAN/LJ

Seit September 2014 erradelt Yannis Bastian die Welt: Sein Erlebnisbericht aus Laos (2)

Fünf Kontinente auf zwei Rädern: Das hat sich der Luxemburger Yannis Bastian zum Ziel gesetzt, als er im September 2014 die Grenzen Luxemburgs hinter sich ließ. In Teil 1 seines Reiseberichts aus Laos, haben wir gestern angsterfüllte Nächte mit dem 31-Jährigen durchlebt. Heute begleiten wir ihn auf der schwierigen Suche nach einem geeigneten Zeltplatz und schließlich auf 4.000 Inseln, beziehungsweise eine davon.

Abseits der ausgetrampelten Pfade

Das an einem der zahlreichen Essensstände gekaufte zweite Frühstück besteht meist aus einer Nudelsuppe oder einer Portion „khao niau“ (klebriger Reis), bevor ich dann mittags viel Mut und Überwindung aufbringen muss, um das soeben noch offen in der Sonne liegende und fliegeninvasierte Rinds- oder Schweinefleisch mit Reis zu mir zu nehmen. Erstaunlicherweise schmeckt es immer wieder köstlich.

Mit einem erneut dichter gewordenen Abenteuerfell wische ich mir die durch die erbarmungslos drückende Mittagssonne ausgelösten Schweißtropfen von der Stirn. Am späten Nachmittag folgt die schwerste Aufgabe des Tages: die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz, auf flachem, unbewachsenem Terrain, abseits der Straße, geschützt vor neugierigen Blicken und jagenden Bauern. Diese für Südostasien doch sehr hohen Ansprüche lassen mich meist erst spät nach Einbruch der Dunkelheit fündig werden. Die häufig aus der Not heraus gewählten Plätze stellen sich für gewöhnlich als die schönsten heraus.

Den Campingkocher habe ich seit Europa nicht mehr ausgepackt. In Südostasien wird für mich gekocht, und so genieße ich jeden Abend nach dem Zeltaufbau ein kurz zuvor geholtes Reisgericht, das mir für wenig Geld und mit einem großen Lächeln an einem der Straßenstände in die Hand gedrückt wurde.

Mit blinden Passagieren unterwegs

In Laos schlafe ich nie alleine. Meine Mitbewohner lerne ich aber meistens erst am nächsten Morgen kennen, wenn das Anheben der von ihnen durchlöcherten Zeltunterlage ihre Anwesenheit verrät: Millionen von Termiten und Ameisen lassen die Erde leben, bewegen sich ganz aufgebracht als gut geordnete Armee in unzähligen Adern auf der gerade vom Schatten befreiten Stelle. Während die Termiten sich recht schnell wieder verkriechen, lassen die Ameisen sich meist nur schwer aus den Fahrradtaschen und dem Zelt entfernen, und fahren oft einen ganzen Tag als „blinde Passagiere“ mit bis zum nächsten Zeltplatz.

Vor knapp einer Woche wurde mir eine zweiwöchige Aufenthaltsbewilligung für Laos in den luxemburgischen Pass gestempelt. Aus Zeitgründen lasse ich das am Mekong gelegene Pakse mit seinen touristischen Attraktionen, wie Delfinbeobachtungen und Kajaktouren links liegen und fahre auf direktem Weg nach Siphandon.

Siphandon - „4.000 Inseln“ - ist ein kleines Gebiet an der kambodschanischen Grenze und besteht, wie der Name es schon sagt, aus vielen kleinen, vom breiten Mekong geformten Inseln und Sandbänken. Auf einer dieser Inseln, die in vielen Reiseführern als idyllisch und zeitlos beschrieben werden, will ich meinen sehr kurzen Aufenthalt in Laos ausklingen lassen.

Idyllisch und zeitlos, fernab der touristischen Attraktionen

In Nakasang lade ich mein Fahrrad auf ein kleines Fischerboot, die Packtaschen knapp über der Wasseroberfläche hängend. Unter lautem Rattern des Motors bringt mich das stark schwankende Boot zur Hauptinsel Don Det. Wasser spritzt in mein Abenteuerfell. Ich kann die Nässe kaum spüren. Genauso wie die Angst, das Unwohlsein und die Schüchternheit setzt sie sich auf meinem Körper ab, um dann als dichtes Fell zu gedeihen.

Hier auf Don Det gibt es nur eine Straße, die einen vorbeibringt an den wenigen Restaurants, Tour-Anbietern und Bungalows. Letztere sind ganz oft nur aus Brettern zusammengenagelte, spartanische Hütten, die den hier lebenden Fischern als Nebeneinkunft dienen und den Touristen für einen sehr niedrigen Preis angeboten werden. Das häufig im Zimmerpreis mit enthaltene Frühstück soll dabei über löcherige Wände, schimmelnde Bäder und nicht vorhandene Moskitonetze hinwegtrösten.

Auf der Suche nach einer solchen Unterkunft lerne ich zwei Belgier kennen. Marion und Etienne sind vor einigen Wochen mit dem Fahrrad in Singapur gestartet und versuchen über Laos und China zurück nach Europa zu fahren. Die nun gemeinsam fortgesetzte Unterkunftssuche führt uns über die historische „French Bridge“ auf die Nachbarinsel, wo wir schnell verhältnismäßig günstige und saubere Zimmer finden.

Beim Abendessen in einem der nahe gelegenen, sehr guten Restaurants tauschen wir Erfahrungen und Geschichten unserer bisherigen Reise aus. Es ist ein sehr schönes Gefühl, sich mit Menschen zu unterhalten, die nicht nur die gleiche Idee des Reisens, sondern auch die gleiche Lebensansicht teilen.

Bereit für die Weiterreise nach Kambodscha

Don Det stellt sich ganz schnell als Tourenradfahrer-Paradies heraus: Belgier, Niederländer, Franzosen, Koreaner, Australier. Zeitweise drängen sich mehr als zwanzig Radreisende auf dieser doch recht überschaubaren, kleinen Insel. Während sich Marion und Etienne nach einigen Tagen wieder auf den Weg Richtung Norden machen, nutze ich die letzten Tage um die schmalen Pfade, Flüsse und Wasserfälle zu erkunden. Ich profitiere von der letzten Möglichkeit, mein Abenteuerfell weiter wachsen zu lassen und es für meine Weiterreise in Kambodscha zu pflegen und zu bürsten.

Abenteuer lassen sich nicht zähmen wie ein wildes Pferd. Das Abenteuer ist in uns. Wir sind das wilde Pferd. Und jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er vor dem Leben davonläuft oder im freien Galopp mit dem Abenteuer mitreitet.

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Maskottchen Poldi fährt mit

Seit kurzem hat Weltumradler Yannis Bastian einen neuen Begleiter: Poldi, das plüschige Maskottchen der „Fondatioun Kriibskrank Kanner“, fährt mit. Der Luxemburger trägt das Anliegen der Stiftung in die Welt und sammelt Spenden. Der Link zur „Fondatioun“ ist seit einiger Zeit fester Bestandteil seiner Facebook- sowie Webseite. Unterwegs verkauft Yannis außerdem kleine selbstgemalte Bilder und spendet den Erlös. Noch dazu überweist sein Vater zehn Cent pro gefahrenen Kilometer.

Fondatioun Kriibskrank Kanner: BILLLULL LU17 0028 1408 4840 0000 / Vermerk: „Yannis‘ World Cycling Adventure“ / www.fondatioun.lu

Verfolgen Sie Yannis‘ Blog: www.yanniswca.com oder www.facebook.com/yannisworldcyclingadventure