PASCAL STEINWACHS

Auch wenn sie nun schon fast fünf Jahre die Oppositionsbank drückt, so verhält sich die frühere ewige Regierungspartei aber immer noch wie eine Diva, stellt sie ihr „Plang fir Lëtzebuerg“ getauftes Wahlprogramm doch nur häppchenweise vor, da es einfach zu viel gewesen wäre, das ganze Programm in einem Wurf zu präsentieren, wie CSV-Generalsekretär Laurent Zeimet die ganze Chose bei der dieswöchigen Vorstellung des ersten von drei Teilen zu erklären versuchte. Sogar das befreundete „Wort“ machte sich gestern über die Vorgehensweise der größten Oppositionspartei lustig, indem es bemerkte, dass der Plan für Luxemburg „so groß“ sei, dass die CSV ihn nur scheibchenweise preisgeben könne; „wohl dosiert in Einzelportionen“ sei der Plan auch besser verdaubar.

Das ganze Wahlprogramm wird sowieso erst nach den Sommerferien auf einem Wahlkongress vorgestellt, weniger als einen Monat vor dem Wahltermin (!), so dass sich die Spindoktoren der CSV bis dahin noch einmal in aller Ruhe die anderen Wahlprogramme (die bis Ende dieses Monats ja allesamt in ihrer Integralität vorliegen sollen) anschauen können, um ihren „Plang fir Lëtzebuerg“, zu dem anscheinend jetzt schon 480 Änderungsanträge eingereicht wurden, dann gegebenenfalls zu ergänzen und anzupassen.

Dass das CSV-Wahlprogramm nur scheibchenweise präsentiert wird - am 13. August und am 10. September sollen die zwei nächsten Teile vorgestellt werden, derweil am 7. September die Wahlkampagne lanciert wird - hat aber natürlich auch damit zu tun, dass es die größte Oppositionspartei dadurch nicht nur fertigbringt, dass in den Medien weiterhin über das Wahlprogramm spekuliert wird, sondern dass eben dort auch mehrmals über sie berichtet wird (was übrigens auch erklären dürfte, warum die LSAP in den vergangenen Tagen gleich zweimal Bilanz gezogen hat).

Viel Neues war auf der ersten Pressekonferenz der CSV zum Wahlprogramm jedoch nicht zu erfahren, nur dass es dem christsozialen Spitzenkandidaten als „unsinnig und martialisch“ erscheint, im Wahlkampf - so wie zu Beispiel die Sozialisten bei den Renten und beim Index -
„rote Linien“ zu setzen. Anders ausgedrückt: Die CSV will es sich mit keinem potenziellen Koalitionspartner - und außer der adr und der „déi Lénk“ sind das bekanntlich alle - verderben.

Zurückzubehalten ist von der Pressekonferenz hauptsächlich, dass Claude Wiseler heftig zurückgerudert ist, was die Gemeindefusionen anbelangt, wo er noch im März auf dem Parteikonvent dafür plädiert hatte, die Zahl der Gemeinden bis 2029 von 102 auf 60 zurückführen. Nach heftigem Gegenwind von allen Seiten will sich Wiseler nun auf keine konkrete Zahl mehr festlegen lassen. Ob es am Ende 50, 60 oder 70 Gemeinden seien, das spiele keine Rolle; wichtig sei nur, dass sie gut funktionieren. LSAP-Innenminister Dan Kersch bezeichnete Wiseler gestern auf Facebook denn auch als „neie Champion am Zeréck-Ruderen!“, derweil DP-Generalsekretär Lamberty auf Twitter von „Wackelpudding“ sprach. Der Wahlkampf nimmt langsam aber sicher Fahrt auf, und das ist auch gut so...