LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Der Ausbau des Kirchbergs schreitet voran - Ziele und Grundsätze bleiben unverändert - Fonds beginnt mit Planungen für eine massive Ausdehnung nach Norden

Bauen ist eine langfristige Sache, der Aufbau eines kompletten Stadtviertels verlangt nach einer Planung über Jahre, manchmal über Jahrzehnte hinweg. Was auch mit sich bringt, dass eine Stadtentwicklungsgesellschaft wie der Fonds de Kirchberg nicht unbedingt jedes Jahr knallige Neuigkeiten vorstellt, die Jahresberichte gleichen sich zwangsläufig. Was beim - deutlich kleineren - Ban de Gasperich im Großen und Ganzen nur ein Jahrzehnt dauert, läuft beim Kirchberg Plateau seit den 1960ern, zuerst schleppend und in den letzten Jahren mit einer verblüffenden Dynamik.

Anhaltende Dynamik

Was sich am deutlichsten geändert hat, ist die Mobilität. Stichtag für die endgültige Zeitenwende wird der 10. Dezember sein. Von da an sollen tausende von Arbeitnehmern per Zug, via Bahnhof Pfaffenthal und der dortigen Standseilbahn (Kapazität: 6.000 Personen/Stunde) zur Trambahnstation am Beginn der Avenue Kennedy gebracht und von dort aus per Straßenbahn auf dem Kirchberg-Plateau verteilt werden. Von diesem Zeitpunkt an werden die Zeiten für Autofahrer auf dem Kirchberg härter. Zu den vorhandenen wenigen Fußgängerüberwegen kommen ein gutes Dutzend neue hinzu, einige mit Ampeln. Die bisher gültige Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h auf einigen Abschnitten der Avenue Kennedy wird auf generelle 50 km/h gesenkt. Die Parkplätze, die auf der Seite der Tramtrasse weggefallen sind, werden nicht ersetzt, auch die auf der Südseite werden reduziert

Im letzten Jahr wurde die Zahl der zukünftigen Bewohner des Viertels noch mit 16.000 angegeben, jetzt geht man von - mindestens - 20.000 aus. Sechsmal so viel wie heute. Wobei sich die Zahl der Arbeitsplätze nicht ganz verdoppeln wird, langfristig auf 60.000.

Wohnen auf dem Kirchberg

Jahrzehntelang stand der Ausbau als Bürostadt im Vordergrund, seit wenigen Jahren konzentriert man sich beim Fonds de Logement auf den Wohnungsbau und den Ausbau der Lebensqualität. So entsteht aktuell an der Porte de l’Europe eine Kombination aus Shoppingcenter (3.500 Quadratmeter), einem Büroturm von 6.500 Quadratmetern und einem doppelten Wohnturm mit 170 Wohnungen. In die Kategorie Lebensqualität fallen auch die Pläne für ein „Mama Shelter“- Hotel neben dem Novotel Kirchberg. Für das Wohnviertel Grünewald ist auch ein zentraler Platz mit einem weiteren Hotel in Planung.

Auf Wunsch des Wohnungsbauministeriums und der Stadt Luxemburg führt der Fonds Vorplanungen für eine im Norden gelegen Ackerflächen durch. Das Gelände unter dem Namen „op der Schleed“ liegt westlich des RTL-Sitzes, ein Teil etwas südlicher, westlich des Viertels Kiem. Dort geht es um eine reine Wohnbebauung - inkl. Schule - auf einer Fläche von rund 62 Hektar, von den 38 Hektar bereits im Besitz der öffentlichen Hand sind. Unter anderem soll das Michael Lucius-Lyzeum dorthin umgesiedelt werden.

Bedenken, dass der immer weiter wachsende Kirchberg irgendwann einen Verkehrskollaps erleidet, teilt Infrastrukturminister François Bausch nicht, das Viertel werde über einen außerordentlich leistungsfähigen öffentlichen Personentransport verfügen und dabei urban, statt autogerecht sein.