ANDRÉ BAULER

Seit der Veröffentlichung demografischer Prognosen von Eurostat vor rund zwei Jahren, die von einer Einwohnerzahl in Luxemburg von 1,1 Millionen im Jahr 2060 ausgehen, hat die Debatte um die künftige Entwicklung des Landes an Fahrt aufgenommen. Aber auch die Rifkin-Studie und die Landesplanungsreform hat dieser Diskussion Auftrieb verliehen. Wohin soll die Wachstumsreise also gehen? Einige Gedanken von André Bauler, Wirtschaftswissenschaftler und Abgeordneter.

„Wachstum soll die Lebensqualität und die Arbeitsbedingungen der Menschen verbessern. Es muss zu technologischen Veränderungen führen, die unser Wirtschaftssystem so umbauen, dass es weniger Ressourcen verbraucht und die Umwelt weniger belastet. Nur dann ist Wachstum wirklich sinnvoll. 

Wachstum soll also den Menschen und deren Wohlbefinden dienen. Deshalb darf es sich nicht auf eine bloße Steigerung des Bruttoinlandproduktes (BIP) beschränken.

Wachstum ist eben nicht gleich Wachstum. Oft ist die Rede von einem qualitativen, intelligenten oder gesteuerten Wachstum. Qualitative Verbesserungen an unserem Produktionsapparat oder ressourcenschonende Innovationen: All dies bedeutet auch Wachstum, eben ein nachhaltiges Wachstum. 

Die zentrale Frage ist daher folgende: Wie können wir, besonders in einem kleinen Land wie Luxemburg, so wachsen, dass wir unsere Natur weniger belasten, unsere Landschaften nicht weiter zubauen und unsere Mobilitätsprobleme entschärfen? 

Verantwortlich handeln heißt, den Wachstumsprozess beeinflussen zu können. Wir brauchen ein intelligentes und inklusives Wachstum. „Intelligent“ steht u. a. für umweltfreundlich, für eine Steigerung von dem, was ein Arbeitnehmer an Wert schaffen kann, aber auch für transversales Denken und Handeln. „Inklusiv“ steht für die soziale Komponente, sprich eine gerechtere Verteilung der Früchte unseres Wachstums. 

Wir können den Wachstumsprozess nicht trennen von ökologischen und sozialen Fragen. Und umgekehrt: Kein Sozialstaat fußt auf einem wirtschaftlichen Friedhof. 

Als souveräner Standort ist es daher wichtig, attraktiv zu bleiben: Attraktiv für Betriebe, die unseren Reichtum erwirtschaften, aber auch für Firmen, die sich in Luxemburg ansiedeln wollen. In diesem Kontext ist es begrüßenswert, dass die Strategie, mithilfe derer Luxemburg im Rahmen seiner Wirtschaftsmissionen nach neuen Firmen Ausschau hält, verbessert wird. Hier zählt Qualität vor Quantität.

Es lohnt sich, zu fragen, welche Firmen zu einem verantwortlichen Wachstum beitragen können. Dabei soll nicht nur beachtet werden, wie viele Arbeitsplätze wir schaffen können, sondern auch, ob unser Arbeitsmarkt jene Arbeitskräfte hergibt, die tatsächlich gesucht werden. 

Wollen wir unsere Leistungsfähigkeit steigern, sind auch kreative Firmen von fundamentaler Wichtigkeit. Heute schon erreicht die Kreativwirtschaft hierzulande einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro. Stärken wir unseren Standort, indem wir diesen vielseitiger aufstellen, so schaffen wir die Voraussetzungen für ein intelligentes Wachstum. 

Dies scheint mir ein verantwortlicher Weg in die Zukunft zu sein“.