NIC. DICKEN

Zu jedem Jahreswechsel gehört traditionell ein umfassender Ausblick auf die Wirtschaftsentwicklung, der einerseits auf den Tendenzen der letzten Monate beruht, andererseits aber auch Wandlungen vorgreift, die aufgrund rezenter Entscheidungen oder veränderter Rahmenbedingungen erwartet werden. Die wenigsten Prognosen für das Jahr 2019 geben Anlass zu Optimismus, eher im Gegensatz zu den Voraussagen der letzten Jahre. Dramatisch ist das nicht unbedingt, umso weniger vielleicht, als viele Gründe für die Verlangsamung oder einen eventuellen Rückgang als eher „hausgemacht“ angesehen werden müssen. Bedenklich trotzdem!

Zwei Ursachen für eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im neuen Jahr fallen einem auf Anhieb ein: Es sind dies, auf der globalen Seite, die steuerlichen Importbeschränkungen, die US-Präsident Trump vor allem gegen die Exportmächte China und EU aufgebaut hat und die von den beiden Gegenseiten mit gleicher Münze vergolten werden, sowie auf der europäischen Seite der drohende „harte“ Brexit, der nicht nur das Vereinigte Königreich über Jahre hinweg ins Herz treffen würde, sondern auch den stärksten Wirtschaftsnationen der EU zumindest mittelfristig Probleme bereiten würde. Beide Phänomene beruhen auf logisch nicht gänzlich nachvollziehbaren und eigentlich völlig überflüssigen Entscheidungen, zeigen aber, wie anfällig die Weltkonjunktur dennoch auf solche Beschlüsse reagieren kann.

Auch wenn das Ausmaß des Bremseffektes nur schwer abschätzbar erscheint, so wird dieser doch für eine Verstörung und zwangsläufige Verlagerung der Austauschwege führen, die nicht nur positive Aspekte beinhaltet. Das in den letzten Jahren entstandene oder zumindest als solches empfundene Gleichgewicht des globalen Wirtschaftsgefüges wird nicht mehr das sein, was es bisher war, zumal auch noch Druck aufgebaut wurde und wird, wichtigen Nationen wie etwa Russland oder Iran über Wirtschaftssanktionen den Zugang zum Weltmarkt zu verwehren.

Nicht nur wirtschaftspolitische Faktoren, sondern in stärkerem Ausmaß auch geopolitische Überlegungen und Strategien wirken zudem auf die globale Konjunktur ein. Jüngstes Beispiel ist die harsche Drohung des chinesischen Präsidenten Xi Jinping an die Adresse der nach wie vor als abtrünnige Provinz angesehenen Republik Taiwan, die angesichts schwindender Absatzmöglichkeiten stärker als zuvor wie ein ernsthafter Konkurrent und Störenfried empfunden wird. Neben der wirtschaftspolitischen hat darunter auch die strategiepolitische Lage zu leiden.

Leider gibt es noch viele weitere derartige Krisenherde. Die total feindselige Einstellung Trumps zu natürlichen Partnern wie es mittel- und südamerikanische Staaten eigentlich sein müssten, die verfahrene Lage im Nahen Osten und in der Golfregion, das weiter angespannte Verhältnis der Staaten in Fernost und die dauerhaft schwelenden Konflikte am Schwarzen Meer und im Kaukasus tragen kaum zu Hoffnung auf schnelle Besserung bei. Gewinner sind angesichts der immer offener gezeigten Konfliktbereitschaft kurzfristig nicht auszumachen.